Top Stories

Nur die Liebe zählt

RTL-Gründer Helmut Thoma erfand das deutsche Privatfernsehen und machte die RTL Group als langjähriger Vorstandsvorsitzender zu Europas größtem und profitabelstem TV-Konzern. Der legendäre Fernsehmacher und seine Frau Danièle sprechen im OOOM-Interview über die Liebe, ihre Ehe, Affären, die Unfähigkeit seiner RTL-Nachfolger, das Ausnahmetalent Sebastian Kurz, warum es für Wiens Bürgermeister Häupl Zeit ist, zu gehen – und warum auch Angela Merkel endlich abtreten sollte.

CHRISTINA ZAPPELLA-KINDEL & GEORG KINDEL4. August 2017 No Comments

Danièle und Helmut Thoma mit ihrem Hund Garfield, einem Parson Jack Russell Terrier. (Foto: Roland Unger)

War diese Situation, als das mit RTL zu Ende ging, ein Moment der Zäsur, wo Sie gesagt haben: Ich mache jetzt auch privat einen radikalen Schnitt?
Helmut Thoma: Die Faszination von Frau Uta Kunz hat irgendwie sehr schnell nachgelassen, nachdem ich gemerkt habe, dass sie doch sehr materialistisch ist. Und das ganze arabische Getue hat mich dann irgendwie genervt. Am Anfang hat sie mich unglaublich interessiert. Ich hab sie ein paar Mal gesehen und hab mir gedacht: Die sieht toll aus.
Danièle Thoma: Der Wolfgang Clement hat immer zu mir gesagt: „Halt aus, halt aus, halt aus. Er kommt wieder.“ Deswegen sage ich zum Schluss: „Man muss nur Geduld haben.“
Helmut Thoma: An sich hätte ich schon nach einem oder zwei Jahren zurückgehen können. Da kam auch die Sorge, dass da zu große Verletzungen sind und das dann nicht mehr funktioniert.
Danièle Thoma: Du hättest mich ja fragen können!
Helmut Thoma: Ja, das tut man in so einem Fall nicht.

FRAU MERKEL SOLLTE SCHON LÄNGST
ABDANKEN. SIE FUNKTIONIERT NUR MEHR,
WEIL SIE EINE URALTE ÖSTERREICHISCHE
KANZLEIWEISHEIT ANWENDET: NICHTS ZU TUN
UND ALLES LIEGEN ZU LASSEN.

Danièle Thoma: Das Schönste war, als das Buch dann rauskam, saßen wir zum ersten Mal wieder gemeinsam bei Alfred Biolek in seiner Show „Boulevard Bio“, und wir wussten beide nicht, wie uns geschah. Die Frau Kunz war auch ein bisschen doof. Weil mich mit dem Helmut nach so einem Erfolgsbuch wieder bei einer Talkshow zusammenkommen zu lassen war ein schwerer Fehler. Biolek gab dann noch ein Abendessen und ich schaute Helmut an und er mich, und da sprühte es schon! Aber er konnte es natürlich nicht offiziell zugeben, weil da wäre er von Frau Kunz geköpft worden. Er sagte dann noch, als ich rausging: „Wir könnten doch auch wieder einmal abends Essen gehen!“ Was macht eine Frau? Sie zieht sich natürlich unglaublich an. Wir sind dann zum Italiener gegangen und Frau Kunz rief immer an: „Wo bist du denn?“ Ich genoss das natürlich und kippte Helmut einen Champagner nach dem nächsten rein. Wir wurden immer fröhlicher. Und sie rief weiter an. Und ich wusste: Jetzt hast du sie da, wo du sie hinhaben willst. Ich habe dann nicht sofort nachgegeben an dem Abend. Dann kam eine zweite Einladung und da dachte ich mir: Jetzt zeige ich ihm, dass ich ihn wieder zurückhaben will.
Sie pendeln zwischen Monte Carlo, Luxemburg und immer wieder auch Wien.
Helmut Thoma: Ich habe ja nie meinen österreichischen Pass aufgegeben. Ich habe ein paar Angebote bekommen, Deutscher zu werden, Doch ich wollte Österreicher bleiben. Meine Mutter hat bis 1997 hier gelebt, ich hatte eine Wohnung hier, und bin immer wieder für zwei, drei Tage nach Wien gekommen. Ich habe den größten Teil meines Lebens in Deutschland verbracht, ein wenig in Frankreich, Luxemburg, aber Deutschland hat mich nie beeindruckt. Deutscher wollte ich auf keinen Fall werden.
In Österreichs Politik wurde überlegt, auch von Wiens Bürgermeister Michael Häupl, Gerhard Zeiler zum Bundeskanzler zu machen. Was dachten Sie dabei?
Die Leute, mit denen ich ernsthaft geredet habe, die haben gesagt: „Der Häupl spinnt!“ Nur weil er den Kern verhindern wollte. Ein Bürgermeister, der sagt: „Hier steh ich in meiner ganzen Pracht und Herrlichkeit“, da weiß man ja schon, was da dahintersteht. Er ist schon zu lange Bürgermeister. Es ist Zeit, zu gehen.
Ein Bundeskanzler Kern, hat der für Sie Klasse?
Er ist jung, hat zumindest in der Wirtschaft Erfolge gehabt. Wenn mir bei Frau Merkel, die ich von allem Anfang an erlebt habe, jemand gesagt hätte, dass sie einmal Bundeskanzlerin wird, hätte ich gemeint: „Reden Sie mal mit Ihrem Psychiater!“ Das hätte ich nie für möglich gehalten.
Sollte sie auch langsam abdanken?
Schon längst. Merkel funktioniert nur noch, weil sie eine uralte österreichische Kanzleiweisheit bis zum Endpunkt anwendet: nämlich nichts zu tun und alles liegen zu lassen. Die Entscheidungen, die sie bisher getroffen hat, waren Katastrophen. Speziell als sie sagte: „Wir schaffen das!“ Ihr Kinderlein kommet. Wenn der Sebastian Kurz und andere nicht die Balkanroute gesperrt hätten, dann wären sie wahrscheinlich überrannt worden und hätten zu schießen begonnen.
Österreichs Politiker sind da besser?
Wir haben einen Justizminister, der ein erfolgreicher Strafverteidiger war und eine wirkliche Berufserfahrung hatte. Was haben die Deutschen? Einen Herrn Maas. Der war Regional-SPD-Häuptling im Saarland, Nachfolger von Klimmt, Nachfolger von Lafontaine. Ein Buberl, der war damals sehr jung, hatte halt irgendetwas studiert gehabt und das war zufällig Jura. Was ist passiert? Er hat alle Landtagswahlen, für die er zuständig war, mit Bomben und Granaten verloren. Mit immer höheren Differenzen, sodass die Verzweiflung ausgebrochen ist und sie gesagt haben, sie suchen ihm einen Job. So ist er Justizminister geworden. Oder nehmen wir den Landwirtschaftsminister in Österreich, Andrä Rupprechter. Er hat Agrarwissenschaft studiert, ist Diplomingenieur, war sechs Jahre in Brüssel, spricht vier Sprachen. Der deutsche Landwirtschaftsminister war sehr lange in der CSU. Und das können Sie immer so weiterführen.

