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Richard Armstrong – Im Herzen der Kunst

Das Guggenheim in New York ist eines der bedeutendsten Museen der Welt. Richard Armstrong leitet nicht nur die global agierende Solomon R. Guggenheim Foundation, die auch Museen in Venedig und Bilbao betreibt, sondern als Direktor auch das ikonische Museum an der Upper East Side. Im OOOM-Gespräch spricht er über teure Kunstwerke, Skandale, Radikalität, Todesdrohungen, Jeff Koons – und warum es vielleicht doch ein Fehler war, Präsident Trump statt des gewünschten Van Goghs eine goldene Toilette als Leihgabe anzubieten.

HERBERT BAUERNEBEL12. Juni 2018 No Comments

Richard Armstrong, Director of The Solomon R. Guggenheim Museum in New York,

Wie viel Einfluss haben Kuratoren, Galeristen, Museumsdirektoren dabei?

Natürlich können clevere Kuratoren einem Künstler zum Durchbruch verhelfen wie etwa Danh Vo, dessen Arbeit wir hier gerade ausstellen. Letztendlich bestimmt der Markt den Preis, doch auch wenn der Markt oft irrational erscheint, orientiert er sich doch an intelligenten Netzwerken. Sprich: Die Bekanntheit eines Künstlers spricht sich in der Szene herum. Wenn wir also jemanden auswählen, den wir ausstellen, steigert das den Wert seiner Kunst gewaltig.

Welche Künstler inspirieren Sie persönlich?

Ich fühle eine starke Affinität zu der Arbeit von Krišs Salmanis, einem konzeptionellen Künstler aus Lettland. Ich bin immer interessiert daran, neue Leute zu finden.

Sind Sie oft unterwegs, um nach neuen Künstlern Ausschau zu halten?

(er winkt mit der Hand ab) So gut wie nie …

Sind Sie selbst Sammler? Was hängt bei Ihnen zu Hause an der Wand?

Wir haben viele coole Bilder, aber die haben wir meist vor langer Zeit gekauft. Mike Kelley etwa war ein guter Freund von uns. Meine Frau hat mehr Kunstwerke als ich gesammelt. Wir haben immer so viel Geld, wie wir erübrigen konnten, für Werke von jungen Künstlern ausgegeben.   

Wie wichtig ist die globale Expansion für die Marke Guggenheim? Geplant ist neben Venedig und Bilbao ja auch ein Museum in Abu Dhabi.

Besonders Venedig ist enorm erfolgreich, und es hat seine eigene Persönlichkeit entwickelt. Die haben sogar höhere Besucherzahlen als wir. Die Planung in Abu Dhabi geht weiter. Sonst haben wir derzeit keine weiteren Expansionspläne. In das Projekt Abu Dhabi fließt derzeit enorm viel Energie.

Kindergärten wie die River School in New York besuchen regelmäßig mit Fünfjährigen Museen wie Ihres und malen dann unter Anleitung eines Kunstlehrers Bilder wie jene von Jackson Pollock nach – mit verblüffender Ähnlichkeit. Wie erklärt man einem Kind, dass sein Werk nichts und das von Pollock Millionen wert ist?

Für die stolzen Eltern liegt der Wert des Kunstwerkes ihres Kindes viel höher als jenes eines Jackson Pollock, würde ich sagen. Aber dann kommen die meisten doch irgendwann drauf, dass ihre Kinder eigentlich überhaupt kein künstlerisches Talent haben. Künstler sind deshalb so mächtig und einflussreich, da sie sich weigern, Konformität zu akzeptieren. Jackson Pollack ist auch dafür ein perfektes Beispiel, die Welt ständig aus einer anderen Perspektive zu sehen, alles dauernd zu hinterfragen. Das ist eine sehr seltene und mächtige Fähigkeit.

Was sind für Sie neue, interessante Orte in der Kunstszene? 

Ich war gerade in Moskau und bin zutiefst beeindruckt von der Arbeit im Garage Museum. Hier wird bei den Ausstellungen extrem hohe Qualität geboten, die Besucher in den Bann zieht und auch einbindet. 

Was sind jene Museen, die Besucher von New York neben dem Guggenheim unbedingt sehen sollten?

Das Tolle an New York ist die große Auswahl. Man sollte ins Metropolitan gehen, ins Whitney. Wenn man dann noch hungrig ist, würde ich das New Museum empfehlen. Und zum Entspannen empfehle ich The Morgan Library & Museum. Aber es gibt auch so viele andere tolle Museen.

Ist New York immer noch kulturell eine der einflussreichsten Metropolen?

Wir können nach wie vor mit den anderen, wichtigsten Kunstmetropolen wie Paris oder London mithalten. Und es ist auch kein Nachteil, dass es hier derart große Überschüsse an Kapital gibt. Paris hat natürlich Kollektionen wie etwa im Louvre, die unvergleichbar sind.

12. Juni 2018