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Reinhard Kepplinger und sein grünes Weltbild

Mit 25 Jahren stieg der gebürtige Linzer Reinhard Kepplinger gleich nach Abschluss seines BWL-Studiums in ein Aussteigerprojekt andersdenkender Menschen ein. Es war das Jahr 1985, aus der Aufbruchsstimmung der 1968er hatte sich die Öko-Bewegung entwickelt. Heute, 33 Jahre später, zählt das einstige Zwei-Personen-Abenteuer Grüne Erde zu den Pionieren des Nachhaltigen Wirtschaftens und des Crowdfundings. OOOM besuchte die neu eröffnete Grüne Erde-Welt und sprach mit Reinhard Kepplinger über sein Paradeunternehmen.

Suzanne Rosalie Martin4. Dezember 2018 No Comments
ooom magazin gruenes weltbild

Am Anfang stand eine gute Idee und eine große Portion Idealismus. Reinhard Kepplinger und sein Freund aus Studientagen, Kuno Haas, waren einst aktiv in der Alternativen Liste, den Vorläufern der heutigen Grünen. Sie engagierten sich für eine bessere Welt, gegen den Klimawandel und für soziale Gerechtigkeit. Da stießen sie auf das Unternehmen Grüne Erde, dessen Philosophie ihrer sehr ähnlich war. Sie kauften das Unternehmen dem Gründerpaar Kammerhofer nahezu ohne Eigenmittel ab und entwickelten Grüne Erde erfolgreich weiter. Mittlerweile gibt es 16 Stores in Deutschland und Österreich und einen Online-Shop.

440 Mitarbeiter. Grüne Erde beschäftigt heute 440 Mitarbeiter, der Jahresumsatz beträgt circa 40 Millionen Euro, das Sortiment wurde deutlich vergrößert und auch um zwei Bereiche erweitert: Naturkosmetik und Mode. Die verwendeten Textilien sind GOTS-zertifiziert. Dies garantiert den weltweit höchsten Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Besonders am Herzen liegen den Entrepreneuren ihre Mitarbeiter. Grüne Erde bietet 50 verschiedene flexible Arbeitszeitmodelle an, denn ihr Team ist die „wertvollste Ressource“. Fluktuation kennt man beim grünen Pionier nicht. Die Produkte werden ausschließlich selbst vertrieben: über die Stores, den Versand- und Online-Handel, der mittlerweile ca. 25 % des Umsatzes bringt, Tendenz stark steigend. Wer jetzt meint, dies alleine sei schon inspirierend, der sollte der kürzlich eröffneten Grünen Erde-Welt im Almtal einen persönlichen Besuch abstatten. Auf einem 16 Hektar großen Biosphären-Areal befindet sich das 9.000 Quadratmeter große Gebäude eines ganzheitlichen Konzepts. Hier befinden sich die gesamte Textil- und Matratzen-Produktionsstätte sowie ein Erlebnis-Store inklusive Bistro. Eine Architektur, die sich harmonisch in die Natur einfügt, durch 13 bewaldete Innenhöfe klimatisiert wird, ist nicht nur ästhetisch eine Wohltat. Die Fassade verbindet sich mit der Natur, am vorderen Bereich wurden Glasschindeln angebracht, davor ein Wald gepflanzt. Dieser spiegelt sich in der Fassade wider. Zusätzlich bauen zwei Frauen aus Scharnstein mit viel Liebe Gemüse-Raritäten an und vermarkten diese durch die Gemüsekooperative Almgrün. Deren Kunden beteiligen sich mit einer monatlichen Pauschale und bekommen Anteile aus der Ernte, je nachdem, wie diese ausfällt. Den anderen Bereich lassen sie von einem Bio-Bauern bewirtschaften.

Z: Es ist möglich, umweltgerecht und Sozial Fair zu wirtschaften und gerade DeshalB erfolgreich zu sein.

Herr Kepplinger, wie finanziert man all das?

Wir sind über Crowdfunding finanziert, Grüne Erde war das zweitgrößte Projekt in Österreich dieser Art. Das erste war Heini Staudinger, der hat uns damals geholfen, quasi den Weg geebnet und uns vor Augen geführt, was man machen darf und was nicht. Wir haben 2012 unsere Kunden um finanzielle Unterstützung gebeten und das ist uns in nur vier Monaten gelungen. Wir wollten bankenunabhängig werden. Es ging echt schnell.

Hat das die Finanzmarktaufsicht akzeptiert?

Wir haben mit der FMA gemeinsam ein Modell erarbeitet, damals gab es ja noch kein Alternativgesetz. Das wurde erst danach erlassen.

Hat Ihr Umfeld Ihre nachhaltigen Bestrebungen unterstützt oder war es anfangs sehr schwierig?

Als ich mich der Alternativen Liste anschloss, hieß es, studier doch lieber fertig. Doch als meine Oma mich dann im Fernsehen demonstrieren sah, da waren sie stolz.

Sie wollen Ihren Beitrag leisten, unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Wie?

Um den Planeten mache ich mir keine Sorge, die Erde braucht uns nicht, die wird wieder neue Ökosysteme hervorbringen. Und wir Menschen? Wir können uns retten, indem wir vorausschauender werden. Wir müssen schauen, dass wir unsere Politiker unter Druck setzen, damit sie etwas für den Klimaschutz tun. Ohne Vorschriften und Regelungen wird das nicht gehen.

Ihre Empfehlung? Je mehr Menschen ihre Meinung kundtun, egal ob auf Facebook, Twitter, durch Demos oder durch Leserbriefe: Es wird wahrgenommen! Aber es müssen viele Stimmen sein. Donnerstags- Demos schaden sicher auch nicht.

www.grueneerde.com

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