Arts & Design

Jojo Gronostay: Arthouse Mode

Jojo Gronostay hat mit seinem Kunstprojekt „Dead White Men‘s Clothes“ (DWMC) eine Plattform geschaffen, um Fragen über Werte, Machtstrukturen, Postkolonialismus und Mode zu stellen. DWMC ist inzwischen ein Bekleidungslabel, das an der Grenze zwischen Art und Fashion agiert. Mit OOOM sprach Gronostay über Selbstfindung, Kapitalismus, Passion – und warum Mode immer mehr die Werte der Kunst übernimmt.

CLAUDIA OHSWALD22. Dezember 2020 No Comments

Man findet DWMC auch in Modemagazinen.
Ja, tatsächlich war ich in der „Vogue“ und anderen Magazinen vertreten. Ich finde es gut, dass es dort einen Platz hat, dennoch ist mir der künstlerische Zugang ein größeres Anliegen.

Was ist Ihre Mission, Ihre Botschaft?
DWMC behandelt Fragen über Identität, über Neokolonialismus und über den Umgang mit Mode. Als Mensch mit gemischter Abstammung fühlt man sich oft, als ob man zwischen zwei Welten steht. Inzwischen sehe ich es als einen Vorteil, da ich mich leichter in verschiedene Perspektiven versetzen kann. DWMC provoziert einen Diskurs über Verschwendung, der gleichzeitig eine Kritik des Kapitalismus ist. Thema meines Diploms war „Corporate Synthetic Felt Carpet”. Ich wollte in einem Raum, der nicht ideal war, um Kunst zu präsentieren, den Boden verändern. Mit einem Teppich, der das, was darauf liegt, abgrenzt, von dem, was rundherum passiert. Ich habe auf alten Filzplatten Hosen drapiert.

Sehen Sie sich also primär als Künstler oder Modedesigner?
Ich sehe mich als Künstler, der mit Kleidung arbeitet. Jedes einzelne Objekt der Kollektion ist ein Unikat. Ich vertraue da voll und ganz auf mein Künstlernetzwerk: Profis in Sachen Siebdruck, Stickereien und Schneiderarbeiten. Gefärbt wird die Mode ausschließlich mit Haarfarbe. Bleaching hat viel mit schwarzer Identität zu tun, das heißt nicht nur das Bleichen der Haare, sondern auch der Haut. In Afrika gibt es viele Leute, die Bleichcremen verwenden, um eine hellere Haut zu bekommen. Das war eine Referenz dazu.

Sie hinterfragen in Ihrem Werk Produktions- und Konsumationsprozesse kritisch.
Das ist ein Teil meiner Arbeit. Ich hinterfrage Machtstrukturen, die in der Mode manchmal nicht so ganz offensichtlich sind. Gleichzeitig geht es mir um das Verhältnis von Europa und Afrika.

Fotokunst ist ebenso Teil Ihres Œuvres.
Ja, ich habe ein Jahr in Paris gelebt. Mich faszinierten beispielsweise die Präsentiertische aus Karton der afrikanischen Händler in Chateau Rouge als Objekte. Zum einen sind sie simple Kartons, zum anderen funktionale Tische und künstlerisch gesehen Podeste. Dieser Hybrid wurde Zentrum meiner Fotografien. In Anlehnung an das Werk von Bernd und Hilla Becher, die Wassertürme ganz clean fotografierten, entstanden meine kategorisierten Bilder. In Barcelona waren es Matten mit Schnüren und einem Zug, die Straßenhändler mit gefälschten Luxuswaren nutzen, um bei einem Polizeieinsatz alles schnell zusammenpacken und flüchten zu können. Die Hände der Straßenverkäufer haben mich an alte Renaissance-Bilder erinnert: einerseits schön, anderseits bedrückend.

22. Dezember 2020