Inspiration

LSD: Der Mini Trip in der Chefetage

Längst ist sie nicht mehr die alte Hippiesubstanz mit dem Flair von Patschuli und freier Liebe: LSD liegt im Trend – allerdings nicht, um abzuheben, sondern ganz besonders, um am Boden zu bleiben. In Mikrodosen konsumiert, sagt man LSD nach, den Fokus auf das Wesentliche zu lenken, der Intuition ungehemmten Raum zu geben, die Produktivität zu erhöhen und für einen steilen Energiekick zu sorgen. Nicht nur hippe Unternehmer und Visionäre des Silicon Valley schwören auf ihre tägliche Mikrodosis LSD – der Trend ist längst in deutschen und österreichischen Chefetagen angekommen.

Heidi List30. Juli 2020 No Comments
LSD - Der Mini Trip

Photo Taken In Echo Park, United States

Der neue Trend geht zurück auf „The psychedelic explorer’s guide“, den Leitfaden des Psychologen James Fadiman, der bereits 2011 erschien, aber erst jetzt richtig boomt. Er erklärt darin, basierend auf seinen Erfahrungen aus vier Jahrzehnten eingehender Selbststudien, wie man psychedelische Substanzen wie LSD oder das in Pilzen vorkommende Psilocybin sicher und zum eigenen Nutzen konsumiert. Große Dosen empfiehlt er für Erfahrungen, die spirituelle Erleuchtung versprechen. Kleinere dagegen, um Menschen zu helfen, die Probleme haben, ihren Alltag zu bewältigen. Fadiman sagt, Microdosing sei „mit Abstand die langweiligste Art“, psychedelische Drogen zu nehmen: Keine Visionen, keine Engel, keine Schlangen, man sieht keine Vorfahren über Generationen hinweg. Man ist auch nicht eins mit der Menschheit oder der Natur. Keine göttliche Erfahrung, nichts von all dem. Aber man sei „optimiert“. Man fühle sich gut. Eine kleine Schranke zur Freiheit wird geöffnet. Fadiman empfiehlt jeden dritten Tag eine Mikrodosis für ein gutes Leben. Auf einer Internet-Plattform ließ er sich von etwa sechstausend Mikrodosierern Feedback geben über ihre Erfahrungen. Der Psychologe fand heraus, dass sich die Menschen besser ernähren und vermeintlich aktivere Selbstheilungskräfte haben. Sie beschreiben sich als „kleine Superhelden“, seien wacher, konzentrierter, es gelinge ihnen, unnötige Dinge schneller beiseite zu legen und sich beim Arbeiten klarer den wesentlichen Dingen zuzuwenden. Sie scheinen sich besser zu spüren, bei allem, was sie tun.

Microdosing wurde im Silicon Valley zum Trend. Jetzt hat es auch bei uns die Chefetagen erreicht: der Mini-LSD-trip soll kreativer, aufmerksamer, konzentrierter machen.

Wird LSD legalisiert? der Schweiz und in Holland laufen groß angelegte Studien dazu, nicht zuletzt, um zu erreichen, dass im Falle einer wissenschaftlich bestätigten positiven Wirkung der Mikrotrips neuerlich eine Legalisierung von LSD ins Auge gefasst werden könnte. Oder zumindest die Freigabe als Medikament. Doch auch solange es nicht erlaubt ist, LSD zu konsumieren, ist es doch die Droge, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Eine Monatsration LSD in der Mikrodosis kostet in etwa 10 Euro. Substanzen wie LSD oder Psilocybin, der Wirkstoff aus den „Magic Mushrooms“, sollen also in der Lage sein, Depressionen und Angstzustände zu mindern.

30. Juli 2020