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Bitcoins: Die nächste Blase oder sichere Anlage?

Kryptowährungen wie Bitcoin erleben trotz großer Kursschwankungen einen Boom. Soll man investieren? Wie sieht die Zukunft des Geldes aus? OOOM bat vier Experten zum Roundtable: Hedgefonds-Multimillionär Christian Halper, „Investment Punk“ Gerald Hörhan, Albert Hinterdorfer und Martin Hauder von der AVATAR Bitbyte AG/AVATAR Technology.

Georg Kindel12. Februar 2018 No Comments

Wir erleben gerade eine Rallye, die es sonst nur beim Gold gab. Der Bitcoin-Kurs ging auf über 15.000 Euro pro Bitcoin, fiel auf ca. 6.000, ging wieder auf 9.300.

Ist die Währung sicher?

Halper: Kommt darauf an, was man unter sicher versteht. Wenn man sich die hohe Volatilität ansieht, dann ist es nicht sicher. Wenn man aber sagt: „Auf mehr als auf null kann es nicht fallen“ – das ist sicher.

Albert Hinterdorfer: Natürlich gibt es Risiken, das ist jedem einzelnen bewusst. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Chancen, die sind beim Bitcoin sehr groß. Das Potenzial weltweit durch die Blockchain-Technologie ist, dass der Zahlungsverkehr extrem schnell, sicher und günstig funktioniert. Betrachtet man andere Kontinente wie Südamerika, Afrika und Ostasien, so besitzen dort die meisten Menschen ein Smartphone, aber kein Bankkonto. Die können sich ein Bitcoin in ihre Wallet downloaden und sind dann sofort geschäftsfähig. Wenn das in diesen Ländern ankommt, hat Bitcoin ein Riesenpotenzial. 

Wie viele Firmen gibt es weltweit, die Bitcoins akzeptieren?

Hörhan: Es gibt keine wirklichen Statistiken, aber ich schätze mal ein paar Tausend. Das Problem ist, dass es bis heute noch zu volatil ist. Kryptowährungen bewegen sich innerhalb eines Tages oft um 10 bis 15 %, da ist es für einen Händler natürlich schwer, einen Preis festzulegen. Das Problem der Vergangenheit war, dass viele illegale Transaktionen damit getätigt worden sind. Trotzdem haben einige Kryptowährungen die Chance sehr viel Geld wert zu sein, weil die Anzahl beschränkt ist. Gold ist auch kein reguläres Zahlungsmittel, im Restaurant kann ich nicht mit einem Goldbarren zahlen. 

Welche Risiken gibt es?

Hörhan: Es gibt eine Reihe von Risiken, eine davon ist politische Regulierung, weil sich der Staat die Kontrolle nicht entgehen lassen will. Auch die Steuer will sicherlich verhindern, dass mit Kryptowährungen viele Geschäfte schwarz abgewickelt werden. Das Zweite sind technologische Risiken. Es stellt sich auch die Frage, ob alle Plattformen, die am Markt sind, tatsächlich die ganzen Kryptowährungen besitzen, für die sie Geld eingesammelt haben. Wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass es hier größere Betrugssysteme gibt, ist das auch keine unwesentliche Gefahr. Der Energieverbrauch ist ebenso ein Thema, weil Bitcoin-Mining teilweise so viel Strom verbraucht wie ganze Länder. Umweltschutzgesetzgebungen könnten hier sicherlich eine Rolle spielen, wenn sie entsprechende Limits verlangen. Und dann kann eine Reihe von Kryptowährungen von einigen wenigen Personen kontrolliert oder manipuliert werden. Dann gibt es Dinge, die derzeit an den Börsen streng verboten sind, wie Kursmanipulation oder Gerüchtestreuung, die am Kryptomarkt noch erlaubt sind. In ein paar Jahren wird das sicherlich anders sein. 

Sicheres Investment ist es also keines?

Hörhan: Ein Safe-Haven-Investment? Das heißt, wenn die Börsen kollabieren, wenn es große Probleme an den Aktienmärkten, Immobilienmärkten etc. gibt, werden da die Kryptomärkte steigen oder fallen? Bis jetzt weiß man es noch nicht. Wenn Börsen heute kollabieren, geht alles Geld in US Treasury. Ob das in Zukunft der Fall sein wird, seit Trump an der Macht ist, who knows? 

Verschrecken die Kursschwankungen Anleger?

Martin Hauder: Wir merken ganz klar, wenn die Kurse steigen, dass Kunden eher und lieber Bitcoins kaufen. Dabei sollte man eigentlich kaufen, wenn es eine Kurs­korrektur nach unten gibt. 

Bei unseren Bitcoin-Automaten ist das einfach möglich. Man geht mit Geld hin und tauscht in Bitcoins um. Ich sehe diese hohe Volatilität als Risiko, aber auch als Chance. Das wird erst aufhören, wenn der Bitcoin-Kurs auf 500.000 Euro pro Stück ist oder höher.  Wird das kommen?

Hörhan: Wer weiß? Es ist möglich, aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Auf eines muss man auch noch aufpassen: Es gibt zurzeit wahnsinnig viele Krypto-Abzocker, die mit allen möglichen pyramidenartigen Marketingmodellen, den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Man sollte dann zukaufen, wenn alle Leute schreien, dass die Welt zusammenbricht. Bei der letzten scharfen Korrektur mit etwa 60 Prozent, wo der Bitcoin seinen Tiefpunkt erreicht hatte, stand im Handelsblatt: „Kryptowährungen sind nichts für Kleinanleger!“ Seitdem hat sich der Kurs verdoppelt.