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Gerhard Berger: All those years ago

Er war neben Niki Lauda der erfolgreichste Formel-1-Fahrer Österreichs, fuhr 210 Rennen, gewann zehn davon und war der bestbezahlte Rennfahrer seiner Zeit: Heute leitet Gerhard Berger ein Transport- und Logistikimperium in Tirol mit 500 Mitarbeitern, hat die DTM-Rennserie übernommen und ist gerade Großvater geworden. Im OOOM-Gespräch erzählt er über sein neues Leben in Tirol, die Schwierigkeiten als Patchwork-Familie, seinen Freund Niki Lauda, warum die Formel 1 meistens langweilig ist– und wie Ex-Beatle George Harrison kurz vor seinem Tod inkognito zwei Monate bei ihm in Söll im Tirol lebte.

GEORG KINDEL22. Dezember 2020 No Comments
Gerhard Berger

Sie haben fünf Kinder, Ihre älteste Tochter ist 40.
Ich bin gerade Großvater geworden das erste Mal. Miguel heißt mein Enkel.

Gratulation! Ist das einschneidend für Sie?
Eigentlich ist es ja längst überfällig gewesen. Aber andererseits passt es auch dazu, was ich gerade gesagt habe: Back to the roots.

Sie sind ja mit 57 wieder Vater geworden. Das heißt: Ihr Enkel ist nicht viel jünger als Ihr Sohn.
Ja, Johan ist drei.

Mit 57 Jahren wurde Gerhard Berger nochmals Vater. Sein Sohn Johan fährt mit drei Jahren bereits Rennen.

Sind Sie heute ein anderer, vielleicht besserer Vater als damals?
Ich war immer ein guter Vater zu allen Kindern, aber jetzt habe ich mehr Zeit. Mir ist es sehr wichtig, mir mehr Zeit zu nehmen.

Was macht einen guten Vater aus?
Verständnis für seine Kinder zu haben, liebevoll zu ihnen zu sein und sie in den Vordergrund zu stellen.

Hatten Sie in Ihrer aktiven Zeit als Formel-1-Fahrer überhaupt Zeit dazu?
Nein, ich war ein guter Vater, aber viele Sachen habe ich nicht in den Vordergrund gestellt. Das mache ich jetzt.

Sie haben zwei Töchter aus Ihrer Ehe mit der Portugiesin Ana, es gibt Ihre älteste Tochter Christina und jetzt zwei kleine Kinder mit Helene. Ist es schwierig, die ganze Familie zusammenzubringen?
Ja. Es ist mir leider nicht gelungen, und das ist auch meine größte Niederlage und der Punkt, bei dem ich am meisten Schmerz empfinde.

Es ist mir leider nicht gelungen, meine ganze Familie zusammenzubringen. Das ist meine größte Niederlage.

Woran liegt das?
Ich habe zum Beispiel mit Rosi, der Mutter von Christina ein Riesenglück gehabt. Als ich mit Ana zusammengekommen bin, war das für Rosi natürlich sehr schlimm und enttäuschend, aber sie hat sich immer dafür eingesetzt, dass die Beziehung zu Christina aufrecht bleibt. Auch mit Helene und den zwei kleinen Kindern kommt Rosi wahnsinnig gut zurecht. Bei meiner Scheidung von Ana habe ich lernen müssen, dass die Wege nicht mehr zusammenfinden. Ana und ich waren 23 Jahre zusammen und 18 Jahre verheiratet. Nach der Scheidung haben wir leider bis heute nur sehr wenig Kontakt. Ich sehe meine beiden Töchter, wir haben auch ein gutes Verhältnis und arbeiten gemeinsam daran, dass es noch besser wird. Eine Patchwork-Familie ist immer eine Herausforderung, trotzdem werde ich mich weiter darum bemühen.

Man kennt Sie als extrem umgänglichen Menschen.
Ja, aber dennoch hatten meine Ex-Frau und ich einen langen Rechtsstreit. Ich habe damals die Entscheidung getroffen und dazu stehe ich heute noch. Heute bin ich mit meiner Partnerin sehr glücklich und habe zwei tolle Kinder. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wenn man verliebt ist: entweder ist man ehrlich und irgendwie muss dann jeder damit umgehen. Oder man sagt: Nein, ich mache das meinen Kindern zuliebe nicht. Mein Ziel ist es aber nach wie vor, irgendwann eine glückliche und vereinte Patchwork-Familie zu haben.

Sie haben noch nie mit allen Kindern gemeinsam Weihnachten gefeiert?
Das wäre mein größter Wunsch. Ich bezweifle aber, dass der in meinem Leben noch in Erfüllung geht.

Wie ist das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Ihnen und Johan?
Nach vier Töchtern braucht man ein bisschen Zeit, bis man sich an einen Sohn gewöhnt hat. Helene hat mit Autos gar nichts am Hut, ihr Vater war Lehrer. Sie ist aus einer Familie, in der man studiert, Bücher liest und sich mit Museen beschäftigt. Johan ist jetzt drei, fährt Motocross und interessiert sich eigentlich nur für alles, was rund ums Auto passiert.

22. Dezember 2020