Arts & DesignMagazin

Maximilian Riedel: Glasmagie aus Österreich

Er übernahm in 11. Generation das Traditionsunternehmen Riedel Glas. Der Top-Unternehmer über Aberglauben, seinen kleinen Sohn und die Hektik des Lebens.

Jessica Schreckenfuchs14. Februar 2017 No Comments

Wer ist Ihr größter Konkurrent?
Ikea. Nicht weil die Qualität des Glases stimmt, sondern es ist das einfache Shoppen. Sie packen die Familie und fahren zu Ikea. Ikea hat glaube ich weltweit nur 450 Geschäfte, was relativ wenig ist, aber es ist ein Destination-Shopping.

War das Heimkehren nach Kufstein ein kultureller Schock nach 13 Jahren New York?
Möchte ich zurück? Wenn ich könnte, steige ich noch heute in den Flieger und bin weg. Aber ich bin hereingelockt worden von meinem Vater mit der Chance, das Unternehmen zu übernehmen, und deswegen habe ich es gemacht. Ich brauche auch eine neue Challenge. Ich habe zu meinem Vater gesagt: „Egal was passiert, ich muss aus Amerika weg.“ Mein Ziel wäre gewesen, nach Asien zu gehen, um von Neuem zu beginnen. Es war noch zu früh, um auszusteigen, weil ich habe noch kein Kind gehabt, dem ich es übergeben möchte. Das ist mein Ziel, nicht die letzte Generation zu sein.

Sie sind die elfte Generation. War klar, dass Sie mal alles übernehmen?
Ja, aber aus dem Grund, weil ich eine wunderbare Erziehung genossen habe. Meine Eltern, mein Großvater haben mir es immer so verkauft, dass es Spaß macht, dass es interessant ist, dass es einzigartig ist, dass es ein Handwerk ist und dass es schwer zu erlernen ist. Und ich glaube, wenn du etwas schwer erlernen musst, hast du entweder eine Scheu davor oder du bist bereit für die Herausforderung. Ich bin auf der ganzen Welt mitgereist, war teilweise auch mühsam. Weil bei Abendessen zu sitzen mit 11 Jahren, die vier Stunden gedauert haben – das war halt in den 80er-Jahren so, 20-Gänge-Menüs – muss nicht sein. Dann haben wir uns irgendwann im Auto wiedergefunden, meine Schwester und ich, mit Hörspielkassetten. Damals hat dich auch keiner angezeigt, wenn deine Kinder alleine im Auto gesessen sind im Dunkeln, heutzutage würde man einen Drohbrief bekommen und mit Handschellen abgeführt werden.

Sie haben einen Sohn?
Franz-Joseph, er ist erst 16 Monate.

Das heißt, Sie müssen mindestens die nächsten 20 Jahre noch durchhalten.
Ich wüsste auch nicht, was ich sonst tun sollte.

Wie viele verschiedene Gläser gibt es von Riedel?
Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, wie viele in meinem Preisbuch sind. Das sind für die Gastronomie 89, und für den Konsumenten 276. Warum ich sage „Ich weiß es nicht“ ist: Wir produzieren ja permanent für Private Labels, also kleine Kunden.

Kleine Kunden heißt was?
20.000 Gläser. Das machen wir für Moët & Chandon, Bollinger, für Piper-Heidsieck. Das machen wir für Rolls-Royce, dort haben wir eine eigene Serie, die im Auto drinnen ist. Das machen wir für Cruise-
ships. Private Labels machen ungefähr ein Drittel unseres Umsatzes aus.

Wie viele Gläser produzieren Sie pro Jahr?
Für die Marke Riedel sind es ungefähr 25 Millionen. Insgesamt produzieren wir knapp 60 Millionen Gläser. Ich habe jetzt seit einem Jahr meine ersten Angestellten in Afrika. Ich habe vorher noch nie in den Kongo verkauft, jetzt mittlerweile schon. Oder Nigeria. Das sind Märkte, die jetzt richtig Gas geben, da muss man vor Ort sein. Da kommt jetzt ein 5-Sterne-Hotel nach dem anderen. Alleine wenn ich an den Markt USA denke, wo man offiziell von 320 Millionen Menschen spricht, inoffiziell von 400 Millionen. Auch wenn es nur 10 Prozent Potenzial gibt, dann ist das gigantisch.

Sie haben einen 16 Monate alten Sohn. Wo finden Sie Ihre Inspiration?
Auf meinen Reisen. Mein Sohn ist noch zu jung, von den Windeln kann ich mich nicht inspirieren lassen.

14. Februar 2017