Arts & Design

JJ Martin: Time to shine

Beim Eintreten in das Kaffeehaus zieht JJ Martin alle Blicke auf sich. Und das nicht nur, weil sie eine schöne Frau ist. Sie trägt ein Kleid, das mit seinen Farben und Mustern das graue Wien aufzuhellen scheint. Es stammt aus ihrer Kollektion La Double J. Als Designerin bezeichnet sich JJ Martin, Gründerin der Firma La Double J, nicht gerne. Dann schon eher als eine vor Ideen sprühende Amerikanerin, die in Mailand lebt.

CORDULA REYER22. Dezember 2020 No Comments

Sie sind eine kreative Frau. Wie haben Sie die Einschränkungen durch die Pandemie erlebt und wie sind Sie in dieser Periode der Unsicherheit und Angst damit umgegangen?
Seit dem Lockdown im März nehme ich meine Gedanken mit diesem iPhone auf – oft auch nach einer Meditation, denn da tauchen viele interessante Gedanken und Ideen auf. Es gibt dann keinen Filter, kein rationales Überlegen. Mich interessiert die Intuition. Oft ist sie verschüttet, weil man dazu erzogen wurde, nur seinen Verstand zu benützten.

Verlassen Sie sich denn hauptsächlich auf Ihre Intuition?
Es war ein langer und steiniger Weg dorthin. Als ich 1999 in New York lebte, begann ich mit Yoga-Praxis und im Zuge dessen lernte ich auch zu meditieren. Damals fand ich keinen Lehrer, der mich begeisterte. Vor neun Jahren, als ich versuchte schwanger zu werden, begann meine ernsthafte Suche nach einem spirituellen Vorbild.

Wohin führte diese Suche?
Zuerst einmal will ich erzählen, wie schwierig diese Zeit des Schwanger-werden-Wollens für mich war. Ich unterzog mich vier Mal einer künstlichen Befruchtung. Jedes Mal war diese Phase ein Albtraum, es nahm mich mental, seelisch und körperlich sehr mit. Ein Kind habe ich nicht bekommen.

Als junge ­Studentin litt ich unter Depressionen. Durch den nicht erfüllten Kinderwunsch tauchten sie immer wieder auf. Jedes Mal war diese Phase ein Albtraum.

Das tut mir leid.
Danke. Als junge Studentin litt ich unter Depressionen. Durch den nicht erfüllten Kinderwunsch tauchten diese Depressionen wieder auf. Meine Depression in meiner Jugend wurde durch den Tod meines Vaters ausgelöst. Er bekam Leukämie, als ich sechzehn Jahre alt war. Ich komme aus einer Familie, in der man über diese Dinge nicht redet. Als mein Vater drei Jahre später starb, konnte ich noch immer nicht darüber reden und unterdrückte weiterhin alle meine Gefühle. All meine Ängste, meine Wut und meine Traurigkeit richteten sich nach innen. Ich aß nicht mehr, ich funktionierte nicht mehr. Meine Mutter schickte mich zu den besten und teuersten Psychiatern in San Francisco. Sie gaben mir Antidepressiva, aber diese wirkten nur wie ein Pflaster. Ich wollte mich nicht mehr umbringen, aber ich war noch immer von mir selbst abgeschnitten. Ich wusste nicht, wer ich bin, was ich in meinem Leben will und brauche. Das waren zwanzig Jahre der Dunkelheit und Verwirrung. Vor ein paar Jahren, als mir die westliche Medizin wieder nicht weiterhelfen konnte, fand ich eine Energieheilerin. Sie war in Kalifornien, ich in Mailand. Wir arbeiteten eineinhalb Jahre miteinander. Einmal in der Woche telefonierten wir und ich setzte die Dinge, die wir besprachen, um. So begann ich von innen heraus zu heilen. Heute ist mir diese tägliche Praxis ein Bedürfnis und eine Stütze. Diese Praxis hat mir auch sehr während des Lockdowns, der in Mailand lange andauerte, geholfen.

Sie waren ganz alleine?
Ja, für dreieinhalb Monate. Ich tauchte tief in meine Praxis ein. Meine jungen Mitarbeiterinnen meinten, ich sollte kleine Videos auf meinem JJ-Martin-Instagram-Account über diese Zeit und meine Gedanken dazu posten. Das wurde ein großer Erfolg. Ich führte auch Chakra-Medi­tationen und hielt Zoom-Meetings mit Frauen, die an den Themen, über die ich sprach, interessiert waren. Ich bekam viele Reaktionen, so dass ich weitere Videos postete.

Neue Kollektion

22. Dezember 2020