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MET-Direktor Max Hollein: Eingzigartige Kunststücke

Das Metropolitan Museum of Art, kurz Met, ist eines der bedeutendsten Museen der Welt. Der Österreicher Max Hollein leitet als Direktor das ikonische Haus an der Fifth Avenue in New York. Über drei Millionen Exponate umfasst die Sammlung und macht es zum größten Kunstmuseum der USA. Im OOOM-Interview erzählt Hollein über seinen Umzug in den Big Apple, die Beziehung zu seinem Vater, Architekt Hans Hollein, Budgetdefizite, seinen Traumjob, die Macht der Sammler und den neuen Moralismus in der Kunst.

Gerald Matt20. Dezember 2019 No Comments
max hollein ooom magazin

max hollein interview ooom magazine

Wenn Sie auf die letzten 30 Jahre zurückblicken, was hat sich für die Museen fundamental verändert?

Die größte Veränderung in der Museumswelt ist sicherlich das Publikum. Nicht nur hat sich die Anzahl unserer Besucher enorm vergrößert, es ist auch ein – gegenüber früher –  viel diversifiziertes Publikum geworden, das mit sehr unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Kenntnisständen ins Haus kommt. Davon abgesehen haben Museen stärker begonnen, ihre Sammlungen nicht nur als gesellschaftliche Güter für alle zu sehen, sondern auch als ihr Eigentum, bisweilen auch im Sinne ökonomischer Interessen. Große Veränderungen ergaben sich auch in der Finanzierung von Kulturinstitutionen, das ist ebenfalls eine fortwährende Herausforderung. Museen sind dabei besonders anfällig, da sie als sammelnde Institutionen dauerhaft wachsen. Im Unterschied zu anderen kulturellen Einrichtungen wie Oper oder Theater vergrößern sich Museen fortwährend um ihrer fundamentalen Mission gerecht zu werden. Nehmen wir New York: Die Carnegie Hall und das Metropolitan Museum sind ungefähr zum gleichen Zeitpunkt gegründet worden. Die Carnegie Hall ist noch immer derselbe Block hier an der Seventh Avenue und 57th Street. Das Met ist in der selben Zeit unendlich gewachsen.

Wenn man sich die Kunstwelt anschaut, ist auffällig, dass gerade die Macht der Sammler in den letzten Jahren gestiegen ist.

Die Macht der Sammler war immer schon groß. Wenn man sich in New York umsieht, das Whitney Museum heißt nicht umsonst Whitney, das Guggenheim-Museum nicht umsonst Guggenheim, die Frick Collection, die Morgan Library. Das waren alles große Sammler. Und es ist gut für die Museen, wenn Sammler sich für sie engagieren. Die große Kunst liegt darin, als Museumsdirektor dieses Konzert der Sammler so zu orchestrieren, dass sich daraus die Institution entwickelt, die man für richtig hält. Der Einfluss des privaten Geldes ist in den USA natürlich wesentlich größer als in Europa. Das hat durchaus Vorteile. Hätte nicht Emmanuel Macron die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewonnen, sondern Marine Le Pen, hätte das direkten Einfluss auf die französische Kulturpolitik und die Besetzung der Museen gehabt. Die Wahl Donald Trumps hatte keinen Einfluss auf die amerikanische Museumswelt.

Es scheint sich in der Kunstwelt ein neuer Moralismus auszubreiten. Ein Anschlag auf die Freiheit der Kunst?

Selbstverständlich ist für mich die Freiheit der Kunst ein höchstes Gut. Die Autonomie des Kunstwerks muss erhalten werden. Es war zum Beispiel eine an uns von herangetragene Diskussion im Met, ob ein Balthus wegen vermeintlicher Pädophilie abgehängt werden muss. Das hat das Met selbstverständlich nicht gemacht. Auch ist es wichtig zwischen einem Kunstwerk und dem Leben des Künstlers trennen zu können. Und nicht jedes Kunstwerk muss moralisch erbaulich sein. Pasolinis Film „Die 120 Tage von Sodom“ ist für mich eines der erschütterndsten und bewegendsten Kunstwerke, irritierend und demaskierend zugleich. Das Kunstwerk führt uns in die Abgründe menschlichen Handelns und faschistischen Denkens.

Wie schafft Ihre Familie all diese Umzüge, ist es eine Belastung?

Natürlich ist ein Umzug kein freudiges Unterfangen. Allein eine Bibliothek von einem Ort zum anderen zu bringen ist ein Wahnsinn. Auf der anderen Seite lieben wir immer die Orte, an denen wir leben.

Fehlt Ihnen Wien?

Ja natürlich! Wir fühlen uns auch sehr als Wiener. Wir haben auch immer noch eine Wohnung in Wien und wenn wir nach Wien kommen, muss ich sagen, mache ich auch das gesamte Wiener Programm, inklusive Ruderbootfahren auf der Alten Donau.

20. Dezember 2019