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MET-Direktor Max Hollein: Eingzigartige Kunststücke

Das Metropolitan Museum of Art, kurz Met, ist eines der bedeutendsten Museen der Welt. Der Österreicher Max Hollein leitet als Direktor das ikonische Haus an der Fifth Avenue in New York. Über drei Millionen Exponate umfasst die Sammlung und macht es zum größten Kunstmuseum der USA. Im OOOM-Interview erzählt Hollein über seinen Umzug in den Big Apple, die Beziehung zu seinem Vater, Architekt Hans Hollein, Budgetdefizite, seinen Traumjob, die Macht der Sammler und den neuen Moralismus in der Kunst.

Gerald Matt20. Dezember 2019 No Comments
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Haben Sie jemals davon geträumt, Direktor des Metropolitan Museums zu werden?

Davon geträumt, nein, aber schon als Student haben mich amerikanische Museen und da nicht nur das Met, auch das MoMA und Guggenheim, beeindruck: ihr Selbstverständnis, Selbstbewusstsein und die Positionierung im Zentrum der Gesellschaft.

Sie haben das San-Francisco-Museum erst knapp zwei Jahre zuvor übernommen. Wenn man Ihre Biografie ansieht – 16 Jahre Direktor in Frankfurt – wird klar, dass Sie kein Job-Hopper sind. Haben Sie dennoch überlegt?

Das Angebot kam nicht aus heiterem Himmel. Es gab vorher schon einige Gespräche. Das Metropolitan Museum ist eine einzigartige Institution, eine Aufgabe, vor der ich großem Respekt hatte. Da habe ich natürlich überlegt, ob ich auch der Richtige bin für das Haus und seine Situation. Aber so einen Anruf bekommt man nur einmal im Leben.

Wir hatten im letzten Jahr ein Defizit von 10 Millionen bei einem operativen Budget von 320 Millionen US-Dollar und einem Kapitalstock von 2 Milliarden.

Steckt das Museum in der Krise? Kamen Sie quasi als Sanierer?

Krise nein, Justierung ja. Für ein Haus dieser Größenordnung und dieser multiplen Aufgaben ist Reform ein ständiger Prozess. Es ist auch größer als man denkt. So weiß etwa das Publikum nicht, dass das Met auch außerhalb des Museumsgebäudes hochaktiv ist, von Ausgrabungsstätten in Ägypten und Griechenland bis zu einem großen Programm für Restauratoren in Indien. Das Met ist eine Institution, die fortwährend wächst und sich weiterentwickelt, mit allen Chancen und Gefahren.

Wir hatten im letzten Jahr ein Defizit von 10 Millionen. Man muss das aber immer in Relation stellen zu einem operativen Budget von 320 Millionen Dollar oder einem Kapitalstock von 2 Milliarden. Es wird bei all dieser Aktivität und der fortwährenden Kostenentwicklung darum gehen, Budget und Mission in Einklang zu halten. Für dieses Jahr haben wir eine schwarze Null. Das ist sicherlich ein Erfolg. Das Met ist umgeben von den größten Kunstförderern der Welt, ausgestattet mit missionarischem Geist. Früher galt für die Trustees bei einem Budgetloch vielleicht: „Das gleichen wir aus, hier ist der Scheck“. Das ist vorbei.

Sie haben auch Eintrittsgeld eingeführt. Ein Bruch mit der Tradition des Hauses?

Das war noch vor meiner Zeit. Die freiwilligen Zahlungen der Besucher waren stark rückläufig, wir mussten eine klarere EIntrittsgeldregelung einführen. Für New Yorker gilt aber weiterhin „Pay what you wish“. Leute von außerhalb zahlen ein Eintrittsgeld von 25 US-Dollar.

Das Met ist wohl das größte und wichtigste enzyklopädische Museum der Welt. Macht es heute in Zeiten der Spezialisierung noch Sinn, ein Universalmuseum zu sein?

Historisch sind enzyklopädische Museen ein Produkt der Aufklärung, ausgehend von der Idee, dass die Kulturen der Welt an einem Ort versammelt werden. In unserer Zeit der Globalisierung muss es klar sein, dass so eine lineare Erzählung nicht mehr möglich ist, ja dass sie nicht der Realität entspricht.

Sie haben Ausstellungen wie „Camp“ im Met oder in San Francisco „Muslim Fashion“ gemacht. Signale für Ihre Programmatik?

Mir ging es darum, zu zeigen, dass unterschiedliche Kulturkreise auch unterschiedliche Perspektiven bedingen, dass künstlerische Inhalte oder Objekte verschieden gelesen werden können.

2020 schließen Sie die Depandace The Met Breuer, das zeitgenössische Kunst zeigt. Eine Absage?

Im Gegenteil, unsere Pläne für zeitgenössische Kunst im Met sind größer als je zuvor. Das ist der Unterschied zwischen Met und Schwesterinstitutionen wie dem Louvre, der Hermitage, dem Prado und auch dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Im Met ist die Kunst der Gegenwart Teil der ganzen Geschichte des Hauses. Langfristig macht es für das Met keinen Sinn, einen Satelliten für moderne und zeitgenössische Kunst woanders zu betreiben. Zeitgenössische Kunst muss im großen Haupthaus im Kanon der anderen Sammlungen stattfinden.

Sie machen im Jahr mehr als 40 Ausstellungen. Kann man sich als Direktor all diese Ausstellungen merken?

Es ist schon eine Herausforderung. Ich halte eine Pressekonferenz für eine Ausstellung und am selben Tag eröffne ich noch eine andere. Die eine ist von der anderen drei Jahrhunderte entfernt. Das Met hat 17 große Sammlungsbereiche, 140 Kuratoren, die eine große Anzahl der Ausstellungen produzieren, mit den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten. Meine Aufgabe ist, dieses große Programm zu orchestrieren, aber ich bin beileibe nicht Experte für all diese Bereiche.

20. Dezember 2019