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Majas Welt: Das Wunderwerk Biene und was es alles kann

Plastisch riechen, Landkarten anlegen, Körpersprache codieren und Milliarden Pflanzen bestäuben: Die Bienen gehören zu den faszinierendsten Tieren der Welt und erst langsam begreifen wir, welch phänomenale Leistungen sie erbringen. So speichern Bienen Informationen über die Lage der ergiebigsten Blumenwiese ab, obwohl ihr Gehirn lediglich einen Kubikmillimeter groß ist. Und sie können ganz bewusste Entscheidungen treffen und gesammelte Sinneseindrücke abrufen. Ein Blick in Majas unbekannte Welt hinter die Kulissen des Wunderwerks Biene.

Magdalena Renth8. Mai 2019 No Comments
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Die Honigbiene ist somit zu einem großen Teil vom Menschen abhängig und davon, dass ihr genügend Futter und ein Zuhause zur Verfügung gestellt werden. Sie benötigt aber, wie ihre wilden Artgenossen, ein reiches Angebot an Pflanzen als Nahrungsquelle. Die Wildbienen sind auf sich selbst und ausschließlich auf das Angebot in der freien Natur angewiesen. Wie also sollen Bienen überleben, wenn wir sie sukzessive aus ihrem gewohnten Umfeld verdrängen, ihr Futter mit Giften behandeln und statt blühender Gärten Betonlandschaften kreieren?

500 Gramm Honig entsprechen ca. 2-7 Millionen Blütenbesuchen.

Kampf ums Überleben. Die Pestizide, mit denen wir unsere Pflanzen behandeln, wirken oft nicht tödlich auf die Bienen. Sie beeinträchtigen jedoch ihr Verhalten maßgeblich: Die Bienen finden nicht in ihren Stock zurück oder haben Schwierigkeiten, sich wichtige Informationen zu merken. In Deutschland ist von den 560 heimischen Wildbienenarten bereits die Hälfte ausgestorben. 1960 gab es noch zwei Millionen Bienenvölker, heute halten Imker nur noch 870.000. In einer vom Wissenschaftsjournal „PLOS ONE“ veröffentlichten Studie ist zu lesen, dass es in Deutschlands Naturreservaten ein massives Insektensterben gibt. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat die Biomasse an Insekten um 75 Prozent abgenommen. In der Schweiz sind von über 600 Wildbienen bereits 10 Prozent ausgestorben. 45 Prozent sind gefährdet. In Österreich gibt es leider keine aktuellen Aufzeichnungen über das Bienensterben.

Was können wir dagegen tun? Robert Brodschneider empfiehlt unter anderem einen bewussteren Umgang mit unserer Umwelt. Es ist nicht nötig, Wiesen oder den eigenen Rasen im Garten ständig zu mähen. Bienen brauchen, zumindest stellenweise, Flächen, die nur zu bestimmten Zeitpunkten gemäht werden. Sie finden dort Nist- und Futterplätze. Gerade die Wildbienen haben nicht den Luxus, in von Menschen vorgefertigte Behausungen einziehen zu können. Sie sind auf vegetationsarme Bodenstellen, Totholz, steiniges Gelände, ungemähte Flächen oder leere Schneckenhäuser angewiesen. Die Honigbiene leidet unter dem Verlust der Nahrungsquellen, die durch die Eingriffe des Menschen in die Natur entstehen.

Durch die Eingriffe in die Natur vernich­tet der Mensch die Nahrungsquellen der Bienen. In den letzten drei Jahrzehnten hat die Biomasse an Insekten um 75% abgenommen.

Trend zum Imker. Umso erfreulicher ist, dass Imkern in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden ist. 95 Prozent der Imker in Österreich gehen dieser Tätigkeit nebenberuflich nach und engagieren sich als Hobby in ihrer Freizeit. „Dieses Engagement muss man unterstützen“, sagt Robert Brodschneider. Es wäre wichtig, den Honig nicht über das Internet zu bestellen, nur weil es bequemer ist, sondern direkt vom Imker zu beziehen. „Diese Menschen leisten großartige Arbeit, und gerade in Zeiten, wo Nachhaltigkeit und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln immer wichtiger werden, wäre dies ein schönes Zeichen.“

437 Tonnen gefälschter Honig. In der Europäischen Union ist Honig auf Platz 6 der gefälschten Lebensmittel. 1,4 von 10 Honigproben waren laut EU-Analyse von 2016 verfälscht. Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 wurden 437,9 Tonnen Honig aus China nach Österreich importiert – aus einem Land, wo teilweise keine Bienen mehr existieren und Bestäubungen per Hand durchgeführt werden.

Einer, der sich das in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen kann, ist Dietmar Niessner, ein Imker aus Lei­denschaft, und das schon seit fast 20 Jahren. Rund 600 der 30.000 Imker in Österreich führen Bio-Betriebe, Dietmar Niessner ist einer davon. Der gebürtige Tiroler hatte eigentlich Koch gelernt, bevor er auf Plan B
umstieg. Er kam nach Wien, um auf der Universität für Bodenkultur in Wien Almwirtschaft zu studieren. Im Laufe des Studiums entwickelte sich seine Leidenschaft für Bienen und alles, was mit der Bio-Imkerei zu tun hat.

