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La Serenissima – eine Liebeserklärung an Venedig

„Eben ist die Sonne hinter dem Horizont versunken und die langen Schatten sind dem Leuchten alter Laternen gewichen. Auf einmal ist der Zauber gebrochen oder vielleicht durch ein langsam näher kommendes, immer lauter werdendes Klappern verstärkt: Es ist der Klang von Schritten."

Paolo Mameli14. Februar 2017 No Comments

Die Venezianer lieben den Handel. Obst- und Gemüseboote bringen in San Barnaba täglich Frisches in die Stadt.

Marmorne Geschichte. Die Marmorgruppe aus Porphyr, sagte ich, an der ihr lehnt, könnt ihr in jedem Kunstführer finden, sie stammt aus dem 2. Jahrhundert und worauf ihr mit den Schuhen herumtanzt, ist der älteste Text in italienischer Sprache. Es war ihnen sichtlich peinlich, denn sie sprangen sofort auf und baten mich, ihnen noch einige weiterführende Informationen zu geben, was ich nur zu gerne tat.

Dies nur, um zu zeigen, dass Venedig nicht nur eine fragile Stadt ist, sondern so voll von Kunstwerken und einzigartigen und wertvollen Elementen, dass es nicht genügt, nur einen oberflächlichen Blick auf sie zu werfen, will man sie ganz und gar erfassen und genießen.

Torre dell’Orologio. Auf dieser wunderbaren Piazza hat jedes Monument, jedes Detail eine Bedeutung. Ein Beispiel? Der berühmte Uhrturm Torre dell’Orologio wurde Ende des fünfzehnten Jahrhunderts errichtet und bildet den Eingang zu den Mercerie, der wichtigsten  Gasse, die seit jeher dem Handel gewidmet ist. Von ihr erzählt man, dass man hier so gut wie alles, was käuflich ist, finden konnte. Dieses Gebäude zeigt, dass die Venezianer Herrscher über die Zeit sein wollten, und dies wird durch die beiden riesigen bronzenen Statuen, aufgrund ihrer dunklen Farbe „Mori“ genannt, hervorgehoben. Der eine ist alt, der andere jung. Sie schlagen mit ihren großen Hämmern an der Glocke die Uhrzeit. Der Alte schlägt fünf Minuten vor der Stunde, er zeigt die Zeit an, die vergangen ist, danach läuten die Glocken des Campanile die genaue Stunde und zuletzt schlägt der junge Moro die Zeit an, die kommen wird. Mit diesem feinen Mechanismus wollten die Venezianer symbolisieren, dass sie die Zeit beherrschten, genauso wie das Meer – das in einer jährlichen feierlichen Zeremonie, während des Festes der Sensa mit Venedig „vermählt” wurde, indem der Doge einen Ring ins Meer warf.

Café Floriàn. Doch nicht nur geschichtsträchtige Bauten gibt es auf der Piazza: Auch die berühmten Cafés haben eine Jahrhunderte alte Geschichte, vor allem das Floriàn, das für sich beanspruchen darf, das älteste Kaffeehaus Italiens zu sein. Illustre Persönlichkeiten wie Casanova, Goldoni, Lord Byron, Goethe, Charles Dickens, um nur einige zu nennen, sind hier aus- und eingegangen. Den Klängen des kleinen Orchesters zu lauschen, während man einen Aperitivo oder einen Kaffee zu sich nimmt, den Platz und die Markusbasilika vor Augen, ist ein einzigartiges Erlebnis, das man sich trotz des höheren Preises gönnen sollte.

Das andere Gesicht. Um ein anderes Gesicht Venedigs zu sehen, genügt es, die Mercerie entlangzugehen, die lange Gasse, die von der Torre dell’Orologio beginnend bis zur Rialto-Brücke führt und über die man in das Viertel San Polo gelangt. Seit ihren Anfängen hat sich in der Gegend um Rialto der Handel entwickelt, der die Venezianer reich und mächtig gemacht hat. Aufgrund der starken Bevölkerungsdichte wurden für damalige Verhältnisse ziemlich hohe Häuser gebaut, und die Gassen und Plätze tragen noch die Namen der dort ansässig gewesenen Betriebe wie etwa Riva del vin (Wein), Campo de le becarie (Fleischhauer) oder Calle dei orèsi (Juweliere).

Wer in dieses Viertel enger Gassen und Gässchen eindringt, fühlt sich in eine andere Epoche versetzt. Mit ein wenig Fantasie kann man sich das unglaubliche Gewirr der Händler und Käufer vorstellen, die diese Gegend bevölkerten. Eine Ahnung davon bekommt man, wenn man den malerischen Fisch-, Obst- und Gemüsemarkt besucht, wo sich Farben, Gerüche, lebhaftes Treiben und Fröhlichkeit zu einem großen Ganzen verbinden.

14. Februar 2017