Tech & Science

Ja, es gibt eine Aura, Karma, Wunder, Übersinnliches und eine transzendentale Welt

Prof. DDr. Johannes Huber gilt als einer der führenden Hormonexperten Europas. Vor seiner Karriere als Mediziner war er 11 Jahre lang engster Mitarbeiter des Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König. Als Wissenschaftler und Bestsellerautor hat er Weltgeltung erlangt. Nun hat Johannes Huber ein Buch veröffentlicht, das niemand von ihm erwartet hätte.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Wird der Mensch jemals fähig sein, den Bauplan seines eigenen Körpers zu verstehen?
Das glaube ich bis zu einem gewissen Grad schon. Wobei man ja eine Enttäuschung nach der anderen hinnehmen musste. Die Dechiffrierung des genetischen Codes hat gezeigt: Das ist nicht alles. Dann ist man zum epigenetischen Code hinübergegangen. Das ist schon viel mehr, aber alles ist es auch nicht. Dann ist man zum Schwangerschaftscode übergegangen. Die Schwangerschaft zeigt uns an, wie das Leben des Menschen überhaupt entsteht. Und der letzte Code wird wahrscheinlich der elektronische sein. Weil Leben ist nichts anderes als Elektronik. Ich kann mir schon vorstellen, dass das eines Tages einsichtig ist, allerdings nur im Kohlenwasserstoffbereich. Dass wir bei jeder Aktion des Lebens Energie freisetzen und diese Energie zwischen Himmel und Erde gespeichert wird, dort werden wir wahrscheinlich nicht hinkommen, denn dafür hat der Mensch keine Antennen.

Rollin McCraty vom HeartMath Institute – Sie zitieren seine Studien in Ihrem Buch – sagt, wenn Menschen so wie wir in einem Raum sitzen, interagieren unsere Herzen durch die von ihnen erzeugten elektromagnetischen Felder. Findet Ihrer Meinung nach ein Austausch auf einer solchen Ebene statt?
Der Gynäkologe kommt durch eine andere Seite zur selben Erkenntnis, nämlich durch jene der Pheromone. Man weiß, dass Riechstoffe – das sind ganz kleine Moleküle, die man nicht greifen oder messen kann – die Kommunikation zwischen den Geschlechtern mitsteuert. Sie sind dafür verantwortlich, dass Sympathie und Antipathie zwischen den Geschlechtern entstehen. Man weiß auch, dass Licht oder der Mond einen so starken Einfluss auf den Eierstock haben, dass sich der Menstruationszyklus daran orientieren kann. Und dass die Pheromone wiederum korrelierend mit dem Mondzyklus in einem Mädchenschlafsaal dafür sorgen können, dass die Mädchen am gleichen Tag menstruieren. Natürlich ist der Gynäkologe kein Physiker. Das Interessante ist, dass unsere Erde ja einen Magnetkern hat, und unser Körper auch einen Magnetkern hat, und das ist das Herz. Also da gibt es schon interessante Parallelen, wo der Physiker sicher noch vieles finden wird.   

Gibt es so etwas wie einen Sitz des Bewusstseins?
Der Sitz des Bewusstseins ist nach dem Kliniker das Gehirn. Aber das Gehirn kann auch von außen beeinflusst werden. Mir geht es oft persönlich so, dass ich an etwas denke, und Minuten später erscheint der, an den ich gedacht habe oder ruft mich an. Das geht über den Zufall hinaus. Also es gibt sicher eine Kommunikation zwischen uns, die wir noch nicht erfasst haben, die aber sicher da ist. Und es sagen ja auch die Quantenbiologen, dass es beim Sehen und im Gehirn quantenphysikalische Prozesse gibt, die das Überleben verbessern.

Prof. Sergio Canavero, Neurochirurg aus Turin, plant die erste Kopftransplantation der Welt. Er sagt: Das Gehirn ist nicht der Sitz des Bewusstseins.
Ich bin vielleicht persönlich doch zu sehr Anatom und Kliniker. Ich wüsste nicht, wo im Körper der Geist rein anatomisch betrachtet sonst angesiedelt sein sollte. Aber der Kopf wird natürlich beeinflusst von tausend anderen Dingen, sogar vom Darm. Der Darm beeinflusst enorm unsere Psyche und es gibt eine direkte Achse zwischen Darm und Bewusstsein. Man weiß auch, dass der Nervus Vagus vom Kopf nach außen vagabundiert und praktisch den ganzen Körper registriert und das dann wieder zurückmeldet. Man muss es also wahrscheinlich holistisch sehen.

Glauben Sie, dass wir Menschen alle miteinander verbunden sind?
Das glaube ich felsenfest. Und zwar, weil es hier einerseits harte Daten gibt und auf der anderen Seite das Leben ja nichts anderes ist als ein Elektronenfluss. Wenn Sie eine tote und eine lebendige Hand nebeneinanderlegen, was unterscheidet beide? Der Elektronenfluss. Mit dem Elektronenfluss ist automatisch Energie verbunden, also nicht-materielle Materie. Da gibt es eine Verbindung, die für uns gar nicht vorstellbar ist. Deswegen glaube ich es. Aber man weiß auch auf der anderen Seite, dass diese Elektrizität die Verpackung unserer Gene beeinflussen kann. Der epigenetische Code ist ja nichts anderes als ein elektrischer Code. Man kann die Ladung der Basen in der DNA verändern. Und wenn man die Ladung verändert, ändert sich auch die Architektur und damit auch die Gen-Aktivität. Und da bin ich felsenfest überzeugt, dass es über die Epigenetik so etwas wie ein kollektives Bewusstsein gibt. Sonst wären ja auch die ganz großen Verbrechen der Geschichte nicht erklärbar. Das waren ja vorher ganz normale Menschen, die da in ein Desaster hineingaloppiert sind. Auf der anderen Seite muss man auch da wieder das Philosophische und das Historische sehen. Es ist, nachdem es ja auch eine Evolution des kollektiven Bewusstseins gibt – nicht nur eine der Organe –, meines Erachtens nach nicht legitim von den Stufen der Vereinten Nationen die ganze Weltgeschichte zu klassifizieren und zu benoten. Vor 1.000 Jahren war das kollektive Bewusstsein ein völlig anderes als heute. Und daher müsste man in der Wissenschaft versuchen, die Geschichte von der damaligen Zeit aus zu bewerten. Die Kreuzzüge zum Beispiel haben sich in einem anderen Ambiente als wir das heute sehen abgespielt und müssen geschichtlich auch anders benotet werden.

