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Bitcoins: Die nächste Blase oder sichere Anlage?

Kryptowährungen wie Bitcoin erleben trotz großer Kursschwankungen einen Boom. Soll man investieren? Wie sieht die Zukunft des Geldes aus? OOOM bat vier Experten zum Roundtable: Hedgefonds-Multimillionär Christian Halper, „Investment Punk“ Gerald Hörhan, Albert Hinterdorfer und Martin Hauder von der AVATAR Bitbyte AG/AVATAR Technology.

Georg Kindel12. Februar 2018 No Comments

Wie werden sich Krypto­währungen entwickeln?

Hörhan: Wenn der Glaube daran da ist, dass es funktioniert, und die technologischen Anwendungsmöglichkeiten passen, wird sich die Marktkapitalisierung erhöhen, allerdings immer wieder mit scharfen Korrekturen. Wenn eines der Risiken oder mehrere zusammen eintreten, große technologische oder regulatorische Probleme auftreten, dann wird das nicht passieren. Heute ist es ein Minimarkt, der aufgrund seiner exorbitanten Preis­entwicklung, wo die Leute richtig Geld verdient haben, eine große Aufmerksamkeit bekommt. Im Vergleich zu Anleihen, Aktien oder Immobilien ist der Kryptomarkt schon sehr, sehr klein. 

Herr Hinterdorfer, Sie haben das Thema Krypto­währungen in Österreich besetzt. Ist das Interesse stark?

Hinterdorfer: Extrem. Die meisten Menschen sind total motiviert und wollen dabei sein. Was ich für noch wichtiger empfinde, ist der Informationsbedarf. Sehr viele investieren in Bitcoin, aber verstehen die Technologie und Systematik noch nicht. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Leute in diesem Bereich zu informieren und Möglichkeiten anzubieten, von denen sie profitieren können. 

Uber-Mitbegründer Garrett Camp hat verkündet, er wird seine eigene Kryptowährung namens Eco einführen und 30 Prozent davon an Eco-Berater und Partner zur Verfügung stellen. Können Kryptowährungen nachhaltig sein?

Halper: Ja, das kann sein. Der Netzwerkeffekt wie beim Internet könnte auch hier dafür sorgen, dass eine dominante Währung entsteht. Es macht nicht viel Sinn, dass wir uns tausend Netzwerke mit viel Rechenleistung leisten, weil es tausendmal mehr Energie kostet, wenn man es mit einem einzigen auch machen könnte. 

Welche Rolle wird die Blockchain dabei spielen?

Halper: Stellen wir uns mal vor, in zehn bis zwanzig Jahren wird ganz viel über Blockchain laufen, dann kann man sehr viel effizienter arbeiten als mit heutigen Systemen. Alles, was jetzt zentral läuft und sehr aufwendig ist, kann man dann dezentral und mit viel weniger Aufwand machen. Wenn man einen Smart Contract machen kann um einen Cent, ist das nicht teuer. Wenn ich mir überlege, was ein normaler Vertrag am Papier kostet, mit den ganzen Nebenkosten, ist das ein großer Unterschied. 

Blockchain ist also das größere Thema als Bitcoin? 

Halper: Ja. Bei der Blockchain-Technologie gibt es Tausende Möglichkeiten, sie zu nutzen. Das war übrigens immer schon in der Original­idee von Bitcoin enthalten, dass man Smart Contracts auf Bitcoin machen kann. 

Es gibt 21 Millionen Bitcoins. 

Hörhan: Vermutlich schon weniger, weil einige verloren gegangen sind. Man braucht mehr Rechenleistung, um weitere Bitcoins zu minen. Das wird exponentiell schwerer. Es ist ein gewisser Vorteil, wenn etwas in der Anzahl beschränkt ist. 

Sollte man Kryptowährungen im Portfolio haben?

Hörhan: Ja, weil man vielleicht etwas verdienen kann. Aber man sollte das auf keinen Fall auf Schulden machen, und man sollte nur so viel investieren, wie man auch verlieren kann. Ich würde nicht nur Bitcoin kaufen. Es ist noch viel zu früh, um zu sagen, welche Währung sich letztendlich durchsetzt. Eine gewisse Diversifikation schadet nicht. Bitcoin, Bitcoin Cash und Ethereum gehören auf jeden Fall ins Portfolio. Die klassischen Regeln des Investierens wie eine breite Streuung gelten auch hier. Kursschwankungen, also wenn der Kurs nach unten geht, sind ideal zum Einstieg.

Halper: Ich bin nicht mehr in Bitcoin investiert. Ich habe auf Bitcoin Cash gewechselt. Ich glaube, dass Bitcoin Cash von der Strategie und dem technischen Background her langfristiges Potential hat. 

Hörhan: Ich habe Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum und gleichzeitig noch ein paar kleinere Währungen: Dash, Litecoin, Ripple. Ich bin noch nicht sicher, wer gewinnt. 

Hauder: Ich glaube, das Ökosystem von Bitcoin ist das lebendigste am Markt.  

Hörhan: Es heißt ja nicht notwendigerweise, dass sich das beste durchsetzt. Microsoft hat auch nicht die beste Software produziert und hat sich trotzdem durchgesetzt.