HERR MAAS WAR EIN BUBERl,
DAS ZUFÄLLIG JURA STUDIERTE.
ER HAT ALLE LANDTAGSWAHLEN MIT BOMBEN
UND GRANATEN VERLOREN, SODASS SIE
EINEN JOB FÜR IHN FINDEN MUSSTEN.
SO IST ER DEUTSCHER JUSTIZMINISTER GEWORDEN.

Was halten Sie von Außenminister Kurz?
Er ist zweifellos ein politisches Genie. Ich hab mich nur einmal sehr kurz mit ihm unterhalten können, als er Wolfgang Clement eingeladen hatte. Wenn man sieht, was er jetzt schon erreicht hat, ist das phänomenal. Ich bin schon gespannt, was da im Herbst rauskommt. Ich nehme an, dass er die Wahlen gewinnt.
Frau Merkel sehen Sie also extrem kritisch?
Ich bin so überhaupt nicht überzeugt von Frau Merkel, weil ich nicht weiß, was sie eigentlich so wirklich geleistet hat. Sie steht da und macht ihre schöne Raute und alle sind begeistert. Aber das ist typisch Germanien! Deutschland wurde nach dem Krieg von den Nazis wiederaufgebaut, von niemandem sonst. Das waren alles Nationalsozialisten. Und weshalb? Weil die Amerikaner so die Hosen voll hatten vor den Sowjets. Am liebsten hätten die das Dritte Reich wieder auferstehen lassen als Puffer gegen die Russen. Irgendwann ist diese Generation ausgestorben, und die nächsten haben gemerkt, dass man damit keinen Blumentopf gewinnen kann. Also erklärten sie: Die Nazis sind an allem schuld. Das sind Aliens, die irgendwann einmal gelandet sind und die einheimische Bevölkerung in den Untergrund getrieben haben. Und jetzt sind wir die größten Bekämpfer der sogenannten Nazis. Es war wirklich so, als ob das Aliens waren! Da war die Rede von der „Nazi-Luftwaffe“. Es gab keine „Nazi-Luftwaffe“, es gab die deutsche Luftwaffe. „Nazi-Wehrmacht“, deutsche Wehrmacht. Deutschland ist ein in vielerlei Hinsicht zutiefst unehrliches Land. Was sich durch die ganze Historie nach zwei verlorenen Kriegen erklärt. Aber sie halten sich noch immer für die absoluten Siegfriede. In Wahrheit hat einer wirklich Recht gehabt, nämlich Churchill, der gesagt hat: „Die Deutschen hat man entweder an der Gurgel oder zu Füßen.“ „Letzteres ist mir lieber“, hat er angeblich bei Vorträgen ergänzt. Es gibt natürlich Unterschiede. Die ganze Nazibewegung ist in Bayern entstanden, aber sie haben damit nichts zu tun! Es ist so eine unehrliche Republik. Und die armen AfDler. Dass es in Deutschland eine rechte Partei geben muss. Jede Nation hat eine rechte Partei, Amerika hat sich mit Trump sogar einen absoluten Befürworter einer solchen Partei als Präsidenten gewählt.
Danièle, zum Schluss: Wenn Sie Helmut mit drei Attributen beschreiben sollen, welche würden Sie wählen?
Der Macher. Der Durchsetzungsfähigste. Und der Visionär.
Helmut, und Sie?
Meine Frau.
Danièle Thoma: Es ist Liebe. Er ist die Liebe meines Lebens. Und ich schäme mich nicht, das zu sagen.

4. August 2017