Wie wird der Mensch 2100 aussehen?
Im komme auch hier wieder von der gynäkologischen Ecke. Peter Husslein und ich haben vor 30 Jahren eine Arbeit gemacht, wo wir die Größe und das Gewicht der Neugeborenen untersucht haben. Und da haben wir festgestellt, dass sie in den letzten 50 Jahren immer größer und dicker wurden, einen immer größeren Schulterumfang und Kopfumfang hatten. Das gab es in der jüngsten Vergangenheit schon einmal, nämlich bei der ersten neolithischen Revolution vor rund 8.000 bis 9.000 Jahren. Da ist das Angebot an Kohlenhydraten plötzlich massiv gestiegen, weil durch die Erderwärmung die Gräser explodiert sind und mit den Gräsern der Reis, das Getreide und der Mais. Für das Gehirn und für die Evolution sind Kohlenhydrate das Wichtigste. Und es kam damals tatsächlich zu einer Sozialisierung, zu einer Vergrößerung des Gehirnvolumens, die Menschen haben angefangen Städte zu bauen, Hierarchien zu entwickeln, sie haben sich auch zu vertragen begonnen. Und damals ist auch der erste große ethische Code gegründet worden – der Codex Hammurapi. Ähnlich ist es jetzt auch.

Weil unser Nahrungsangebot explodiert ist?
Genau, durch die Supermärkte ist es in den letzten 50 Jahren explosionsartig gestiegen. Der Mensch, die schwangere Frau vor allem, hat einen erhöhten Kohlenhydratbedarf. Und das ist unseres Erachtens nach einerseits der Grund, warum Diabetes steigt, andererseits aber auch, warum die Kinder größer werden. Es gibt von der Universität Wien sehr gute Arbeiten, die zeigen, dass in Alt-Europa geborene Kinder heute viel intelligenter sind als damals, als wir Kinder waren. Das hat nicht nur mit der Zunahme des Kopfvolumens zu tun, sondern ist auch mit der Zunahme der Neuronen verbunden und wahrscheinlich auch durch elektronische Spiele, mit denen die Kinder im dritten, vierten Lebensjahr schon ihre Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit verbessern.

Wollen Sie damit sagen, dass elektronische Spielzeuge im Kleinkindalter die Intelligenz fördern?
Elektronik ist ja nicht nur schlecht, sie hat auch ihre guten Seiten. Wenn die Neuronen im Gehirn mit sechs, sieben Jahren nicht aktiviert worden sind, dann werden sie durch Fresszellen zerstört. Der Körper geht mit einer großen Menge an Neuronen in die Welt hinein, ist aber dann sehr sparsam und schaut: Welche Neuronen werden aktiviert und werden bemüht? Diese werden belassen. Und die, die nicht bemüht werden, werden entsorgt. Wenn die Kinder daher ihre Reaktionsfähigkeit und auch ihre Merkfähigkeit durch elektronische Spiele verbessern, dann ist das sicher auch ein Input der Evolution.

Was halten Sie als Alters­limit für denkbar? Können wir 150 Jahre alt werden?
Naturwissenschaftlich schon. Aber da muss sich natürlich einiges ändern. Ich nehme an, es wird so weitergehen, dass man alte Zellen wieder in Stammzellen reprogrammiert und diese neuen Stammzellen dann wieder von vorne anfangen. Momentan kann man nur sparen mit dem Körper. Man muss sparen, wenn man nach draußen geht, man muss versuchen die Sonne abzuwehren, denn zu viel Sonne ist böse. Man sieht braungebrannt zwar gut aus, aber es ist eine große Belastung. Man muss mit dem Essen sparen. Je weniger man isst, desto länger lebt man. Man muss auch mit den anderen Trieben sparsam umgehen. Wenn man die Samenblase zu sehr strapaziert, kommt auch da der Bankrott und das Desaster.

Werden die Menschen besser oder schlechter?
Das weiß keiner so wirklich, aber es gibt Hinweise, dass sie besser werden und dass ein sozialerer Mensch am Ende der Entwicklung steht. Ein Hinweis ist die Tatsache, dass noch vor 100 Jahren die gescheitesten, intellektuellsten Leute und Künstler wie Kokoschka oder Loos in den Ersten Weltkrieg hineingezogen sind, als wäre das eine Fahrt ins Glück. Doch es war eine Reise in die große Vernichtung. Wenn heute jemand im alteuropäischen Raum das Wort Krieg in den Mund nimmt, dann wird er zu Recht guillotiniert, weil man heute weiß, dass man mit Krieg nichts ändern kann.

26. April 2017