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Kraftplatz Berg

Sie sind Inspirationsquelle und Kraftplatz zugleich, sie holen uns aus dem Alltag, lassen uns durchatmen, sind mystische Orte und schenken uns Momente der Einkehr: die Berge. Raue Felsformationen, schroffe Hänge, dazwischen klare Bergseen, imposante Gipfel und ein Naturpanorama, dass es einem den Atem verschlägt. Nirgendwo sonst kann man so herrlich zu sich finden und den Alltag vergessen. Der Wilde Kaiser in den nördlichen Kalkalpen Tirols hat eine magische Anziehungskraft, die niemanden mehr loslässt. OOOM begab sich auf die Spurensuche nach der Faszination der Berge – und erlebte auch die sanfte Seite des Wilden Kaisers.

Jessica Schreckenfuchs-Vallant21. August 2017 No Comments
Fotos: Constant Evolution, Tourismusverband Wilder Kaiser, Stanglwirt

Wer zeitig in der Früh am Astbergsee hoch über Going auf den Sonnenaufgang wartet, erlebt ein beeindruckendes Schauspiel. Denn wenn die ersten Lichtstrahlen den See in ein rötliches Licht tauchen, spiegelt sich der Wilde Kaiser majestätisch auf der Wasseroberfläche wider. Man spürt die unbeschreibliche Kraft dieses gewaltigen Gebirges mit seinen schroffen Wänden aus Wettersteinkalk, gewaltigen Felsabbrüchen und seiner Spitze am Ellmauer Halt mit 2.344 Metern. Schon vor 5.000 Jahren suchten Jäger in den Höhlen des Wilden Kaisers Schutz. Schon damals übten die Berge eine unglaubliche Faszination auf die Menschen aus.

Im Einklang mit der Natur. Das hat sich bis heute nicht geändert. Es ist der Einklang mit der Natur, die frische, glasklare Luft, die Stille, die einen begleitet, nur unterbrochen von den Lauten der Vögel und Tiere und dem Rauschen des Wassers, das sich immer wieder seinen Weg durch die Felsen sucht und sich im freien Fall über den Kalk ergießt. Es ist aber auch die Einsamkeit, die man auf dem Berg sucht und finden kann. Dieses Eins-Sein mit sich selbst, die innere Ruhe, die einkehrt, wenn man einen Schritt vor den anderen setzt, Höhenmeter um Höhenmeter dem Gipfel entgegen.

Fischen in den klaren Gebirgsbächen. Momente der Einkehr.

Was ist das für ein Gefühl, auf der Hohen Salve zu stehen, auf über 1.800 Meter Seehöhe, und über das gewaltige Panorama der Alpen zu blicken? All diese monumentalen Berge liegen einem scheinbar zu Füßen: die Kitzbühler und Zillertaler Alpen, die Tauern, der Wilde Kaiser, über 70 Berge jenseits der 3.000er-Grenze. Und mitten auf diesem Gipfel steht die Salvenkirche, die höchstgelegene Wallfahrtskirche des Landes. Was hat die Menschen vor dreihundert Jahren dazu bewegt, die Steine, den Lehm, das Holz über die steilen Hänge dem Himmel entgegen zu tragen, um dieses Gotteshaus zu erbauen? Was waren Pfarrer Ambros Strassers Gedanken 1617, als er die erste heilige Messe an diesem fernen Ort las? Welche Strafe Gottes müssen die Menschen 1640 vermutet haben, die ehrfürchtig das „Johanneshaupt“ anbeteten, als Blitzschlag die Kirche zerstörte?

Eine andere Welt. Man kann es nicht anders sagen: Hier auf den Bergen ist man in einer anderen Welt. Einer heilen Welt. Und an nur wenigen anderen Orten in Europa haben die Berge eine solche Kraft wie hier am Wilden Kaiser. Um die einzigartige Flora und Fauna zu schützen, entschloss man sich vor über 50 Jahren, daraus ein Naturschutzgebiet zu machen. Und obwohl der Tourismus in der Region boomt und immer mehr Menschen die einzigartige Natur genießen wollen, ist das Gebiet kaum durch Straßen oder Seilbahnen erschlossen. Der Wilde Kaiser ist ein Naturerlebnis, das Kletterer, Bergsteiger und Wanderer gleichermaßen einlädt.

Und auch die Orte zu Füßen des Bergmassivs haben ihren Charme: Ob Going, Ellmau, Scheffau, Walleralm oder Söll, sie sind ideale Ausgangspunkte von Wanderungen auf die Spitzen des Massivs. Auf der Südseite befinden sich die berühmtesten von ihnen: Scheffauer, Treffauer, Ellmauer Halt, Vordere Karlspitze, Hintere Goinger Halt, Westliche Hochgrubachspitze, Maukspitze und Ackerlspitze.

Berg mit Aussicht: Blick durch das Fernrohr zum Kitzbüheler Horn.

Türkisblaues Wasser. Und mittendrin findet man Seen, die Kraftplätze sind, wie der Hintersteiner See, ein stilles Naturjuwel mit türkisblauem Wasser, 56 Hektar groß und bis zu 36 Meter tief. Ein Gebirgssee auf 883 Meter Seehöhe, entsprungen den natürlichen Gebirgsquellen. Wer vom Wandern müde ist, kann hier einen Sprung in das kristallklare Wasser wagen, kühl, erfrischend und von einer Qualität, wie man sie sonst nur von Trinkwasser gewohnt ist.

Aber auch der Badesee Going, der Ahornsee in Söll und das Kaiserbad Ellmau laden zum Entspannen im Wasser und Schwimmen ein. Was alle vereint: ein inspirierender Blick auf den Wilden Kaiser.

Traumdestination Going. Erreichbar mit dem Auto über Ellmau oder die Astbergbahn, hat man in Going einen atemberaubenden Ausblick auf den Wilden Kaiser und das Kitzbühler Horn. Und wenn sich der Tag dem Ende neigt, die Sonne langsam hinter den Bergen zu verschwinden scheint und die letzten Strahlen das Tal in ein warmes Licht tauchen, scheint die Zeit für einen Augenblick stillzustehen.

ES IST ZEIT, INNEZUHALTEN.
TIEF DURCHZUATMEN. IN SICH ZU RUHEN.
UND EINFACH DIESES GEWALTIGE PANORAMA ZU GENIEßEN.

Beliebtes Ausflugsziel: die Regalm.

Am nächsten Morgen lädt die Regalm zum stärkenden Bergfrühstück für Frühaufsteher ein, die schon bei Morgengrauen die Natur genießen wollen. Über einen Forstweg gelangt man bis ganz hinauf. Besondere Frühstückserlebnisse bekommt man auch auf der Hinterschießlingalm, die köstliche regionale Schmankerl aus eigener Landwirtschaft anbietet, eingebettet in ein großartiges Berg- und Naturschauspiel.

Ein verlängertes Wochenende wird in der Region Wilder Kaiser nicht reichen, um die Faszination der Natur und der Berge zu erleben. Aber es ist zumindest ein Anfang. Wer diese unbeschreibliche Kraft spürt, die von den schroffen Wänden ausgeht, der bekommt ein neues Verständnis für die wesentlichen Dinge des Lebens. Wer einmal hinfährt, will nie mehr weg.

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