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Leonardo DiCaprio: Weil jeder Tag zählt

Wäre die Titanic 150 Jahre später in See gestochen, es gäbe vielleicht keinen Eisberg mehr, den sie hätte rammen können – und Leonardo DiCaprio wäre eine legendäre Filmrolle ärmer gewesen. Gestört hätte ihn das freilich wenig. Der smarte Kalifornier ist nicht nur einer der größten Hollywood-Stars von heute, einen Namen macht er sich in letzter Zeit besonders mit seinem Engagement für das Klima. Und das, obwohl DiCaprio schon seit über 20 Jahren seine eigene Umweltorganisation leitet, die jährlich mehrere Millionen Dollar für die Rettung des Planeten ausgibt.

Claudia Huber30. Juli 2020 No Comments
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Düstere Zukunft? Vier Jahre später sind die Aussichten allerdings weniger rosig: Kaum ein Land wird die gesteckten Ziele des Abkommens termingerecht schaffen. DiCaprios Heimat, die USA, hat letztes Jahr sogar ihren kompletten Rückzug aus dem Bündnis angekündigt. Ob es so weit kommt, hängt vom Wahlausgang im November ab. Einen Tag vor dem frühestmöglichen Ausstieg wählt einer der größten Treibhausgas-Verursacher der Welt – die USA –, ob Donald Trump eine weitere Periode im Amt bleibt und somit die Kohleindustrie weiter befeuern kann. Nicht nur mit seinem eigenen Landesführer ist DiCaprio aufgrund seiner Klimapolitik regelmäßig in der Fehde, auch in anderen konservativen Politikern wie Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro, der im letzten Jahr viermal mehr Regenwaldfläche als üblich abholzen ließ, findet DiCaprio sein ideologisches Feindbild. Als dieser dem LDF und anderen Umweltorganisationen vorwarf, den Amazonas selbst angezündet zu haben, um dramatischere Bilder zu bekommen, meinte DiCaprio: „Die Zukunft dieser unersetzlichen Ökosysteme steht auf dem Spiel, und ich bin stolz darauf, auf der Seite jener Gruppen zu stehen, die sie schützen.” Keine Schlammschlacht, kein „Mr. President, you are an idiot!“ Sachlich und professionell bleibt DiCaprio bei den Fakten und lässt den Krawallmachern keine Chance auf einen tiefen Schlagabtausch.

Es gibt viel zu tun. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet die Leonardo DiCaprio Foundation daran, Projekte auf der ganzen Welt mit Zuschüssen und öffentlichen Kampagnen zu unterstützen. Dabei geht es um Organisationen, die zum Schutz der wilden Landschaft, der Ozeane, der Rechte indigener Völker oder dem Klimawandel agieren. Über 80 Millionen Dollar wurden in den letzten zehn Jahren an Beihilfen dafür ausgegeben, über 200 Projekte in Asien, Afrika oder der Antarktis dadurch mitfinanziert. Zudem fungiert der 45-Jährige als Vorstandsmitglied mehrerer Umweltorganisationen, etwa des WWF, des Internationalen Tierschutzfonds oder von Global Green USA, des nordamerikanischen Ablegers der von Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow gegründeten Umwelt-NGO Green Cross, wo er zusammen mit anderen Prominenten wie Robert Redford, Yoko Ono oder Edward Norton im Ausschuss sitzt.

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Klima auf der Leinwand. Neben Arbeiten mit Starregisseuren wie Martin Scorsese oder Quentin Tarantino bleibt auch in Leonardo DiCaprios „Brotberuf“ das Klima ein Dauerthema. Bereits 2007 fungierte er als Drehbuchautor, Produzent und Erzähler für „The 11th Hour“, einen Dokumentarfilm, der mehr als 50 Wissenschaftler, aber auch ehemalige Staatslenker wie Gorbatschow zu Wort kommen ließ, warum die Uhr bei der Klimaerwärmung auf 5 vor 12 steht. 2016 kamen mit „Before the Flood“ und 2019 mit „Ice on Fire“ zwei weitere von DiCaprio produzierte Klimadokumentationen in die Kinos, außerdem ein Film über grünen E-Motorsport. Einen Oscar wie Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ konnte DiCaprio mit diesen Projekten zwar noch nicht gewinnen, aber wie bei ihm üblich, bedarf es vielleicht einfach noch ein paar weiterer Anläufe.

 

30. Juli 2020