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Nur die Liebe zählt

RTL-Gründer Helmut Thoma erfand das deutsche Privatfernsehen und machte die RTL Group als langjähriger Vorstandsvorsitzender zu Europas größtem und profitabelstem TV-Konzern. Der legendäre Fernsehmacher und seine Frau Danièle sprechen im OOOM-Interview über die Liebe, ihre Ehe, Affären, die Unfähigkeit seiner RTL-Nachfolger, das Ausnahmetalent Sebastian Kurz, warum es für Wiens Bürgermeister Häupl Zeit ist, zu gehen – und warum auch Angela Merkel endlich abtreten sollte.

CHRISTINA ZAPPELLA-KINDEL & GEORG KINDEL4. August 2017 No Comments

Die Thomas im Gespräch mit den OOOM-Herausgebern Christina Zappella-Kindel und Georg Kindel. (Foto: Roland Unger)

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Welche Rolle hatte Danièle in Ihrer Karriere?
Erstens mal hat sie mir den Rücken freigehalten. Aber nicht nur das: Ich habe sie immer aktiv miteinbezogen. Wir haben alles besprochen, von „Tutti Frutti“ angefangen. Mein Fehler war: Ich habe den Sender faktisch wie ein Unternehmer geführt. Die Franzosen, die Luxemburger und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Anm.: damals RTL-Gesellschafter) haben sich mit uns verbündet, aber dann hat die WAZ die Fronten gewechselt und sich mit Bertelsmann zusammengetan. Dann wurde es schwierig und ich hatte auch nicht mehr so viel Spaß. Ich bekam dann 1997 eine Einladung zu Bundeskanzler Kohl, zu dem ich wegen seiner Freundschaft zu Leo Kirch immer ein bisschen Abstand gehalten habe. Ich fragte mich, was er von mir will. Und dann sagte er: „Sie wissen, Herrn Kirch geht es nicht gut.“ Er hatte nämlich gerade das Problem mit Pay-TV gehabt, das er viel zu teuer eingekauft hatte. Und Kohl weiter: „Überlegen Sie sich mal, ob Sie nicht mit Herrn Kirch sprechen wollen, der würde so jemanden wie Sie brauchen!“ Da habe ich den größten Fehler meines Lebens begangen. Wäre ich zu Kirch gegangen, hätte ich erstens wahnsinnig viel Geld verdient und zweitens diesen ganzen Verein RTL hinter mir lassen können. Ich bin von Kohl rausgegangen und als ich im Wagen saß, dachte ich mir: Chapeau! Einen Bundeskanzler als Headhunter, das leisten sich die wenigsten.

DANN STARB UNSER BABY.
UTA KUNZ KAM UND BEZIRZTE
HELMUT IN EINER WEISE,
DASS ER SICH UNSTERBLICH IN DIESE
FRAU VERLIEBTE UND NICHT
MEHR ZU HALTEN WAR.

