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Leonardo DiCaprio: Weil jeder Tag zählt

Wäre die Titanic 150 Jahre später in See gestochen, es gäbe vielleicht keinen Eisberg mehr, den sie hätte rammen können – und Leonardo DiCaprio wäre eine legendäre Filmrolle ärmer gewesen. Gestört hätte ihn das freilich wenig. Der smarte Kalifornier ist nicht nur einer der größten Hollywood-Stars von heute, einen Namen macht er sich in letzter Zeit besonders mit seinem Engagement für das Klima. Und das, obwohl DiCaprio schon seit über 20 Jahren seine eigene Umweltorganisation leitet, die jährlich mehrere Millionen Dollar für die Rettung des Planeten ausgibt.

Claudia Huber9. Oktober 2020 No Comments
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Sechs Anläufe hat es gebraucht, bis Leonardo DiCaprio endlich seinen Oscar in Händen halten durfte. Für „The Revenant“ erhielt er 2016 bei den Academy Awards den Preis für den Besten Hauptdarsteller, den er laut Medien schon lange verdient hatte. Auf der Bühne des Dolby Theatre bedankte er sich in typischer Manier bei seinen Kollegen und Freunden, den abschließenden Satz hatte er jedoch für eine andere Sache reserviert: „Der Klimawandel ist real, und er findet jetzt gerade statt. Lassen Sie uns den Planeten nicht als selbstverständlich annehmen!“ Der Amerikaner mit deutsch- russisch- italienischen Wurzeln nutzte diesen viel beachteten Moment, nicht nur weil 2015 das wärmste Jahr in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen war (das dann nur ein paar Monate später unrühmlich von 2016 abgelöst wurde), sondern auch, weil er sich schon lange mit der Umwelt und dem Klima auseinandersetzte.

Vorreiterrolle. Bereits 1998, im selben Jahr, wie die USA ihren höchsten Kohleenergie-Output aller Zeiten verzeichneten und das Kyoto-Protokoll gerade einmal auf dem Papier beschlossen war, gründete der Schauspieler mit der Leonardo DiCaprio Foundation (kurz LDF) seine eigene Organisation, die es sich zum Ziel setzte, die letzten unberührten Orte der Erde zu beschützen und das Gleichgewicht im Ökosystem so gut es geht wiederherzustellen. Der gebürtige Kalifornier war damals gerade mal 24 Jahre alt, und mit Filmen wie „Romeo und Julia“ und „Titanic“ auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere. Ein Ausnahmetalent, das von Hollywood gefeiert und von der Frauenwelt geliebt wird, nimmt sich im größeren Rahmen des Klimaschutzes an. Was heute mit Celebritys wie Channing Tatum oder Ryan Reynolds keine Seltenheit mehr ist, war damals absolute Pionierleistung.

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Social Media – Private Life. „Schauspieler und Umweltaktivist“ lautet DiCaprios knappe Selbstbeschreibung auf Instagram. Und sagt damit schon vieles aus. Karriere und Alltag sind zwei strikt getrennte Bereiche in seinem Leben. Jedes Posting auf seiner 44-Millionen-Follower-schweren Instagram- oder 16 Millionen-Follower-reichen Facebookseite handelt von Umwelt, Tierschutz oder erneuerbaren Energien, nur ab und zu promotet er einen seiner Filme. Sein Selfie mit Jane Goodall erhielt eine Million Likes, fast fünf Millionen Menschen gefällt DiCaprios Foto mit Greta Thunberg. Die Fans sind es gewohnt, keinen Einblick in DiCaprios Kühlschrank, Fitnessstudio oder Poolhouse zu erhaschen. Seine in der Regel nur seichten Beziehungen zu jüngeren Supermodels werden in jedem Klatschblatt dieser Welt auseinandergenommen, er selbst vermeidet zusätzlichen Zündstoff. „Dass ich die Möglichkeit bekommen habe, Teil von dieser Branche zu werden, macht mich wahnsinnig glücklich. Aber abgesehen davon will doch jeder einfach sein privates Leben leben“, meinte DiCaprio 2013 bei der Premiere zu „The Great Gatsby“.

Bereits mit 24 gründete er seine Hilfsorganisation. Und wurde zum Pionier des umweltbewussten Hollywoods.

Die Welt auf der Kippe. Neben seinen filmischen Auszeichnungen dürfte er besonders auf zwei Ehrungen stolz sein: Den Erhalt des Clinton Global Citizen Award 2014 und seine Ernennung zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen. Für die UNO reiste DiCaprio zwei Jahre um die Welt, um sich einen Eindruck darüber zu machen, wie die Klimakrise unseren Planeten aus dem Gleichgewicht bringt. Was er gesehen habe, sei schrecklich gewesen, sagte er danach: Peking erstickt im Smog, Regenwälder in Indonesien werden dem Erdboden gleichgemacht, Ernten von indischen Landwirten werden durch Hochwasser buchstäblich weggeschwemmt. Zur Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens stand DiCaprio vor den zahlreichen Vertretern der Weltnationen im UN-Hauptgebäude und gab seinen eigenen Ausblick auf die Zukunft des Planeten ab: „Was für eine Schande wäre es, wenn unsere Kinder und Enkel auf heute zurückblicken und sich fragen, warum niemand etwas dagegen getan hat, solange noch Zeit war.“ Dass das Abkommen von so vielen Staaten der Erde unterzeichnet wurde wie keines vor ihm, bezeichnete der Schauspieler als „Grund zur Hoffnung“.

9. Oktober 2020