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Lilian Klebow: Die Liebesstürmer

Lilian Klebow und Erich Altenkopf sind das schillerndste Paar des deutsch-österreichischen Fernsehens. Sie spielt im ZDF-ORF-Serienhit „SOKO Donau“, er stand in über 2.500 Folgen der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ vor der Kamera. Das Powerpaar, das mit seinen beiden Kindern in Wien lebt, engagiert sich seit Jahren für Umwelt-, Arten- und Klimaschutz und unterstützt das Jane Goodall-Institut. Fotografin Petra Kamenar inszenierte die beiden für OOOM im neuen In-Hotel Max Brown 7th District in Wien in Second Hand- und Vintage-Mode. Das große Interview über Corona, den Neustart, Loslassen als Befreiung, Familie, Rituale, wie aus Nichtbeachten die große Liebe wurde – und die positiven Seiten des Lockdowns.

Georg Kindel30. Juli 2020 No Comments
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Lilian Klebow, Erich Altenkopf

Wie schwierig ist eine Beziehung, wenn beide Schauspieler sind?

EA: Also grundsätzlich hatte ich immer gesagt, dass ich nie in meinem Leben ein deutsches, blondes Einzelkind heirate und schon gar keine Schauspielerin.

LK: Ich wollte auch keinen Schauspieler mehr. Aber Erich ist vor allem ein Mensch und ein bodenständiger dazu, kein abgehobener. Ich glaube, wir sind beide sehr bodenständig und das macht uns wahrscheinlich ein bisschen anders als viele Schauspieler. Zwölf Jahre und zwei Kinder später – ich wollte nie heiraten, ich wollte nie Kinder – ist es das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist.

EA: Da fehlen mir fast die Worte, was soll ich jetzt darauf sagen?

LK: Ich liebe meine Familie über alles, das ist wirklich so.

EA: Ich habe mir gedacht, das ist eine großartige Frau. Mit 29 habe ich dich kennengelernt und da warst du vollkommen auf einem anderen Dampfer. Ich bin ja doch neun Jahre älter und dachte, das könnte eigentlich die Frau meines Lebens sein. Das Blöde ist nur, sie weiß es noch nicht (lacht). Und ich habe immer zu mir gesagt: Erich, mach jetzt keinen Fehler!

LK: Das war so clever. Und darin habe ich mich auch verliebt. Er kam mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Lebensschlauheit daher. Er war immer mit sehr wenig zufrieden. Ich hatte nie das Gefühl, er braucht irgendeinen Luxus.

EA: Das Schöne war, dass ich damals schon dachte, diese Liebe zur Familie steckt in ihr drinnen. Und ich habe sie immer als eine Mutter sehen können. Gerade dadurch, weil sie das so abgelehnt hat. Ich verstehe heute, dass man sein Leben im Bruchteil einer Sekunde hergeben würde, nur um die Kleinen zu retten. Es gibt etwas wesentlich Größeres als dich selbst und das zeigen einem die Kinder.

Was versuchen Sie Ihren Kindern zu vermitteln?

LK: Ich glaube in der heutigen Welt vor allem du selbst zu sein und dabei auf andere zu achten. Demut, Bodenständigkeit, wirklich zu sehen, was für ein Glück wir haben, dass wir hier in Europa – in Österreich – leben dürfen, dass wir hier geboren sind. Wir versuchen nicht diese Wegwerfgesellschaft zu leben. Unsere Tochter ist sowieso eine kleine Greta Thunberg. Sie zeichnet jetzt schon Protestplakate, sie ist sechs geworden in der Corona-Zeit und hat auch auf ihre Party verzichtet. Ich sehe da ein irrsinnig starkes Mädchen, das wahrscheinlich noch vor 50 Jahren in ihrer Persönlichkeit gebrochen worden wäre, weil Mädchen sollten sich damals nicht so verhalten, so laut, so aufbegehrend. Sie ist aber auch unfassbar empathisch.

Ich wollte nie heiraten, ich wollte nie Kinder. Heute liebe ich meine Familie über alles. meinen Kindern versuche ich Demut zu vermitteln.

Waren Sie laut und aufbegehrend?

LK: Ja. Aber erst später, so im Alter von 13 bis 15 Jahren, da war ich wirklich „a pain in the ass“ (lacht). Meine Tochter redet mit jedem auf der Straße. Sie sagt vor mir zu einem Menschen: „Sie haben aber ein schönes Kleid an.“ So etwas hätte ich mich nie getraut. Und das ist etwas, das ich toll finde. Ich selbst habe so aufbegehrt wie ein klassischer Rebell. Ich bin auch auf die Straße gegangen und habe meinen Zorn über die damalige Politik geäußert. Wir haben damals schon autofreie Innenstädte und weniger Plastik gefordert. Wir waren zornig und wütend und es ist erschreckend, wie wenig sich seit dieser Zeit getan hat.

