Lifestyle & Travel

Jan ‘n June macht Mode mit Haltung: #byebyefastfashion

Zwei Studentinnen, ein lauer Sommerabend in der Hamburger Sternschanze und eine Flasche Wein – so entstand 2013 JAN 'N JUNE. Die Gründerinnen Anna Bronowski und Juliana „Jula“ Holtzheimer haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Vision von nachhaltig und fair produzierter Mode, die en vogue ist, zu verwirklichen. In OOOM erzählt Holtzheimer über die Schwierigkeiten, als Eco Fashion Label in der knallharten Modeindustrie zu bestehen – und was in einem Frauenkleiderschrank nicht fehlen darf.

Tanja Rauch8. Mai 2019 No Comments
jan n june ooom magazine

Was motiviert zwei junge Frauen, in Zeiten der Global Player wie ZARA oder H&M ein Ecolabel zu gründen und unter dem Hashtag #BYEBYEFASTFASHION zu bewerben?

Anna, meine Co-Gründerin, und ich hatten nie die Vision, etwas gründen zu wollen. Wir haben es allerdings auch nicht ausgeschlossen, als wir Mode und Designmanagement in Hamburg studierten. Eines Abends saßen wir hier in Hamburg in der Sternschanze bei einer Flasche Wein und sprachen darüber, warum es so wenig nachhaltige Mode gibt. Der Auslöser dafür waren eigentlich der Launch von „& Other Stories“ (Anm.: ein One-Stop Styling Shop) und die Frage, warum daraus keine nachhaltige Brand gemacht wird. So kam uns damals das erste Mal die Idee, genau in diesem moderaten Preisbereich mit vielen Statement-Modeartikeln und der Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip unser eigenes Ding durchzuziehen. Relativ schnell war klar, dass wir zweigleisig fahren müssen. Einerseits wollten wir mit unserem eigenen Onlineshop den Endkunden ansprechen, auf der anderen Seite ging es uns um den Handel, die Läden, die Boutiquen, die Onlineshops, die uns einkaufen, sodass wir schneller auf eine große Menge kommen. Das war der Plan. Und dann haben wir einfach losgelegt, ziemlich blauäugig.

Wie oft haben Sie sich die Sinnfrage gestellt?

Gerade am Anfang gab es natürlich ganz viele Momente, wo man sich fragt, warum man das eigentlich macht und was man sich damit eingebrockt hat. Aber letztendlich, wenn man eine Vision hat und etwas schaffen möchte und das dann auch so gut angenommen wird, dann macht man immer weiter. Der springende Punkt ist, nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig wird, denn das wird’s ganz häufig, auch später noch, wenn man nicht mehr ganz am Anfang steht.

Uns war von Anfang an bewusst, dass es in der Modebranche immer etwas dauert – man sagt, so um die sechs Kollektionen, also drei Jahre. Eine gewisse Tendenz ist natürlich erkennbar, die bei uns in die richtige Richtung gelaufen ist. Nach sechs Kollektionen haben wir beschlossen, dass wir JAN ’N JUNE weiterführen wollen.

Der springende Punkt ist, nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig wird, denn das wird es ganz häufig.

Wie alt wart ihr damals?

23 und 24 Jahre alt. Es war ganz gut, dass wir noch so jung waren, weil wir sonst viele Sachen, die uns auf dem Weg passiert sind, eventuell schon vorher hätten absehen können und dann vielleicht aufgegeben hätten. Ein bisschen Unerfahrenheit ist auch ganz gut, weil einem die Hürden nicht ganz so bewusst sind, bevor sie wirklich da sind.

jan n june ooom interview

Wo wollen Sie mit JAN ’N JUNE hin?

Erst mal ist ein großes Ziel, in allen großen Städten der DACH-Region Läden zu haben, die uns vertreiben. Wir haben in Europa jetzt ca. 70 Läden, die uns führen. Ich denke, dass es bis zum nächsten Winter ein paar mehr sein werden, aber Luft nach oben ist allemal. Derzeit haben wir beispielsweise einen Laden in Rosenheim, aber keinen in Düsseldorf. Das wollen wir
auf jeden Fall ausweiten –
das ist Ziel Nummer 1. Ziel Nummer 2 ist, noch einmal eine Pop-up-Tour zu machen und andere Städte aufzugreifen. Als Onlineshop so bekannt zu sein, dass man die erste Anlaufstelle in Sachen nachhaltige Mode wird, ist ein großes Ziel. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Was wir schon noch einmal angehen werden, ist der Sportbereich – Leggins, Bras, Tops … diese Richtung.

