Arts & Design

Ich bin ein Hund, der auf den Knochen seiner Herrin wartet.

Jessica Schreckenfuchs8. Juni 2017 No Comments

Die Frauen. Wenn man sein Atelier in Prag betritt, betritt man unweigerlich seine Psyche. Der Geruch von Frauen hängt in der Luft. Parfum, Hüte, Tücher, dazwischen leere Alkoholflaschen. Alles Relikte aus Momenten, die Jan Saudeks Kabinett der verrückten Künste ein Stück weit mehr öffnet. Auch wenn man diese nicht begreifen kann. Vom kommunistischen Regime wurde er observiert, die 68er begeisterten ihn, die sexuelle Revolution machte er zum Thema. Seit damals umfasst sein Werk fast nur Aktfotografien. Für ihn liegt „der Beweis Gottes in der Frau. Frauen riechen göttlich, sie bewegen sich göttlich. Sie gebären göttlich. Frauen sind Göttinnen“, sagt er im OOOM-Gespräch. „Meinen Lebenslauf können Sie überall lesen, aber das macht mich nicht aus. Denn alles, was wir je gemacht haben, bereuen wir im Nachhinein immer.“

Die Männer. Für ihn ist ein Mann nur der Anhang einer Frau: „Nur so erkennt ein Mann den Mann in sich. Und das können nicht viele. Männer spielen ihr Spiel, doch Frauen haben längst begonnen zu dirigieren.“ Was inspiriert ihn zu seinen Bildern, die oft verstören: „Illusionen. Sex in allen göttlichen Formen. Frauen, die einen riesigen Hintern und riesige Brüste haben. Ich sehe Menschen als Tiere um mich herum, meine Kinder als Engel, wenn sie einschlafen. Meine Frau, die es mit mir nach all den anderen Ehen und schrecklichen Eskapaden aushält.“

Jan Saudek lässt sich nicht in simplen Worten beschreiben. Er ist anders. Zur Kamera greift der 81-Jährige, der mit seinen Bildern Weltgeltung erlangte, schon lange nicht mehr. Stattdessen greift er nur mehr zum Pinsel und übermalt alles, was er je fotografiert hat. Mit der Musik von Friedrich Smetana im Hintergrund.

8. Juni 2017