So mit 13 bis 15 Jahren war ich wirklich „a pain in the ass“. Wir waren zornig und wütend, sind auf die Straße gegangen und haben damals schon autofreie Innenstädte und weniger Plastik gefordert.

Wie wichtig ist heute Engagement?

LK: Wenn man das große Glück hat, dass man bekannt sein darf in der einen oder anderen Form, sollte man es wirklich nutzen, um sich für die richtigen Ziele einzusetzen. Ich finde es zum Beispiel wichtig, dass wir heute Vintage-Klamotten bei diesem OOOM-Fotoshooting anhatten. Man muss nicht jeden Tag den neuesten Fetzen kaufen. Es ist wirklich schön, dass wir die Wahl haben und wir sollten weise wählen, denn unsere Kinder werden uns eines Tages fragen, wie Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb prophezeit: „Wart ihr dabei, habt ihr was dagegen getan?“

EA: Arnold Schwarzenegger macht ja den World Summit zum Klima jedes Jahr in Wien, eine großartige Sache. Durch Corona merkt man auch, dass es leider wieder ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist. Brecht würde wahrscheinlich heute sagen: „Erst kommt das Fressen, dann das Klima.“ Wir werden beim World Summit live spielen, die Rockband Altenkopf feat. Frau Klebow.

LK: Ich wünsche mir wirklich, dass unsere Kinder eines Tages hoffentlich in einer Welt leben, die lebenswert ist und die es ihnen erlaubt, weiter ihre Träume zu verfolgen und nicht ständig in Angst leben zu müssen. Ich finde es beängstigend, dass wir sagen, wir haben eigentlich noch zwölf Jahre, und dann sind die Schäden an unserem Planeten irreversibel.

EA: Ich bin optimistisch und glaube an die Jugend. Man sieht, was freies Denken für eine Kraft hat an Menschen wie Greta Thunberg, aber auch an all den anderen, die ihr zuhören.

LK: Kein Baum wächst in die Ewigkeit und die Natur ist nicht auf unendliches Wachstum angelegt. Wir tun aber ständig in unserem System als ob es so sein müsste. Wir müssen das endlich umkehren und dazu gehört für mich die emotionale Stärkung unserer Kinder.

Kein Baum wächst in die Ewigkeit und die Natur ist nicht auf unendliches Wachstum ausgelegt. Wir tun aber so. Wir müssen das endlich umkehren.

Hatten Sie im Lockdown Rituale wie Meditation?

LK: Vor Jahren hat mir mal jemand gesagt: „Stell dir vor, du bist ein Baum.“ Damit habe ich in der Mediation eine Krise gekriegt – eine fürchterliche Vorstellung. Und plötzlich sitze ich und verstehe es. Einfach mal diesen Moment zuzulassen und wirklich zu beobachten: Was höre ich, was sehe ich, wer bin ich gerade, wie geht es mir, was spüre ich? Das hat so eine unfassbare Kraft, weil man nämlich merkt, wie oft man eigentlich gar nicht bewusst da ist. Und in diesem Moment, wo du dich wirklich wieder zu spüren beginnst, spürst du eigentlich wie ein kleines Kind. Ich habe dann meine Tochter beobachtet, bin durch den Regen gelaufen und habe gedacht, ich spüre so deutlich diesen Regen auf der Haut wie zum letzten Mal im Alter von acht Jahren. Wir Erwachsenen bringen uns ständig um diese essenzielle Erfahrung des Lebens, weil wir immer denken, unser Leben findet im Außen statt, was nicht der Fall ist. Diese große Erfahrung ist, dass etwas, was klein klingt, eigentlich ganz groß ist. Es ist egal, welches Hilfsmittel man sich nimmt, ob Yoga, ob man gern im Regen tanzt oder einfach nur dasitzt und die Wand anstarrt. Ich glaube, es bedarf viel innerer Stärke, damit wir eine starke Gesellschaft werden. Das schulden wir wirklich unseren Kindern.

Fotos: Petra Kamenar

Styling: Carole Reich

HAIR & MAKEUP: Martina Fasching

Location: Seven North, Hotel & Restaurant

Second Hand Mode erhältlich bei: Boccalupo, LUXURY Second Hand

www.boccalupo.at

 

 

30. Juli 2020