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Jutta Fastian und Fuzzman Herwig Zamernik: Fall für Zwei

Wie schwierig ist es als Paar, wenn beide Partner Künstler sind? Welche Rolle spielen Drogen im musikalischen Schaffensprozess? Macht man als Schauspielerin seine eigenen #MeToo-Erfahrungen? Schauspielerin Jutta Fastian und Herwig Zamernik, Sänger der Kultband „Naked Lunch“, dessen Soloalbum als Fuzzman, „Hände weg von allem“, gerade erschienen ist, sind seit 12 Jahren liiert. Als sie einander kennenlernten, war er bereits Vater von drei Kindern und verheiratet. OOOM sprach mit ihnen über Liebe, Versagensängste, Aufs und Abs, eine Beziehung auf Augenhöhe – und den Traum von einer eigenen Almhütte.

Christina Zappella-Kindel8. Mai 2019 No Comments
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Welche Rolle spielen Drogen im kreativen Prozess?

Zamernik: Nicht nur die Musikbranche, auch die Werbe- oder Baubranche würde ohne Drogen ganz anders aussehen. Man braucht Drogen nicht, um kreativ zu sein, Drogen spielen aber generell in der Gesellschaft eine große Rolle. Es geht um Bewusstseinsveränderung, egal ob das über Drogen geht, über Musik oder Kunst.

Herwig, Sie haben 2014 in der Justizvollzugsanstalt Klagenfurt gespielt – fast wie Johnny Cash 1968 im Folsom Prison. Was erlebt man da?

Zamernik: Es ist schon völlig abstrakt, in einem Gefängnis zu sein. Bei unserem Gig dort waren ja nicht die schweren Fälle wie Mörder zugelassen. Es hat sich nach der ersten Beklemmung, die da war, eine eigene Dynamik entwickelt und wir haben letztendlich gemeinsam mit dem Gefängnischor gesungen. Das war schon sehr ergreifend. Und irgendwann war es dann egal, wo man ist.

Mit welchem Star hätten Sie mal gerne gemeinsam in einer Bar gesungen?

Fastian: Wahnsinnig gerne mit Romy Schneider. Für mich die schönste Frau der Welt. Das Leben stand in ihren Augen geschrieben.

Zamernik: Lemmy Kilmister von Motörhead spielte den besten Bass der Welt, den hätte ich gerne in meiner Band gehabt.

Wie gehen Sie mit Lampenfieber um? Wird das im Laufe der Zeit weniger?

Fastian: Absurderweise wurde das Lampenfieber in der Vergangenheit immer mehr. Warum das so war, kann ich mir nicht erklären. Anstatt von Mal zu Mal gelassener zu werden, hat sich mein Kopf zugeschüttet mit Ängsten. Ich war so etwas wie eine Gefangene meiner destruktiven Gedanken.

Hat sich das bei Castings ebenso gezeigt? Gab es Blockaden?

Fastian: Ja, und leider war das schlimm. Viele Möglichkeiten habe ich in den letzten Jahren dadurch vertan, viele Rollen einfach nicht bekommen.

Zamernik: Sie ist nächtelang vor Castings wach gelegen, am Morgen des Castings aufgewacht und hatte fieberähnliche Zustände. Ich konnte ihr als Partner nur bedingt helfen, vor allem auch, weil ich mit solchen Ängsten nie zu tun hatte.

Fastian: Bin ich gut genug? Schaffe ich es, die Erwartung zu erfüllen? Reiche ich als Jutta aus? Bin ich nicht vielleicht doch zu wenig? Es war wie bei einer Prüfung und ging so weit, dass ich sowohl beim Casting als auch beim Dreh einmal ein Blackout hatte. Unglaublich eigentlich. Ich habe einen Beruf, den ich über alles liebe – und dann das.

Sie haben mit Josef Hader und Karl Markovics in „Komm, süßer Tod“ gespielt, auch in mehreren „Tatort“-Folgen. Sind Krimis im deutschen Sprachraum die gängigsten Rollen?

Fastian: Es gibt viele unterschiedliche Formate bei Krimis, sie sind sehr beliebt.

Stefan Ruzowitzky sagt, durch Streamingdienste wie Netflix ist ein Boom entstanden, es gibt im Film mehr Jobs denn je.

Fastian: Es wird so viel gedreht wie noch nie. Das lineare Fernsehen schwindet. Aber es gibt viele Jobs und eine große Nachfrage momentan.

Ist die Politik in Österreich für einen Künstler inspirierend?

Zamernik: Es ist großartig! Passt doch alles, oder? Wir haben den feschesten Innenminister seit Goebbels. Was soll man sagen? Der Niedergang des Abendlandes. Aber vielleicht brauchen wir nur darauf zu warten, dass sie sich gegenseitig zerstören. Und es ist schon eine Herausforderung an die Linke, die es sich sehr leicht gemacht hat und in unnötige Fallen getappt ist.

Fastian: Da kann ich nur noch hinzufügen: „Not my government.“

Sie sind beide Vegetarier. Wer hat wen überredet?

Fastian: Es musste niemand überredet werden. Herwig ist schon seit 30 Jahren Vegetarier, ich erst seit 2 Jahren. Ich komme ja aus einer Gastwirtschaft in Kärnten. Nebenan war unser Onkel mit der Landwirtschaft, da wächst man automatisch mit Speck und Würsten auf. Jetzt kann ich mir das allerdings nicht mehr vorstellen.

Zamernik: Als Kind habe ich „Sieben Jahre in Tibet“ von Heinrich Harrer gelesen und die Beschreibung des Buddhismus. Der Respekt vor jedem Leben hat mir so gut gefallen, da habe ich mich dazu entschieden, kein Fleisch mehr zu essen.

Wo sehen Sie sich als Paar in zehn Jahren?

Fastian: Ich hoffe, dass uns die Liebe und der Humor bleiben und dass wir uns immer noch gegenseitig überraschen können. Und wer weiß, vielleicht haben wir dann ja auch endlich eine kleine Almhütte, die uns zwischendurch als Auszeit-Domizil dient. Und dass die Beziehung so lebendig und herausfordernd ist, wie sie es jetzt ist.

Zamernik: Absolut! Das mit der Almhütte ist sowieso schon lange mein Traum. Im besten Fall bleibt alles so, wie es ist. Hände weg von allem!

Fotos: Roland Unger

8. Mai 2019