Arts & Design

Jamie Nelson: I am a Kitsch Bitch

Jamie Nelson lebt den amerikanischen Traum. Als Werbefotografin machte sie sich weltweit einen Namen und arbeitet für internationale Luxus-Labels, Top-Medien wie die „Vogue“ und Stars wie Gwen Stefani, Drew Barrymore und Lily Allen. Mit harter Arbeit und Fleiß hat sich die junge Texanerin aus bescheidenen Verhältnissen ihren Traum erfüllt und ihr eigenes Haus in Los Angeles ganz nach ihren Vorstellungen gestaltet, eine Villa im pinken Barbie-Girl-Stil. Für OOOM hat sich Nelson vor der Linse des Wiener Fotografen Pedro Almohada provokant in Szene gesetzt. Sich selbst bezeichnet die Fotokünstlerin schon mal als „Kitsch Bitch“. Das Interview mit einer starken Frau über Sexismus, den „Playboy“ – und warum sie sich wieder richtige Männer wünscht, die Frauen hinterherpfeifen.

Christina Zappella-Kindel20. Januar 2022 No Comments

Wie sieht Ihre Lebensplanung aus? Kinder, Mann, Familie – oder ist das zurzeit keine Option?
Die Hälfte der Dinge, die ich mache, möchte ich gar nicht machen. Wenn es zum Beispiel einen Mann gäbe, der an meinem Motorrad basteln könnte, würde ich das lieben. Ich bin sehr gut in Hausarbeit, da ich eigentlich sehr altmodisch bin, was seltsam klingt. Ich mag starke Männer und die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Klar kann ich auch mein Motorrad reparieren, aber ich denke, dass Männer von Natur aus mit mehr Muskeln und mehr mechanischem Verstand ausgestattet sind.

Ich ziehe es vor, diese klassische Rollenverteilung beizubehalten. Mutter und Hausfrau wäre ich zu hundert Prozent, aber ich habe noch nicht den richtigen Mann für diesen Lebensabschnitt dazu gefunden.

Was bedeutet ein gutes Leben für Sie?
Dass ich in der Lage war und bin, alles zu schaffen. Ich denke, ich habe endlich alles im Gleichgewicht, was es früher nie gab. Ich arbeite viel, aber dann habe ich auch eine Menge Spaß dabei. Zu meiner Geburtstagsfeier habe ich zum Beispiel ein echtes Pony bekommen, das rosa angemalt war und ein Einhorn auf dem Kopf hatte. Und dann hatten wir Zwerge, die aus der Torte heraussprangen, und eine Burlesque-Tänzerin, ein „Playboy“-Covermodel und Rockstars. Ich bin eine Geschäftsfrau, die gutes Geld verdient, und dann ein bisschen ein Rockstar-Leben hat. 

Woran arbeiten Sie ­gerade?
Ich habe gerade ein Haus in der Dominikanischen Republik für meine Mutter gekauft, sie lebt dort und ist jetzt bei mir im Vermietungsgeschäft. Ich entwerfe mit ihr aus der Ferne das Interieur, und dann fliege ich ein paar Mal im Jahr dorthin und wir verwandeln so dieses ganze Haus. Als Nächstes möchte ich eine Art italienisches Camp im Fellini-Stil machen.

Sie vermieten Ihr Haus, in dem wir Sie für OOOM fotografierten, auch. Nur für Film- und Fotoaufnahmen, oder auch als Party­location?
Ich führe nicht wirklich Buch über alle Kunden. Es wurden viele Musikvideos und Werbespots hier gedreht. Katy Perrys Musikvideo zu einem ihrer Hits besteht im Grunde aus meinem ganzen Haus. Aber für Partys vermiete ich es nicht, da wird zu viel beschädigt. Ich habe meine eigenen verrückten Partys. Aber das ist immer noch meine Sache. Ich weiß, was los ist, ich kann den Teppich putzen und ich habe ein gutes Gefühl dafür, was schiefgehen kann. Ein guter Teppichreiniger bringt alles wieder ins Lot. (lacht)

Pedro Almohada ist das Pseudonym des internationalen Werbers und Werbeexperten Peter Polster. Die letzten 20 Jahre reiste er ausgiebig geschäftlich um den Globus, immer begleitet von seiner Kamera. Er fotografierte, was er in den verschiedenen Teilen der Welt sah, und hielt das Reale und Authentische fest. Ganz im Gegensatz dazu fotografiert Almohada im anderen Teil seiner fotografischen Arbeit gerne Porträtgeschichten. Diese vermitteln aber ein Gefühl von inszenierter und imaginierter Realität, was unbestreitbar auf seine Wurzeln in der Werbewelt zurückzuführen ist. Pedro Almohada kommt ursprünglich aus Wien, Österreich. Derzeit lebt er in London und Los Angeles.
www.pedroalmohada.com

www.jamienelson.com

20. Januar 2022