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Ideen brauchen Gehirn

Mathis Wackernagel, Erfinder des Ökologischen Fußabdrucks, schreibt in OOOM, auf welche 10 Faktoren es für das Ziel, eine Nachhaltige Lösung für unsere Welt zu finden, ankommt.

Mathis Wackernagel5. Juli 2017 No Comments

1. Ohne Natur geht nichts.

Die Natur erneuert Ressourcen und absorbiert Abfallstoffe. Sie reguliert unser Klima. Es gibt keine Wertschöpfungskette, die nicht materiell von der Natur abhängt. Ohne Ausnahme: Auch iTunes braucht physische Infrastruktur. Eine Idee braucht ein durchblutetes Hirn.

2. Wie viel Natur haben wir?

Die Rechnung ist einfach: Die Erdkugel hat einen Umfang von 40 000 Kilometern. Damit umspannt die Erdoberfläche 51 Milliarden Hektar. Ungefähr ein Viertel ist biologisch produktiv: Wälder, Felder, Feuchtgebiete und fischreiche Meere — vor allem die Küstengebiete. Der Rest sind Wüsten, Eisflächen, offene Meere mit wenig Fischen.

3. Was heißt das pro Kopf?

Mit einer Weltbevölkerung von über sieben Milliarden stehen uns somit pro Erdbewohner etwa 1,7 Hektar produktive Fläche zur Verfügung.

4. Können wir all die 1,7 Hektar nutzen?

Eher nicht. Einen Teil davon wollen wir den mehr als zehn bis hundert Millionen wilden Tierarten lassen, mit denen wir in Konkurrenz um diese limitierte ökologisch produktive Fläche (oder Biokapazität) stehen. Auch die brauchen Futter. Vielleicht wollen wir auch noch eine weitere Reserve lassen, denn die Weltbevölkerung wächst.

5. Wie viel hat Deutschland?

Mit 1,8 globalen Hektar an Biokapazität pro Bewohner ist es etwas reicher als die Welt. Globale Hektar bedeutet Hektar mit Weltdurchschnittsproduktivität. So können wir Flächen weltweit vergleichen.

6. Wie viel braucht Deutschland?

Um sowohl alles zu produzieren, was ein Deutscher im Durchschnitt konsumiert, als auch die entsprechenden Abfälle aufzunehmen (besonders das CO2 von der Fossilenergie) und die Städte, Straßen und Dörfer zu beherbergen, braucht es mindestens 4,6 globale Hektar. Also etwa dreimal mehr als in Deutschland verfügbar ist.

7. Na und?

Deutschland hat Geld. Die können sich doch das locker zukaufen. Das schon, aber relativ zum Rest der Welt immer weniger, denn die Einkommen wachsen schneller im Rest der Welt als in Deutschland. Damit könnte dieses Ressourcendefizit auch für Deutschland zum Risiko werden.

8. Zudem wird die Welt immer enger.

Weltbürger nutzen mittlerweile mit 2,7 globalen Hektar pro Kopf schon mehr, als sie zur Verfügung haben. Also etwa 60 Prozent mehr, als die Erde regenerieren kann. Die Konsequenz ist der Aufbau von globalen ökologischen Schulden — CO2-Anstieg in der Atmosphäre, knappes Süßwasser, schwindende Wälder. Von wo wird Deutschland all die nötigen Ressourcen importieren?

9. Aber ich lebe nicht in Deutschland.

Die Schweiz braucht viermal mehr, als ihre Ökosysteme erneuern können. Österreich hat viel Natur im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, aber braucht doch 60 Prozent mehr, als Österreichs Ökosysteme hergeben. Andere Länder zeigen ihre Karten hier: www.footprintnetwork.org/map

10. Was ist die Lösung.

Haben wir die kollektive Weisheit, schnell aus der fossilen Energie auszusteigen, dann können wir die Produktivität der Biokapazität langfristig absichern. Denn in einer viel wärmeren Welt verlieren wir mehr Biokapazität, als wir gewinnen. Wie entledigen wir uns von der fossilen Energie, ohne den Druck auf die restliche Biokapazität zu vergrößern? Ideen dazu finden Sie unter www.overshootday.org.

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