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Ja, es gibt eine Aura, Karma, Wunder, Übersinnliches und eine transzendentale Welt

Prof. DDr. Johannes Huber gilt als einer der führenden Hormonexperten Europas. Vor seiner Karriere als Mediziner war er 11 Jahre lang engster Mitarbeiter des Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König. Als Wissenschaftler und Bestsellerautor hat er Weltgeltung erlangt. Nun hat Johannes Huber ein Buch veröffentlicht, das niemand von ihm erwartet hätte.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Herr Professor Huber, gibt es eine unsichtbare Welt, die wir nicht kennen?
Dass es diese gibt, weiß sogar die Naturwissenschaft. Es gibt den berühmten Wolf Singer, den wahrscheinlich bekanntesten Neurophysiologen Europas. Er ist der Meinung, dass sich unserem Gehirn, unserem Bewusstsein und unserem Geist nur ein ganz kleines Segment der Wirklichkeit erschließt. Der wesentlich größere Teil bleibt uns verborgen. Weil unser Gehirn für das tribale Mesokosmische ausgelegt ist, aus Kohlenwasserstoff besteht und daher schon materiell imitiert ist. Die zweite Antwort liefert die Physik, die pausenlos Details auf den Tisch legt, bei denen man sieht, dass wir mit unserem Gehirn die Wirklichkeit ganz nicht erfassen können, sondern nur fragmentarisch an sie herankommen.

Was heißt das konkret?
Es gibt zwei sehr simple Beispiele: Im Makrokosmos die Lichtgeschwindigkeit, die nicht nur eine physikalische Größe ist, sondern letztendlich fast schon eine philosophische Konstante. Denn wie soll man sich vorstellen, dass es bei Lichtgeschwindigkeit plötzlich keine Zeit mehr gibt? Es ist unmöglich, sich das vorzustellen, es ist aber existent und kann nachgerechnet werden. Doch wir können es mit unserem Erkenntnishorizont nicht verstehen. Im Mikrokosmos ist es die Verschränkung von Teilchen über Millionen von Lichtjahren, wie man in der Quantenphysik sieht. Auch das ist berechenbar, aber für uns nicht vorstellbar. Der Naturwissenschaftler sollte eigentlich verlegen sein in Anbetracht dessen, was er alles nicht weiß.

Faktum ist aber, dass gerade Naturwissenschaftler – bei denen Zweifel eine wesentliche Komponente der Arbeit und der empirischen Forschung ist – eigentlich alles, was sie nicht rational erklären können, als Humbug und Esoterik abtun. Ist das überheblich?
Das sind diese Wissens-Gockeln, die ex cathedra verkünden, dass nur das Feststellbare gilt. Allerdings muss man fairerweise auch da sagen: In dem Raum, in dem die Naturwissenschaft arbeitet, muss man sich an die Naturgesetze halten. Und diese Naturgesetze ermöglichen uns, vor allem in der Medizin, aber auch in der Physik, Vorhersagen zu machen. Das Tolle ist: Diese Vorhersagen treffen auch ein. Aber das ist der Mesokosmos, in dem wir leben. Das heißt noch lange nicht, dass wir alle anderen Naturgesetze, die unseren Geist übersteigen, auch beherrschen würden. Nur wenn ich jetzt einen Patienten zu behandeln habe, dann kann ich mich natürlich nicht auf Wunder verlassen und auch nicht auf Kräfte, die uns unbekannt sind, sondern da muss ich nach den Regeln der Naturgesetze und nach dem großen Erfahrungsschatz der Medizin vorgehen. Wenn die Wissenschaft der Versuchung unterlegen ist zu sagen: „Jenseits unseres Erkenntnishorizontes ist nichts mehr“, dann ist das aber sicher grundlegend falsch.

Sie sind der erste renommierte Wissenschaftler, der offen ausspricht, was viele denken: Menschen haben eine Aura, Orte haben magischen Einfluss auf uns. Ab welchem Zeitpunkt wussten Sie: Da gibt es noch etwas anderes?
Ich habe Medizin und Theologie gleichzeitig studiert – das eine wegen des Berufs und das andere aus Interesse. Je weiter man in die Naturwissenschaft vordringt, desto mehr ist die Evidenz vorhanden, dass unser Weltbild beschränkt ist. Nehmen Sie zum Beispiel Place-Cells, den Beweis, dass Orte in unserem Geist Spuren hinterlassen. Die Entdecker der Place-Cells sind vor zwei Jahren mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Sie zeigen uns, dass unser Gehirn Abbild der uns umgebenden Welt ist. Das heißt, überall wo wir hinkommen bekommt unser Gehirn eine Place-Zelle. Natürlich in dem Moment, in dem wir dort sind, gibt es auch noch andere Emotionen, andere Kräfte, andere Neurotransmitter in unserem Kopf. Das erklärt, warum das Ablegen einer Place-Zelle mit anderen Dingen verbunden sein kann und wir zu manchen Orten eine extreme Beziehung haben, warum sie für uns magisch sein können. Die philosophische Aussage geht aber noch darüber hinaus.

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