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Parov Stelar: Der King of Swing zeigt seine Kunst

OOOM besuchte den smarten Österreicher in Mallorca und sprach mit ihm über Kunst, Design – und warum er Steve Jobs einen Korb gab.

Jessica Schreckenfuchs14. Februar 2017 No Comments
ICH HABE DIE AUSSAGE VON Ö3-CHEF GEORG SPATT GELESEN UND
ICH FINDE ES EINEN SKANDAL. DIE ART UND WEISE, WIE DER SENDER
SEINE MONOPOLSTELLUNG AUSLEBT, IST GANZ EINFACH SKANDALÖS.


Steuern Sie das Bild, das von Ihnen in der Öffentlichkeit entsteht?
Ich glaube, das kann man nicht steuern, ab dem Zeitpunkt, wo Sie es versuchen, geht es schief. Ich will auch auf die Gefahr hin, damit zu scheitern, immer Neues versuchen. Das Scheitern ist eigentlich für die Karriere noch viel wichtiger als Erfolg.

Wie tanken Sie Kraft?
Ich versuche mich mit Sport immer wieder, nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit zu halten. Mich inspiriert Architektur. Meine Frau und ich fahren viel herum, wir schauen uns in Mallorca viele alte Häuser an, auch verfallene. Mich würde interessieren, so etwas einmal komplett zu renovieren. So lasse ich manchmal den Tag laufen, da kann ich dann einfach ich selbst sein. Ich kann zum Beispiel nicht am Strand relaxen, ich kann mich nicht einfach hinlegen und sagen: „So, heute mache ich einen Urlaubstag“. Das schaffe ich nicht.

Wie häufig malen Sie?
Das kommt immer schubweise. Wenn ich wieder einen Lauf habe, dann bin ich manchmal eine ganze Woche nur im Atelier und arbeite an den Bildern. Danach nehme ich dann manchmal zwei Monate keinen Pinsel mehr in die Hand.

War Ihr 40. Geburtstag für Sie eigentlich ein Einschnitt, eine Zäsur?
Der 30er war schlimmer.

Wieso?
Weil ich zwischen 30 und 40 zehn Jahre lang Zeit gehabt habe zu akzeptieren, dass ich kein Teenager mehr bin, kein junger Bub, obwohl ich mich immer noch so fühle. Aber inzwischen möchte ich keinen Tag jünger sein.

Sie waren als Teenager Mod. Wie muss man sich Parov Stelar als Mod vorstellen?
Ich bin auf der Vespa durch Linz gefahren.

Und haben welche Musik gehört?
Von Soul bis zu The Small Faces, all diese Sachen, die man hören hat müssen als Mod. Das ging vier, fünf Jahre so. Der Style gefällt mir immer noch, ich finde auch Mark Ronson cool in seinen britischen Anzügen.

Haben Sie sich damals auch mit Punks und Poppers geprügelt?
Nein, es waren mehr die Hooligans in Linz, die ziemlich gefährlich waren. Wir sind oft gerannt, weil die richtig wilden Hunde waren wir auch wieder nicht. Ich wollte ja keinem wirklich weh tun, ich wollte eigentlich nur den Mädchen imponieren.

Haben Sie Angst vor dem Punkt‚ wo Ihnen nichts mehr einfällt?
Fragen Sie bitte meine Frau! Sie hasst mich in diesen Phasen. Ich habe sie immer wieder und dann sag ich: „Barbara, ich glaub, es ist vorbei mit Parov Stelar…“ Das war erst vor einem halben Jahr so. Da dachte ich ernsthaft: „Jetzt ist es over. Da kommt nichts mehr.“ Sie sagte dann nur: „Marcus, das höre ich jetzt seit zehn Jahren in regelmäßigen Abständen. Es geht immer weiter…“ Solche Momente machen richtig depressiv.

Was werden Sie mit 50 tun?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, Filmmusik zu machen. Viele unserer Songs werden ja schon jetzt für Werbespots und Filme verwendet. Ich bin ein sehr visueller Mensch und ich glaube, Musik mit Bildern ist eine unschlagbare Kombination.

Dann müssen Sie ja Ennio Morricone mögen?
Er ist einer meiner Heros, der sich nicht vor Kitsch gescheut hat. Er hat es immer mit einer Qualität präsentiert, so dass man nie das Gefühl hatte, es sei kitschig. Vor ihm habe ich tiefsten Respekt.

14. Februar 2017