Arts & DesignMagazin

Martin Steininger: Wie wir einrichten

DIE EINRICHTUNGSTRENDS 2022: Starke Nachfrage nach Outdoor-Möbeln und -Küchen * Minimalismus und Langlebigkeit beliebter denn je * Dunklere und pastellige Töne im Trend. Designer Martin Steininger (Steininger) über die Rückkehr von barocker Opulenz.

OOOM Trend-Redaktion1. März 2022 No Comments

Was boomt derzeit am meisten?
Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren so viele Outdoorküchen wie noch nie verkauft. Der Vorteil, einen Garten, eine Terrasse oder Freiraum zu haben, ist gerade in dieser Zeit immer wichtiger geworden. Man konnte nicht auf Urlaub fahren, die Leute waren doch zusehends einfach auf die eigenen vier Wände angewiesen. Die Leute diskutieren auch nicht großartig über den Preis, sondern sie haben ein klares Ziel, sie wollen etwas haben und dann wird es genommen. Diese Kaufabsicht ist viel konkreter als in den Jahren davor.

Ob Ihr Messing-Küchenblock Fold oder Ihr Esstisch Frame: Ihre Design-Entwürfe kann man nach individuellen Maßen bestellen?
All unsere Konstruktionen, all unsere Produkte sind parametrisch konstruiert und wir sind in der Lage, das in jeder Größe, in sehr vielen Materialien, auch sehr individuell zu fertigen und das in sehr kurzer Zeit.

Früher dauerte der Entwurf einer individuellen Inneneinrichtung seine Zeit. Ist das durch die Digitalisierung und 3-D-Modelle alles weggefallen?
Früher war die Hauptaufgabe des Innenarchitekten, Entwürfe für den Kunden zu Papier zu bringen und ihn so an die Lösung heranzuführen. Durch die extreme Digitalisierung entwerfen wir räumliche Modelle in Rekordzeit. Wir versuchen in unseren Beratungsgesprächen dem Kunden möglichst schnell sagen zu können, das wäre die Lösung und das würde es kosten.

Entwerfen Sie noch mit Bleistift und Papier oder entstehen Skizzen am Tablet?
Alle meine Architekten und ich lieben Bleistift und Papier. Wenn wir unsere Ideen visualisieren, kann man das im Grunde am schnellsten damit. Das wird sich auch nicht ändern.

Sie stehen als Designer für Minimalismus und Purismus: klare Linien, ein sehr strukturierter Einsatz von edlen Werkstoffen, Sie verwenden Beton, Naturstein, edle Hölzer. Was macht Ästhetik und gutes Design aus?
Minimalismus in Kombination mit Zeitlosigkeit ist für mich der Inbegriff für gute Gestaltung. Wir wollen nicht modisch sein, sondern wir wollen in den Dingen, die wir entwickeln und der Nachwelt hinterlassen, auch eine Langlebigkeit haben. Die besondere Materialität und das durchdachte Detail sind das, was ein Produkt gut macht. Die These „Form follows Function“, dass ein Produkt so aussieht, wie es die Funktion hergibt, ist für mich überholt.

Adolf Loos, der Pionier moderner Architektur, hielt einen legendären Vortrag, der „Ornament und Verbrechen“ hieß. Können Sie dem etwas abgewinnen?
Ja, es sind sicher diese Vorreiter wie Adolf Loos, Josef Hoffmann, Donald Judd oder Richard Meier, die einen visuell bis heute ansprechen.
Wobei Verbrechen, das ist schon eine radikale Aussage gewesen, die provozieren sollte.

Gibt es in diesem Jahr im Interiordesign spezielle Trends?
Es kommen wieder dunklere, pastelligere Töne wie Grüntöne, auch Naturtöne. Es geht ein Stück weit in Opulenz, in eine barocke Wiederkehr in vielen Dingen. Die letzten Jahre war viel Retro, man hat versucht, in einen gemütlichen Bereich zu kommen. Momentan sind die Farben eher düster, wir leben in dieser Schwarz-Weiß-Welt, aber im Gros merk ich jetzt keine großartigen Strömungen. Was uns schon auffällt, ist dieser generelle Hang weg vom Perfektionismus, es muss nicht alles so clean sein.

www.steiningerdesigners.com

1. März 2022