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Ja, es gibt eine Aura, Karma, Wunder, Übersinnliches und eine transzendentale Welt

Prof. DDr. Johannes Huber gilt als einer der führenden Hormonexperten Europas. Vor seiner Karriere als Mediziner war er 11 Jahre lang engster Mitarbeiter des Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König. Als Wissenschaftler und Bestsellerautor hat er Weltgeltung erlangt. Nun hat Johannes Huber ein Buch veröffentlicht, das niemand von ihm erwartet hätte.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Kann es Engel geben? Prof. Huber: „Es ist redlich, daran zu glauben.“

Nämlich?
Der Philosoph Konrad Paul Liessmann, ein Atheist, meint, dass alles, was wir uns über Transzendentales, über Gott, über Engel vorstellen, nichts anderes ist als eine Projektionswand. Wir erfinden uns quasi Gott. Jetzt hat diese Projektionswand nicht nur eine Seite, in die wir hineinprojizieren – das ist eine interessante Theorie, bewiesen ist es ja nicht – sondern die Projektionswand hat noch eine andere Seite, die von der anderen Seite bespielt wird und uns dann letzten Endes beeinflusst. Also nicht, dass wir uns Gott erfinden. Aber die Place-Cells sind ein sehr interessantes Beispiel dafür, dass sich die Außenwelt in unserem Gehirn abzeichnet. Das könnte man genauso für den Weltenbaumeister bemühen. Die Hypothese: Gäbe es ihn nicht, wir hätten von ihm keine begriffliche Ahnung. Weil diese Projektionswand nicht nur von uns und unseren Sehnsüchten bespielt wird, sondern auch von der anderen Seite, von dem, was wirklich existiert. Ich glaube, dass die Naturwissenschaft und die Philosophie einen interessanten Dialog führen könnten, den es momentan noch nicht gibt. Denn die zentrale Frage ist: Wieso wissen wir von unserer Existenz? Wieso wissen wir, dass wir selber Menschen sind? Dieses Selbstbewusstsein ist wahrscheinlich durch diese Place-Cells entstanden.

Wie konkret?
Das Gegenüber baut sich in unserem Gehirn Neuronen. Und wenn dann die Neuronen eine kritische Masse überschreiten – der Physiker Walter Thirring hat gemeint, der Evolutionssprung war bei 100 Milliarden Neuronen, wo sich der Mensch erstmals als Teil der Wirklichkeit wahrnahm – kam der Mensch aus dem Tierischen des Unbewusstseins heraus. Und wenn diese Zellzahl überschritten ist, dann wird das Gehirn möglicherweise nicht nur das Gegenüber, das Objekt feststellen, sondern es wird plötzlich verstehen: Es gibt ja auch ein Subjekt! Damit ist das Selbstbewusstsein der Menschen höchstwahrscheinlich entstanden. Auch eine Hypothese, die zeigt, dass das jetzt nicht nur irgendeine nicht vorhandene Spiritualität ist, sondern dass man aus diesen Dingen der Naturwissenschaft, die über unsere Erkenntnis hinausgehen, auch philosophische Sachen destillieren kann.

Hätten Sie vor zehn Jahren ein Buch wie dieses geschrieben?
Wahrscheinlich nicht. Aber: Unser Bewusstsein erweitert sich. Und es heißt nicht, dass wir durch die Erweiterung unseres Intellekts plötzlich alles viel besser definieren können. Sondern wir sehen plötzlich, dass es so viele schwarze Löcher gibt, die uns wahrscheinlich ein Leben lang und der Evolution des Menschen für immer verborgen bleiben werden, weil sie jenseits der Naturgesetze stehen, in denen sich der Mensch entwickelt hat. Er kann nicht über den Raum hinaus, er kann nicht über die Zeit hinaus, das wird nie der Fall sein. Das Interessante ist, dass diese Erkenntnisse dann eher in eine Spiritualität hineingehen. Umso mehr wir wissen, umso mehr sehen wir, dass es vieles Nicht-Wissbares gibt.

Die Frage an den Menschen Johannes Huber, nicht an den Theologen, nicht an den Wissenschaftler: Gibt es Gott?
Wir haben drei epigenetische Fenster, in denen wir als Mensch geprägt werden: Die Schwangerschaft, die ersten zwei bis drei Lebensjahre und dann die Pubertät. Und in der Pubertät wird geprägt – das ist meine Hypothese –, ob man an einen Weltenbaumeister, an einen Gott glaubt oder nicht. Wenn diese Prägung einmal erfolgt ist, dann geht man damit durchs Leben. Danach können Sie kaum jemanden bekehren, wenn er nicht an Gott glaubt, man sollte ihn auch nicht missionieren. Ich persönlich wurde für Gott determiniert.

Die Kirche nützt ja gerade die Prägephase der Pubertät durch das Sakrament der Firmung.
Völlig richtig. Die drei epigenetischen Fenster sind mit Sakramenten belegt.

Ihr Buch „Es existiert“ wurde sofort zum Bestseller. Wie war die Reaktion aus der Ärzteschaft, wurden Sie attackiert?
Es ist keine Frage, dass gerade unter Medizinern das Eifersuchtsgen stark ausgeprägt ist. Aber interessanterweise ist bei diesem Buch nichts passiert.

26. April 2017