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Lilian Klebow: Die Liebesstürmer

Lilian Klebow und Erich Altenkopf sind das schillerndste Paar des deutsch-österreichischen Fernsehens. Sie spielt im ZDF-ORF-Serienhit „SOKO Donau“, er stand in über 2.500 Folgen der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ vor der Kamera. Das Powerpaar, das mit seinen beiden Kindern in Wien lebt, engagiert sich seit Jahren für Umwelt-, Arten- und Klimaschutz und unterstützt das Jane Goodall-Institut. Fotografin Petra Kamenar inszenierte die beiden für OOOM im neuen In-Hotel Max Brown 7th District in Wien in Second Hand- und Vintage-Mode. Das große Interview über Corona, den Neustart, Loslassen als Befreiung, Familie, Rituale, wie aus Nichtbeachten die große Liebe wurde – und die positiven Seiten des Lockdowns.

Georg Kindel14. Oktober 2020 No Comments
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Was bedeutet Corona für Sie?

Erich Altenkopf (EA): Chancen. Wir haben die Zeit bisher eigentlich wahnsinnig genossen.

Lilian Klebow (LK): Chancen und Neubeginn. Für uns war das ein Reboot. Ich wollte schon vorher unbedingt ein paar Monate mit den Kindern haben und mit ihnen in meinem VW-Bus wegfahren, bevor sie in die Schule kommen. Der VW-Bus war dann aber unser Zuhause, der Campingplatz unser Wohnzimmer und der See ein kleines Planschbecken. Die Zeit mit den Kindern ist einfach ein Geschenk gewesen. Als Familie hatten wir einen richtigen Neustart und eine unglaubliche Nähe.

EA: Man muss fairerweise sagen, dass wir wahnsinnig viel Glück hatten. Wir haben noch keine Schulkinder und beide einen fast sicheren Job, was für unsere Branche auch ein Privileg ist und unglaublich beruhigt. Wir ahnten schon, dass es irgendwann weitergehen wird. „Sturm der Liebe“ würde wahrscheinlich eine der letzten Sendungen sein, die abgesetzt werden, bevor überhaupt alles den Bach runtergeht. Und das würde ich auch von „SOKO Donau“ behaupten.

LK: Die Dreharbeiten sind erst einmal abgesagt worden, dann gab es Monate bei „SOKO Donau“, wo wir nicht wussten, ob wir dieses Jahr überhaupt noch drehen. Da hat es mich schon einmal kurz hingesetzt.

EA: Neben der Corona-Krise fand ich das Spannende, dass sich alles plötzlich ändert, aber man verschiedene Möglichkeiten hat darauf zu reagieren. Was ist denn eigentlich eine Krise? Im Grunde genommen hat sie unfassbare Vorteile. Nämlich, dass man nicht Stress und keine Zeit für die Kinder wie sonst hat, sondern dass sie einfach auf die Stopptaste gedrückt hat. Wir haben gesagt: Wenn wir schon eine privilegierte Situation haben, also keine wirklichen Geldsorgen, dann machen wir das, was wir immer schon machen wollten. Wir sind jetzt 24/7 mit unseren Kindern zusammen. Meine Frau hat eine unglaublich bunte Kreativität an den Tag gelegt und dabei meine kühnsten Träume noch übertroffen. Sie hat jeden Tag eine neue Welt, ein neues Paradies für unsere Kinder geschaffen, ob das jetzt kulinarisch war oder mit einem neuen Spiel.

LK: Aber du darfst nicht daran denken, wie unsere Wohnung jetzt ausschaut. Eine Generalsanierung wäre angesagt.

EA: Das ist die Kehrseite.

Ihr ganzes Leben lang werden sich Ihre Kinder daran erinnern.

EA: Wir haben wieder einmal gesehen, dass wir von unseren Kindern lernen können, zum Beispiel, die Dinge so anzunehmen wie sie sind. Das Loslassen war auch eine Befreiung.

LK: Corona hat viel mit dem Loslassen von Erwartungen zu tun. Vor allem wenn man mal versteht, dass es nicht normal ist, sich diesen ständigen Druck zu machen. Für mich war loszulassen und einfach den Moment anzunehmen wie er ist das Wichtigste.

Lilian Klebow, Erich Altenkopf

Sieht man dann die Welt aus einer neuen Perspektive?

LK: Ja. Ich finde ganz vieles hat mich große Dankbarkeit und Demut gelehrt. Wir haben Familienmitglieder, um die wir Angst haben, wie meinen Vater oder Erichs Mutter, die in eine Risikogruppe fallen oder die Tochter von Erichs Schwester, die an einer Immunschwäche leidet und schwer behindert ist. Meine Schwägerin ist jeden Winter monatelang zu Hause, so lange die Grippewelle andauert, weil diese für ihr Kind so gefährlich ist. Ich habe deshalb mit ihr viele Gespräche geführt, denn sie hat da wirklich eine Routine. Sie war unser Shutdown-Coach. Ich konnte sie auch wirklich erst verstehen, nachdem ich selbst Mama geworden bin. Was heißt das eigentlich, 14 Jahre ein Mädchen mit so einem schweren Gendefekt aufzuziehen und für ihr Überleben zu sorgen? Das hat mich demütig werden lassen. Ich habe meine Kinder mit völlig neuen Augen gesehen.

Haben Sie in der Krise auch an sich selbst gearbeitet?

LK: Ich habe natürlich auch versucht, persönlich an mir zu arbeiten und nicht immer nur dieser Stressjunkie zu sein. Ich habe Online-Kurse belegt und angefangen mir zum Thema „concious parenting“ Gedanken zu machen. Das erfordert diese neue Zeit auch. Wenn wir eine neue Welt wollen, muss sich auch jeder Elternteil verändern. Diese vielen kleinen Veränderungen schaffen die große Veränderung, die wir uns alle für unsere Welt wünschen. Denn so wie bisher können wir nicht weitermachen. Das hat uns Corona auch gezeigt.

Für uns ist Corona Chance und Neubeginn, ein Reboot als Familie und unglaubliche Nähe. Wir haben noch keine Schulkinder und beide einen fast sicheren Job, was für unsere Branche ein Privileg ist. Wir haben einfach die Stopptaste gedrückt.

14. Oktober 2020