Ein T-Shirt kostet bei den großen Modekonzernen so viel wie ein großer Milchkaffee bei Starbucks, ein Paar Schuhe so viel wie ein Kinoticket. Daran kann nichts fair sein.

Haben Sie mehr Frauen oder Männer als Kunden? Und woher kam die Inspiration für eine Männerkollektion?

Wir haben nach wie vor einen extrem hohen Frauenfokus, ich glaube, es sind über 90 Prozent. Die erste Männer­kollektion war so etwas wie eine Probenummer. Sie ist entstanden, weil wir tatsächlich die Nachfrage hatten. Da es eben eine Probekollektion war, war sie relativ klein, aber kommenden Herbst/Winter kommt eine richtige Herrenkollektion auf den Markt.

Wie schwierig ist es heutzutage, sich gegen globale Fashionkonzerne und Fast-Fashion-Unternehmen zu behaupten?

Super schwierig! Aus einem ganz einfachen Grund: die Preise. Wir sind so extrem gebrainwashed von Preisen. Ein Vergleich: Ein T-Shirt kostet bei den großen Modekonzernen so viel wie ein großer Milchkaffee bei Starbucks, ein Paar Schuhe so viel wie ein Kinoticket. Daran kann nichts fair sein. Das ist aber so in unseren Köpfen drinnen, da muss man den Leuten erst wieder klarmachen, dass es nicht okay ist, wenn Kleidung so günstig ist. Ich will jetzt kein Plädoyer für 50-Euro-T-Shirts halten, es geht natürlich auch moderater, aber bei 4,90 Euro ist es einfach selbsterklärend, dass verschiedene Aspekte auf der Strecke bleiben. Die zweite Hürde, gerade im Onlinehandel, ist der kostenlose Versand. Das gab es nicht, bis Zalando damit angefangen hat. Es wird oft einfach nicht gesehen, dass es natürlich etwas kostet, die Artikel zu verschicken, auch nach wie vor. Das sind auf jeden Fall zwei Bereiche, wo man schauen muss, dass man die Kunden noch einmal neu sensibilisiert. Der dritte ist, dass wir alle einfach zu lange viel zu viel gekauft haben.

Gibt es neben dem Interesse an Bio-Lebensmitteln auch ein aufkommendes Bewusstsein in der Modebranche?

Absolut. Es gibt mehrere Strömungen, aus denen das kommt. Die eine Richtung entstand aus dem Minimalismus in Skandinavien, wie beispielsweise die Capsule Wardrobe (Anm.: Kleidungsstücke mit zeitlosen Schnitten in neutralen Farben), wo man mit wenig viel erreicht und trotzdem sehr stylish sein kann. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Leute, die auf Lebensmittel achten, ve­gan sind und auch anfangen, sich mit dem Thema „Fashion“ auseinanderzusetzen. Das Problem ist, dass Kleidung eine viel nebensächlichere Rolle spielt, weil die Leute das Gefühl haben, man nimmt es nicht zu sich. Trotzdem ist die Haut ja unser größtes Organ, das ist aber vielen nicht so klar. Deswegen ist die Bewegung ein Stück langsamer als bei Lebensmitteln. Aber der nachhaltige Modemarkt ist der einzige, der überhaupt noch wächst. Und trotzdem haben wir nicht einmal 5 Prozent Anteil am Gesamtmarkt. Das ist wirklich erschreckend.

Wie alt sind Ihre Kunden im Schnitt?

Unsere Kernzielgruppe ist zwischen 25 und 45 Jahre alt. Natürlich haben wir auch Kundinnen, die darunter-, und solche, die darüberliegen. Online spricht man häufig ein jüngeres Publikum an. Nun haben wir einen Onlineshop, der ausschließlich auf Englisch ist, und da weiß ich, dass sich manche schwertun. Wir sind das gar nicht mehr gewohnt. Für uns ist es normal, wenn Webseiten beispielsweise auf Englisch sind. Für die älteren Generationen kann das jedoch ein Hindernis darstellen.

8. Mai 2019