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MET-Direktor Max Hollein: Eingzigartige Kunststücke

Das Metropolitan Museum of Art, kurz Met, ist eines der bedeutendsten Museen der Welt. Der Österreicher Max Hollein leitet als Direktor das ikonische Haus an der Fifth Avenue in New York. Über drei Millionen Exponate umfasst die Sammlung und macht es zum größten Kunstmuseum der USA. Im OOOM-Interview erzählt Hollein über seinen Umzug in den Big Apple, die Beziehung zu seinem Vater, Architekt Hans Hollein, Budgetdefizite, seinen Traumjob, die Macht der Sammler und den neuen Moralismus in der Kunst.

Gerald Matt20. Dezember 2019 No Comments
max hollein ooom magazin

max hollein ooom magazineWie lang braucht ein Besucher, um alle Bereiche dieses Hauses zu sehen? Ein Leben lang?

Mit einem Besuch jedenfalls ist es nicht getan. Das Met lebt auch davon, dass es ein fortwährend lebender, riesiger Organismus ist. In der nächsten zehn Jahren werden wir rund eine Milliarde Dollar in die neue Präsentation unserer Sammlung investieren. Ein Viertel des gesamten Mets wird neu präsentiert werden. In den Eremitage oder im British Museum sind Bereiche jahrelang statisch, beim Met ist das anders.

Sie kommen aus einem sehr bekannten Haus, Ihr Vater war einer der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Was hat man Ihnen mitgegeben?

Natürlich spielte Kunst eine große Rolle. Ich kann mich aber auch gut an unsere Urlaube erinnern. Ich habe meine Schulkollegen beneidet, wenn sie am ersten Ferientag schon mit ihren Eltern – das Schlauchboot am Dach des Autos – in die Ferien abgedüst sind, an irgendeinen Strand, während unsere Familie noch mindestens eine Woche warten musste, bis der Vater wirklich Zeit hatte wegzufahren. Und dann, nur um wieder am Urlaubsort Museum um Museum zu besuchen.

Das wollte ich auf keinen Fall machen! Nicht nur, weil mein Vater ein bekannter Architekt war, sondern weil ich auch sehr früh erlebt habe, wie schwierig der Beruf ist. Im Unterschied zum Maler und zum Bildhauer kann der Architekt einen ganz großen künstlerischen Gedanken haben, ist aber dann abhängig von vielen anderen, um ihn umzusetzen. Für meinen Vater Hans Hollein war vielleicht die Tatsache, dass sein richtungsweisender Entwurf für das Guggenheim Museum Salzburg nie realisiert wurde die große Enttäuschung. Alle Welt bescheinigte, dass dies ein Meisterwerk war. Er konnte es aber nicht ausführen. Das passiert einem Gerhard Richter als Maler nicht. Insofern war meine Revolution gegen mein Elternhaus auch, dass ich mich nicht nur für Kunst, sondern auch für die Wirtschaft interessierte. Ich habe Wirtschaft und Kunstgeschichte studiert. Meine gespaltene Interessenlage war am Anfang für meine Familie eher eine seltsame Entwicklung. Es waren zwei vollkommen separate Bereiche, die mich sehr interessiert haben, und ich habe wirklich parallel studiert auf zwei verschiedenen Universitäten, an der Wiener WU und an der Hauptuni. Ich habe auch Praktika gemacht als Werbetexter und als Journalist oder in einem Berliner Museum gearbeitet. Aber es war tatsächlich ein Praktikum am Guggenheim Museum in New York, das mir die Augen geöffnet hat dafür wie ein Museumsbetrieb auch funktionieren kann.

Für meinen Vater Hans Hollein war es eine große Enttäuschung, dass sein Entwurf für das Guggenheim Museum Salzburg nie realisiert wurde. Das passiert einem Gerhard Richter als Maler nicht.

Haben Sie einen Unterschied zwischen Ausstellungsmacher, Kurator und Direktor gesehen?

Um es zugespitzt zu formulieren, für mich war es schon als Student und dann am Beginn meiner Karriere unvorstellbar, zehn Jahre an einem Werkverzeichnis zu arbeiten oder ein Ausstellungsprojekt fünf bis sechs Jahre im Detail vorzubereiten. Ich habe mich immer viel mehr dafür interessiert, viele verschiedene Bälle in der Luft zu sehen und daran einen Anteil zu haben.

Inwieweit soll das Museum auch ein politisch-sozialer Ort sein?

Ich halte das für enorm wichtig, eigentlich eine Grundvoraussetzung für jede Programmatik. Ich glaube, dass gerade heute in einer Zeit der Polarisierung ein Museum einer der wenigen Orte ist, wo man schwierigste Themen noch inhaltlich tief diskutieren und eine Form der zivilisierten Auseinandersetzung führen kann. In meinem Antrittsvortrag am Met habe ich vor den Trustees und auch dem Publikum gesagt: „Uns muss auch klar sein, dass rund die Hälfte der Kunstwerke im Met nicht die Wahrheit erzählen. Sie sind Instrumente von Propaganda. Unsere Aufgabe ist es, der Komplexität von Kultur Rechnung zu tragen. Und damit eine Plattform zu sein, um auch die großen Fragen der Gesellschaft zu diskutieren.“

20. Dezember 2019