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Frauen an die Macht – oder brauchen wir alle einen Penis?

Dass Frauen den Ton angeben wurde längst Zeit, meint OOOM-Verlegerin Christina Zappella-Kindel. Finnland hat die jüngste Premierministerin der Welt, die 34-jährige Sanna Marin. In Dänemark führt Mette Frederiksen die Regierung an, in Island Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir, in Norwegen Erna Solberg. Im Norden lehrt uns also kein weißer Wanderer in „Game of Thrones“-Manier das Fürchten. Wobei sich die Frauenfiguren in der letzten Staffel der Erfolgsserie anders als erwartet benahmen, nämlich so, wie wir es von kriegswütigen Männern gewohnt sind: grausam und rücksichtslos. Aber darum soll es hier nicht gehen. Rücksichtslose Menschen wird es immer geben, egal ob Mann oder Frau. Wichtiger sind die Voraussetzungen, die es Frauen ermöglichen, weltweit die gleichen Chancen wie Männer zu erhalten.

Christina Zappella-Kindel20. Dezember 2019 No Comments
die macht der frauen ooom magazin

In vielen Ländern dieser Welt haben Frauen kaum bis gar keine Rechte, werden minderjährig verheiratet, schuften in Fabriken für einen Hungerlohn, werden bevormundet oder verstümmelt. Als ich 2009 mit Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams das Women’s World Forum im Wiener Rathaus eröffnete, das wir 2004 gegründet hatten, saß nur ein Mann am Podium: Antonio Maria Costa, Director-General der Vereinten Nationen in Wien (UNOV). Sein Thema war Menschenhandel, die Opfer: Frauen und Kinder. In einem Jahrzehnt seit damals hat sich vieles verändert.

OOOM 100. Eine internationale Jury hat zum bereits vierten Mal „OOOM 100 – Die inspirierendsten Menschen der Welt“ gewählt. Erstmals belegen Frauen die ersten fünf Plätze, in den Top 10 sind gleich acht Frauen zu finden. Das ist Rekord und zeigt: Es hat sich viel getan. Diese fantastischen Frauen kommen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft. Sie sind Schülerinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Künstlerinnen, Ordensschwestern, Moderatorinnen und TV-Stars. Sie sind jung, alt, Asiatinnen, Afroamerikanerinnen, Europäerinnen, Amerikanerinnen. Sie sind verheiratet, ledig, transsexuell, lesbisch oder – im Fall Lil Miquelas – nicht einmal real. Es darf keine Bedeutung mehr haben, dass Frauen schwanger werden und Kinder bekommen. Kein schlechtes Gewissen allen Frauen, die sich nicht nur der Familie widmen wollen und jenen, die gerne auf Karriere verzichten. Das soll und darf alles kein Thema von Mann oder Frau sein, sondern ausschließlich der persönlichen Lebenseinstellung.

Wir sollten aufhören alles zu bewerten, vor allem nicht das Leben der anderen. Wenn es aber durch Einflüsse geprägt ist, die persönliche Entfaltung, ein würdiges, selbstbestimmtes Leben und die grundlegenden Menschenrechte nicht ermöglicht, dann lasst uns gemeinsam aufstehen, Frauen wie Männer, dagegen ankämpfen und es verändern! Dann sollte es irgendwann einmal keine Bedeutung mehr haben, ob wir mit oder ohne Penis auf die Welt kommen. Das zeigen uns die Nachbarn aus dem hohen Norden ja schon vor.

 

 

20. Dezember 2019