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Gerhard Berger: All those years ago

Er war neben Niki Lauda der erfolgreichste Formel-1-Fahrer Österreichs, fuhr 210 Rennen, gewann zehn davon und war der bestbezahlte Rennfahrer seiner Zeit: Heute leitet Gerhard Berger ein Transport- und Logistikimperium in Tirol mit 500 Mitarbeitern, hat die DTM-Rennserie übernommen und ist gerade Großvater geworden. Im OOOM-Gespräch erzählt er über sein neues Leben in Tirol, die Schwierigkeiten als Patchwork-Familie, seinen Freund Niki Lauda, warum die Formel 1 meistens langweilig ist– und wie Ex-Beatle George Harrison kurz vor seinem Tod inkognito zwei Monate bei ihm in Söll im Tirol lebte.

GEORG KINDEL22. Dezember 2020 No Comments
Gerhard Berger

Bergers Unternehmensgruppe in Tirol

Sie sind jetzt 61. Welche Ziele und Visionen haben Sie heute?
Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Bälle in der Luft, egal ob es in der Firma war, bei der DTM oder im Motorsport. Jetzt möchte ich sie eigentlich nur noch alle auffangen und sauber ordnen, damit ich irgendwann alles sorglos übergeben kann. An wen, das wird sich zeigen. Meine Mädchen interessieren sich für die Firma nicht. Daher setze ich auf ein junges Management. So überbrücke ich die Zeit, die es braucht, bis mein Sohn die Chance hat einzusteigen.

Was wollen Sie mit der DTM erreichen?
Die DTM ist eine große Herausforderung. Ich habe aber bewusst beschlossen, die Anteile zu übernehmen und die Herausforderung anzugehen.

Wie bringt man die DTM auf das nächste Level?
Es ist kein Formel-1-Produkt, aber mein Ziel ist es, auch so ein Event daraus zu machen. Rennautos, die herumfahren, reichen nicht mehr. Die DTM war bisher sehr herstellergeprägt, es drehte sich vieles um die Technik, die aber nur die Hardcore-Motorsport- Fans interessiert. Die Events müssen künftig ein Erlebnis für die ganze Familie sein. Das Konzept dafür zu erarbeiten ist eine Herausforderung.

Was ist für Sie ein richtig gutes Leben?
Früher hat sich das richtig gute Leben sehr orientiert an Luxus und Erfolg. Aber eigentlich bin ich heute froh, wenn ich gesund bleibe. Heute würde ich einfach sagen, ein abgesichertes Leben ist wichtig. Ich hätte große Angst davor, Monat für Monat zu kämpfen, um meine finanzielle Seite so abzusichern, dass ich zu esse habe und meine Familie ein Zuhause.

Früher hat sich das richtig gute Leben sehr orientiert an Luxus und Erfolg. Heute bin ich eigentlich froh, wenn ich gesund bleibe.

Sie liebten immer das Risiko.
In meinem Leben war ich immer wieder für Risikobereitschaft in allen Bereichen, im Geschäft, im Skifahren, im Motorsport. Es ist wie beim Flugzeugabsturz: Wenn eine einzige Sache danebengeht, ist das kein Problem. Aber wenn die Technik komplett versagt, hat man ein Problem. Es war immer mein Ziel, mit meinen Firmen sehr gut abgesichert zu sein. Allerdings habe ich bei meinem Fahrzeugbetrieb große Investitionen in den letzten Jahren gewagt. Wenn nur zur gleichen Zeit auch noch Corona aus dem Nichts kommt, macht es einen schon nervös. Natürlich wirft mich das privat nicht aus der Bahn, aber im beruflichen Kontext gehe ich eher konservativ an Sachen ran.

Als Ihr Vater gestorben ist und Sie die Firma übernommen haben, hatte sie ca. 30 Millionen Schulden. Daraus ist ein erfolgreiches Unternehmen geworden mit 169 Millionen Euro Umsatz.

In der Firmengruppe setzen wir momentan über 200 Millionen Euro um, in den meisten Teilen haben wir Eigenkapitalquote. Das ist im Logistikbereich eine gute Quote. Darüber hinaus investieren wir unsere Erträge grundsätzlich in die Firma und nehmen sie nicht heraus.

Wo sehen Sie sich mit 70?
Mit Helene, die eine super Partnerin ist, habe ich immer viel Sport gemacht. Jetzt ist sie in erster Linie mit den kleinen Kindern beschäftigt und ich mit den Betrieben. Eigentlich ist mein Traum, einen Gang zurückzuschalten. Ich möchte mit meiner Familie Ski- und Radfahren, gesund leben und die gemeinsame Zeit genießen. Ich möchte mir meine Zeit frei einteilen können. Das geht aber nur mit einem Management in meinen Firmen. Aber das wäre mein Traum.

 

Fotos: Roland Unger

22. Dezember 2020