Dann kam das Jahr 1998, wo es zum Bruch kam. Nicht nur, was RTL betrifft, sondern auch Ihre Ehe.
1997 ist meine Mutter gestorben und das hat bei mir viel ausgelöst.
Danièle Thoma: Wir haben vorher im November 1996 unser Baby verloren und im März 1997 ist Helmuts Mama gestorben. Ich bin ja Helmuts dritte Ehefrau, und wir haben uns eigentlich beide immer noch ein kleines Mädchen gewünscht. Ich war auch nicht mehr so ganz jung, und es war der große Traum, nach 10 Jahren dann doch schwanger zu werden. Doch ich verliere dieses Kind und 6 Monate später verliert der Helmut seine Mama, und wahrscheinlich konnte ich da nicht so für ihn da sein, weil ich dermaßen traurig war. Die Bertelsmänner setzten ihm wahnsinnig zu, und er verlor die Macht oder hatte kein Interesse mehr. Es war der Wurm drinnen.
Helmut Thoma: Da kam das Angebot von Wolfgang Clement: „Willst du nicht zu mir in die Staatskanzlei kommen? Ich werde höchstwahrscheinlich im Herbst zum Ministerpräsidenten gewählt und ich würde dich dort brauchen.“ Und ich dachte mir: Das ist ein schöner Abschluss. Plötzlich taucht der Zeiler als der große Nachfolger auf! Dann wollte ich auch nicht mehr in den Aufsichtsrat von RTL gehen, ich habe gesagt: „Auf Wiederschauen!“
Wie ist es zwischen Ihnen auseinandergegangen?
Danièle Thoma: Wir bekamen eine Einladung von Familie Ohoven nach Marbella. Ich war Ute Ohovens (Anm.: UNESCO-Sonderbotschafterin) stärkste Konkurrentin im Charity-Bereich, hatte die Stiftung „Wir helfen Kindern“ ins Leben gerufen. Ich weiß nicht, ob da eine latente Eifersucht war. Da kam Frau Ohovens beste Freundin, Uta Kunz, eine Ärztin, ins Spiel. Und diese Frau hatte die Kunst, weil sie sehr viel mit den Saudis zu tun hatte, meinen Mann in einer Art zu bezirzen, dass er sich wohl dachte: Das ist etwas völlig Neues, und meine Frau ist dann doch nicht mehr so interessant. Ich kann nicht sagen, dass in unserer Ehe etwas nicht gestimmt hätte, aber ich glaube, es war da einfach der Moment: Du wolltest raus, Helmut. Du wolltest einfach etwas Neues.
Ahnten Sie, dass er sich trennen wird?
Ich habe schnell festgestellt, dass er sich unsterblich in diese Frau verliebt hatte und merkte, dass er nicht mehr zu halten war. Die neue Frau hatte eine Macht über ihn, das war unglaublich. Ich war schwach und verweint und hatte vielleicht nicht mehr diese Ausstrahlung, wie ich sie vor Jahren noch hatte. Ich hab gedacht: Mein Mann ist von Sinnen! Ich habe ja gemerkt, wie sie dem bei RTL zusetzten. Und wie sie gegen ihn zu arbeiten begannen. Ich wollte ihm das alles sagen, aber ich kam nicht mehr an ihn ran. Sie hatte das Telefon blockiert, er war nicht mehr zurechnungsfähig. Ich hab ihn immer noch verteidigt, die Leute hielten mich für verrückt. Der allerschlimmste Tag war der, da kam Bertelsmann zu mir und wollte mich manipulieren, etwas Schlechtes gegen meinen Mann zu sagen. Der Vorstand hat mich ausgequetscht. Einer sagte mir ins Gesicht: „Er hat Sie ja sitzen lassen wie den letzten Dreck, und Sie sprechen über Ihren Mann nach wie vor so edel?“ Ich habe gesagt: „Wissen Sie, mein Mann ist mein Held, und er ist nicht nur mein Held, sondern der von all diesen Mitarbeitern!“ Sie sind dann zum Helmut rübergegangen. Eine halbe Stunde später stand Helmut bei mir in der Tür und war wirklich angeschlagen.
Helmut Thoma: Sie haben mich noch gefragt, ob ich Chef vom Aufsichtsrat werden will. Und ich habe gemeint: „Das kommt nicht in Frage!“ Das mit Uta Kunz ist ernsthaft nur ein Dreivierteljahr gegangen.
Nach diesen Verletzungen, die sicher sehr tief waren, wieder zusammenzufinden: Wie ging das?
Danièle Thoma: Ich habe ein neues Leben begonnen und habe ein Jahr alleine gelebt. Ich wurde von einigen gar nicht mehr eingeladen und von anderen getragen. Vor allem Frauen trugen mich. Verlegerin Friede Springer setzte mich bei Galas immer bewusst vor den Helmut und die Frau Kunz …
Sind Sie einander auf Veranstaltungen begegnet?
Ja, schon. Ich hatte es relativ leicht gegenüber der Frau Kunz, weil ich sah doch ein bisschen besser aus und machte mich dann immer besonders hübsch, trug Valentino und Chanel und habe den Helmut immer ganz bewusst zugeprostet. Sie neben ihm wurde immer dicker und fetter, und ich genoss das natürlich. Ich hatte dann das ganz große Glück, Sir Peter Ustinov zu beraten, das war wirklich eine Figur für mich, die mir sehr viel Halt gab. Es bot sich dann die Gelegenheit, mich in eine Schiffswerft einzukaufen, eine kleine, aber feine in Viareggio in Italien, ich wurde die Präsidentin. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Und dann passierte mir eine Begegnung, die für mich im Charity-Bereich unglaublich war. Ich lernte Lea Rabin, die Witwe des israelischen Ministerpräsidenten, kennen. Sie erzählte mir vom größten Krankenhaus im Mittleren Osten auf israelischer Seite, das Chaim Sheba Medical Center, wo kein Unterschied zwischen Palästinensern und Juden gemacht wird. Es ist eine Freundschaft daraus geworden. Ich begann dann Charity-Abende in Monte Carlo zu organisieren, wo bis zu drei Millionen an einem einzigen Abend mit 200 geladenen Gästen gespendet wurden. Das gab mir natürlich eine unglaubliche Power.
Helmut Thoma: Und ich bin dann auch wieder zurückgekommen! (lacht) Das war 2003.
Danièle Thoma: Bevor wir dann geschieden werden sollten, schrieb ich das Buch „Hochexplosiv – Mein Leben mit Mister RTL“ und rechnete eigentlich mit Helmuts Feinden auf eine sehr weibliche Art und Weise ab. Und so stand so mancher Medienkönig ohne Kleider da, um es mal auf den Punkt zu bringen.
Das Buch ist ja eigentlich eine Liebeserklärung.
Helmut ist die Liebe meines Lebens und ich wollte ihm einfach zeigen, was er aufgegeben hat. Ich schrieb aber auch zum Schluss: „Ich habe meinen Alchemisten gefunden …“

4. August 2017