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James-Bond-Design

Seine Boote wirken, als wären sie einem 007-Film entsprungen: Der Wiener Konstrukteur und Designer Martin Mai entwirft fahrende Inseln, Sofa-Boote mit Joystick-Steuerung, futuristische Katamarane und neuartige Amphibienfahrzeuge. Nach über 200 Entwicklungen plant er nun seine innovativsten Wasserfahrzeuge unter der Marke PANAREA in Serie zu bringen.

Georg Kindel16. August 2017 No Comments

Dr. Martin Mai im von ihm entwickelten Speed Needle 22, das aussieht wie ein Helikopter am Wasser. (Foto: Roland Unger)

Erstes Boot mit sechs Jahren. Nach Werften in Dubai und Thailand ist das neue Unternehmen ein wichtiger nächster Schritt für den smarten Konstrukteur. Schon als Sechsjähriger wusste Mai, dass er Bootsdesigner werden will: „In den Hobby-Zeitschriften waren damals Bootsbaupläne drin, und die habe ich aus Holz nachgebastelt und auf dem Wiener Liesingbach schwimmen lassen.“ Sein Vater begann schließlich selbst simple Boote mit seinen vier Söhnen zu bauen: „Er kaufte eine acht Meter lange Ausbauschale, weil es finanziell nicht zum fertigen Boot reichte, und wir haben dann im Garten und in der Werkstatt das Boot fertig gebaut. Die Boote sind dann mit uns Kindern immer gewachsen und größer geworden. Er hat sie mit dem Anhänger nach Arnoldstein gebracht, ist zurückgefahren, hat die Familie mit dem Wohnwagen geholt und ihn für drei Wochen nach Jesolo gestellt, dann ist er wieder zurück, um das Boot zu holen, und wir haben gemeinsam tolle Abenteuer erlebt.“ So lernte Mai auch die Naturgewalten kennen: „Wenn die Bora um vier Uhr früh runterknallt, den Anker losreißt und die ganze Familie zusammenhelfen muss, um das Boot vor den Felsen zu retten, bekommst du Ehrfurcht und Bewunderung für die Naturgewalten. Und du lernst die Kunst, ein Boot zu bauen, das all diese Widrigkeiten und Belastungen aushält und schneller und schöner ist als andere.“ Eine einzige Frage trieb den Perfektionisten dabei die letzten Jahrzehnte an: „Kann man es nicht noch besser machen?“ Mit 16 machte er den Segelschein am Ossiacher See mit 100 von 100 Punkten, ein Segler brachte ihm die „ganzen Regatta-Freak-Tricks“ bei.

Beaufort-10-Sturm. Seine Liebe galt von Anfang an dem Katamaran: „Katamarane sind viel schneller als herkömmliche Rumpfboote, bieten viel mehr Platz, jeder hat seine eigene Kabine und sie sind auch optisch ansprechender.“ In England bauten sein Vater, Bruder und er in drei Monaten den ersten 15-Meter-Katamaran: „Nach dem Buch ‚Wie baue ich ein Boot?‘, das wir uns gekauft haben. Wir sind dann damit um ganz Europa gesegelt.“ Nördlich von Algier erlebte Mai seinen ersten Beaufort-10-Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h, doch der selbstgebaute Katamaran hat alles ausgehalten: „Jeder Regentropfen ist dabei wie ein Geschoss, so heftig war der Sturm. Wir sind mit der Taucherbrille an Deck gestanden.“

Entwicklungsgenie. Mai, den Konstrukteurskollegen als „brillanten Kopf“ und „Entwicklungsgenie“ bezeichnen, begann immer bessere Entwürfe zu planen. Als er auf einem Konstruktionssymposium den Entwurf eines Carbon-Composite-Katamarans, den Tektron 50 des britischen Schiffsarchitekten John Shuttleworth sah, der 29 Knoten schnell war, wusste er: „Das ist die Zukunft!“ Mai begann mit Shuttleworth zusammenzuarbeiten und war der Erste, der Schleppkanal-Versuche für private Katamarane an der Universität Southampton machte: „Ich konnte so die beste Rumpfform entwickeln.“ Diese wurde die Grundlage seines ersten großen Katamarans, der Novara. Mai war schnell klar, dass „das Design von Katamaranen viel besser werden muss“. Also heuerte er Designstudenten der Universität Coventry an, über die er in einer Yachtzeitschrift gelesen hatte, und machte einen Design-Wettbewerb mit dem Ziel, „den besten, schnellsten und schönsten Cruising-Katamaran der Welt zu bauen, auf dem man auch wohnen kann“. Der Entwurf landete auf dem Cover der Yachtrevue und wurde ein phänomenaler Erfolg.

Industrial Design. Seine erste Werft stand in Traismauer, die nächste in Korneuburg bei Wien. Er ließ britische Schiffbauer einfliegen, „weil in Österreich konnte das keiner umsetzen, was ich entwickelte, ich musste also erst Know-how ins Land holen“. Das erste fertige Schiff brachte er über den Rhein-Main-Donau-Kanal nach Deutschland und feierte die Weltpremiere auf der Düsseldorfer Bootsmesse, wo es mit seinem modernen Industrial Design zur Mediensensation wurde.

