Arts & Design

JJ Martin: Time to shine

Beim Eintreten in das Kaffeehaus zieht JJ Martin alle Blicke auf sich. Und das nicht nur, weil sie eine schöne Frau ist. Sie trägt ein Kleid, das mit seinen Farben und Mustern das graue Wien aufzuhellen scheint. Es stammt aus ihrer Kollektion La Double J. Als Designerin bezeichnet sich JJ Martin, Gründerin der Firma La Double J, nicht gerne. Dann schon eher als eine vor Ideen sprühende Amerikanerin, die in Mailand lebt.

CORDULA REYER22. Dezember 2020 No Comments

Abendkleid der neuen Kollektion

Das ist weit von dem entfernt, was Sie 1995 anstrebten. Sie studierten auf der Universität von Kalifornien, Berkeley, um Anwältin zu werden?
Ja, ich wollte eine erfolgreiche Anwältin werden und viel Geld verdienen. Während meines Studiums lernte ich, wie man strategisch schreibt. Das kam mir, als ich in Mailand als freie Journalistin zu arbeiten begann, zugute. Es war ein sehr buchstabengetreues, logisches Schreiben.

Wer beeinflusste Sie als Journalistin und als die Kreativ-Direktorin, die Sie heute sind?
Ich lebe seit achtzehn Jahren in Mailand und bin sehr von Italien und den Italienern beeinflusst. Durch meine Arbeit als Journalistin – ich interviewte sämtliche Designer – habe ich eine wirklich gründliche Ausbildung in Mode und Design erhalten. Es war auch faszinierend, so viele stilvolle italienische Frauen kennenzulernen. Sie waren eine Inspiration für meine Website „La Double J.“ und auch heute gibt es dort eine Rubrik namens „Live Like an Italian“. Von italienischen Frauen habe ich viel gelernt – nicht nur ästhetisch. Sie interessieren sich mehr dafür, ein schönes Leben zu führen, als viel Geld zu verdienen.

Von italienischen Frauen habe ich viel gelernt, nicht nur ästhetisch. Sie interessieren sich mehr dafür, ein schönes Leben zu führen, als viel Geld zu verdienen.

Sie wuchsen in Pacific Palisades, Kalifornien, auf. Wann entdeckten Sie Ihre Liebe zur Mode?
Als ich aufwuchs, war ich von Sportlern umgeben. Niemand, den ich kannte, interessierte sich für Mode oder wusste etwas darüber. Auf meiner Uni trug man Jeans und T-Shirts. Erst als ich meinen Abschluss machte, nach San Francisco zog und in der Werbung zu arbeiten begann, begann sich meine Ästhetik zu entwickeln. Nachdem ich in New York gelebt hatte, zog ich nach Italien – und dort begann die eigent­liche Modeausbildung.

2015 kreierten Sie Ihre eigene Website und Online-Zeitschrift. Wieso?
Während meiner Arbeit als Journalistin traf ich viele interessante und stilvolle Frauen. Die Magazine, für die ich arbeitete, waren nicht daran interessiert, diese zu fotografieren, da sie keine Werbekundinnen waren. Also beschloss ich es zu tun. Ich kleidete sie in Vintage-Teile aus meiner großen Sammlung und mischte diese mit ihrer eigenen Garderobe. Das war etwas Neues, denn niemand zeigte damals Vintage gemischt mit Designer-Kleidern. Wir erhielten großartiges Feedback. Die amerikanische „Vogue“ schrieb darüber, „Business of Fashion“ schrieb darüber, „NY“-Magazine schrieb: „Das ist die beste Website aller Zeiten.“ Es war ein toller und überraschender Erfolg.

Auffällige Prints

Wie kamen Sie zu so einer großen Vintage-Kollektion?
Ich sammelte ja seit 25 Jahren und hatte Tausende Stücke. Damit begonnen habe ich in den Neunzigerjahren. Damals lebte ich in N. Y. und arbeitete im Marketing für Calvin Klein. Auf dem Flohmarkt in Chelsea fand man unglaubliche Kostbarkeiten. Ich hatte Stücke von Saint Laurent, Balmain, Valentino und mehrere Chanel-Stücke – und später eine riesige Sammlung von Vintage-Schmuck. Diese stammte von einer Schmuckhistorikerin, die ich vor einigen Jahren in Mailand kennen lernte. Ich stellte sie meinem jetzigen Ex-Mann vor. Immer wieder kaufte er mir dort Geschenke. Einmal meinte er: „Ich glaube, du solltest Dianas gesamte Sammlung kaufen und sie online verkaufen.“ Und ich dachte: „Ich werde auch meine Vintage-Kollektion verkaufen und sie Frauen, die mir gefallen, zeigen. Und ich werde auch eine Online-Zeitschrift gründen.“ So kam der Stein ins Rollen.

Wann fingen Sie an, zusätzlich Ihre eigenen Kollektionen zu entwerfen?
Das entwickelte sich wie von selbst. Ich habe das Projekt als Hobby begonnen. Ich bin keine Designerin, ich habe meine eigene Vorgangsweise. Wir sind hundert Prozent made in Italy, von den Muranogläsern über die Bettwäsche, die Tischwäsche und das Porzellan, das in Verona hergestellt wird.

Was ist Ihr Traum?
Mein Traum ist es, ein Retreat für Yoga und Meditation zu gründen. Am liebsten in Sizilien.

22. Dezember 2020