Engagiert. Der passionierte Imker empfängt uns in seiner Wohnung in Wien 15. An der Flügeltüre des Altbaus baumelt eine Stoffbiene, die auf die Leidenschaft des Bewohners schließen lässt. Dietmar Niessner wirkt energiegeladen, als ob er noch viel vorhätte. Nur seine Augen zeugen von einer gewissen Müdigkeit. Im Laufe des Gesprächs wird sich noch herausstellen, warum. Über einen knarrenden Fisch­grätparkett, vorbei an vollgestellten Regalen, gelangt man in sein Wohnzimmer. Viel Leidenschaft und Kraft stecke er in seine Mission „der biologischen Imkerei“, sagt Niessner. Schon in den späten 1970er-Jahren engagierte er sich für die Umwelt, demonstrierte gegen das geplante AKW Zwentendorf. Bei jungen Menschen würde er sich heute mehr Engagement wünschen: „Oft ist es frustrierend, vor allem wenn man merkt, dass nach wie vor Geld die Welt regiert. Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, müssen es unsere Enkel und deren Kinder ausbaden.“ Um Kinder für das Thema zu sensibilisieren, ist Dietmar Niessner bereits seit 20 Jahren in Schulen und Kindergärten unterwegs, um über die Imkerei zu informieren, Honigverkostungen zu machen und einen Bienenstaat im Schaustock aus nächster Nähe zu zeigen. „Viele der Kinder haben noch nie Honig gekostet“, ist er selbst erstaunt. „Das sind Schlüsselerlebnisse für Kinder. Ihre Neugierde wird geweckt und man kann mit ihnen sogar ein bisschen fachsimpeln. Es ist wichtig, junge Menschen zu sensibilisieren und ihnen Dinge zu zeigen, die für sie bis dahin völlig fremd waren.“ Diese Ausflüge mit den Bienen bedeuten für den Imker einige Stunden mehr Arbeit in der Hochsaison, aber es zahlt sich aus.

Sauberer Honig. Behandeln unsere Landwirte ihre Felder mit gefährlichen Spritzmitteln, landen diese auch im Honig. Dietmar Niessner zählt deshalb im Waldviertel auf Bio-Landwirte, die rund um seine Bienenvölker darauf achten, dass keine schädlichen Substanzen eingesetzt werden. In der Stadt kommt dies zum Glück nur sehr wenig vor. Selbst die Abgase der Autos können nicht an der Bio-Qualität des Honigs rütteln. Im Stadthonig wurden noch nie Rückstände, das heißt Belastungen durch Feinstaub und Schadstoffe, festgestellt. Egal, ob es seine Völker auf dem Hotel Daniel, auf der Schmelz, im Prater oder in Rodaun sind – jeder einzelne Standort hat seinen besonderen Charme. Was sich jedoch unterscheidet, ist der Geschmack des Honigs. Je nach Lage gibt es für die Bienen unterschiedliche Pflanzen, die sich im Honig wiederfinden. Und weil das dem umtriebigen Imker nicht reicht, verfeinert er Teile seines Honigs auch noch mit spannenden Gewürzen und Bio-Haselnüssen. Um alle Bienen auf den einzelnen Standorten zu betreuen, braucht es viel Zeit, Hingabe und harte Arbeit. Nicht nur der Imker muss sich anstrengen, auch die Biene leistet Unglaubliches, was sich im Preis widerspiegelt. Hier ist der Konsument gefragt. Wähle ich lieber einen Honig, der zwar billig ist, aber industriell hergestellt wurde? Oder greife ich zu dem teureren Glas wie jenem von Dietmar Niessner, wo ich mit ruhigem Gewissen zugreifen kann und noch dazu die Arbeit eines engagierten Imkers unterstütze?

Imker sind gefordert. „Es sind aber auch die Imker selbst gefordert. Es reicht nicht, sich darüber zu beschweren, dass so viele Neonicotinoide und Beizmittel in der Landwirtschaft verwendet werden, und dann zum billigsten Zucker für das Einfüttern der Bienen zu greifen“, ermahnt Niessner seine eigene Zunft. „Wir können auf den Mond fliegen, aber wir schaffen es nicht, z. B. eines Blattkäfers wie des Rapserdflohs, der ein Schädling ist, ohne Chemiekeule Herr zu werden. Da kann ja irgendetwas nicht stimmen!“

Bienensterben. Imker haben schon seit Jahren vor den Folgen gewarnt und auf das Bienensterben aufmerksam gemacht, gehört wurden sie jedoch erst in der letzten Zeit. Leider nur deswegen, weil es so schlimm geworden ist und man die toten Bienen am Rand der behandelten Felder nicht mehr ignorieren kann.

Boom an Bio-Imkern. Vor allem kleine Betriebe, die mit der Imkerei beginnen, starten immer häufiger als Bio-Imker. Für viele ist es ein Kindheitstraum und der Wunsch, nach getaner Arbeit ein Ergebnis in Händen halten zu können. Was man aber bedenken muss, wenn man die Imkerei als Hobby und nicht als Haupterwerb betreibt: Es schadet den hauptberuflichen Imkern, wenn man seinen Honig zu billig verkauft. Für jeden gilt: Eine gute Ausbildung ist die halbe Miete. Die Imker-Kurse sind voll und das Interesse ist groß.

8. Mai 2019