Martin Mai in seiner Marina an der Alten Donau in Wien, wo er seine Sofa-Boote und Inseln – in rustikal abgewandelter Österreich-Version – vermietet. Die Fahrzeuge sind fast ständig ausgebucht. (Foto: Roland Unger)

Mai begann ein Boot nach dem anderen zu entwerfen: Segelkatamarane, Motorkatamarane, völlig neue Kategorien von Booten wie elektrisch fahrbare Inseln, Amphibienfahrzeuge, Sofa-Boote oder futuristische Schnellboote. Die Novara, die er in Florida ausstellte, brachte ihm auch großes Lob aus US-Konstrukteurs­kreisen: „Sie meinten: ‚Jungs, ihr seid uns 20 Jahre voraus‘.“ Ein deutsches Yachtjournal nannte Martin Mai gar den „Mozart der Mehrrumpfboote“. Die Victorinox mit ihrem Wave-Cutter-Rumpf, die er 2004 auf der Messe in La Rochelle zum ersten Mal präsentierte, landete sogar beim America’s Cup.

Spaceshuttle. 2008, mit der globalen Wirtschaftskrise, standen dann auch Mais Entwicklungen plötzlich vor dem Ende. Die Bootspreise fielen in den Keller, Mais Firma stand vor dem Aus. Doch er fing sich wieder und entwickelte das Space­shuttle, eine futuristische Yacht, in der kleineren Variante als Macro Space­shuttle 50 Fuß – also rund 15,25 Meter – lang und 6,40 Meter breit, in der größeren als Spaceshuttle 2000 20 Meter lang und 10 Meter breit. Das Spaceshuttle kann als luxuriöse Yacht gebaut werden, aber auch als High-Speed-Fähre, um Passagiere komfortabel zu transportieren.

Neues Genre Fun Boats.
Nach seiner zweiten Scheidung entschied sich Mai, auch mal „etwas ganz anderes zu bauen“ und entwickelte die Nebenlinie „Fun Boats“: „Boote für Menschen, die Spaß am Wasser haben wollen. Ich fragte mich: Wie muss ein Boot ausschauen, das sich jede Familie, jedes Pärchen leisten kann, mit dem man Spaß haben und auf dem man chillen, in der Sonne liegen und kuscheln kann, und das ich mit einem Joy­stick steuere? Das Wichtigste dabei ist kuscheln, denn dabei wird das Hormon Oxytocin freigesetzt. Das Boot fährt elektrisch und ist also bis auf das hormonelle Niveau seiner Besitzer durchkonstruiert.“ Schon das erste Design sorgte für Furore. Das Sofa-Boot mit Elektromotor und per Joystick zu steuern sieht aus wie eine riesige weiße Kaffeetasse. Man kann zu zweit bequem auf einer großen Lederfläche, einen Meter über dem Wasser liegend, mit Drinks in der Hand durch die Wellen gleiten. Vier Personen passen gemütlich auf ein Sofa-Boot, das nur wenige Zentimeter Tiefgang hat und nachts mit blauen LED-Leuchten in futuristisches Licht getaucht wird. Das Sofa-Boot wurde zum Hit. Die Idee, es zu vermieten, wurde am Dubai Creek und in der Dubai Festival City ebenso zum Erfolg wie auf der Alten Donau in Wien. Dort baute Mai eine Marina und vermietet zehn Sofa-Boote – für Österreich in abgewandelter Form mit rustikalem Rattan-Sofa statt weißem Composite-Design – und sechs Inseln (www.meine-insel.at). Für Dubai baute er auch noch 14 Elektro-Abras, die um den Burj Khalifa fahren.

Der Prototyp entsteht: Martin Mais Designs sind völlig neuartig und mit nichts am Markt Befindlichem vergleichbar.

Für PANAREA entwickelt Designer Mai derzeit weitere neue Schiffe. Mit der Super Nova 42 hat er eine Hybrid-Yacht kons­truiert, die mit Solar, Wind, Hydrogen und elektrisch fahren kann. Sie ist 42 Fuß, somit 12,8 Meter lang und 8,6 Meter breit. Die gesamte obere Außenhaut des Schiffes ist mit blauen Solarpaneelen bestückt, was der Yacht ein futuristisches Aussehen verleiht.

„Ich bin oft erstaunt, wie wenig durchdacht die Konstruktion von Schiffen, Booten und Yachten ist“, analysiert Mai die Konkurrenz. „Die klassische Rumpfform ist längst überholt, in einem digitalen Zeitalter müssen Wasserfahrzeuge viel mehr können. Diese Verbindung zwischen technologischer Innovation, Luxus, Komfort und Design wollen wir mit PANAREA umsetzen und zu einer starken Marke machen.“ Wer Martin Mai kennt, weiß: Er wird das schaffen.

16. August 2017