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Michel Mayer: Design und Sein verbinden?

Sie ist Modedesignerin, er Meister des Tai Chi, Qigong und Tao. Michel Mayer und ihr Ehemann Daniel Lee widmen sich dem Leben scheinbar von zwei entgegengesetzten Seiten: Sie kümmert sich um Glanz, Glamour und den äußeren Schein, er mit „Being Balance“ um das innere Sein. Wie passt das zusammen: im Alltag, im Denken, in den Gefühlen? OOOM bat das gegensätzliche Paar in der neuen Wiener Campari Bar zum Gespräch.

Carole Reich20. Dezember 2019 No Comments
michel mayer ooom magazin

Sie haben sehr klein im niederösterreichischen Berndorf begonnen Kleider zu verkaufen.
Mayer:
Mein Atelier waren damals das Wohnzimmer und die Küche meiner Großmutter. Das Wohnzimmer war eine Art Showroom, das Schuhhaus Wunderl war ein ganz früher Sponsor. Da hatte ich zunächst nur eine Puppe ausgestellt und später eine ganze Kollektion. Durch die Teilnahme an Messen und Events konnte ich schnell eine Präsenz in den Medien erreichen. Dann war rasch klar, dass ich nach Wien gehen werde, zunächst mit dem Atelier und schließlich mit einem eigenen Geschäft.

Sie sind in Los Angeles, Kalifornien, geboren. Wie sind Sie zu Tai Chi und Qigong gekommen?
Lee:
Meine Urgroßmutter praktizierte Qigong in Hongkong Ich war immer an Martial Arts interessiert, aber ich habe nie wirklich eine Richtung gefunden, mit der ich mich verbunden fühlte. Viele Richtungen waren mir zu aggressiv, zu streng. Ich war um die 7, 8 Jahre alt und konnte bereits die Energie in meinem Körper fühlen. Damals verstand ich schon: das ist das Qi. Aber ich wusste noch nichts damit anzufangen. Erst als junger Erwachsener konnte mir dann ein Shiatsu-Kollege meinen späteren Qigong-Trainer vermitteln. Was ich da erlebte war schön, inspirierend. Ich wusste: Das will ich mein Leben lang machen.

Sind Sie in einer asiatischen Community aufgewachsen?
Lee:
Ich war die erste Zeit in einem Ort östlich von Los Angeles, wo es eine große chinesische Community gibt. Dann bin ich zur westlichen Seite gezogen, da war es ganz anders. In den 1980er Jahren in den USA aufzuwachsen war eine andere Zeit. Es gab keinen Barack Obama, keine asiatischen CEOs. Ich habe damals nicht viele erfolgreiche Menschen gesehen, die so aussahen wie ich. Bruce Lee war mein Idol.

Wir haben uns im Sommer 2009 in Thailand getroffen. Ich wollte Tai Chi machen, Daniel war aus Los Angeles dort für sein Zertifikat als Quigong-Lehrer.

Yogastudios sprießen wie Pilze aus dem Boden, nach wenigen Monaten kann jeder schon sein Yogadiplom erhalten und selbst unterrichten.
Lee:
Generell finde ich es sehr positiv, dass es heute ein großes Bewusstsein für Gesundheit gibt und die Notwendigkeit verstanden wird, mehr Ruhe in sein Leben zu bringen. Unser Lifestyle wird immer schneller, und es ist heute wichtiger denn je, abzuschalten. Wenn es um die Zertifizierung geht: Einerseits ist es gut, dass es einen Standard gibt. Für Lehrer ist es besonders wichtig, die Bedürfnisse der Schüler zu kennen. Einen häufigen Fehler, den Lehrer jedoch machen, ist ihre Bewegungen nicht an die Bedürfnisse der Schüler anzupassen. Sie wollen, dass sie eine gewisse Pose nachmachen, aber nicht für jeden Schüler ist das einfach umzusetzen. Verletzungen sind oft die Folge. Hohe Standards sind gut, damit man sicher und authentisch bleibt.

Wenn jemand keine Ahnung hat, was Tai Chi oder Tao ist: Was sollte der erste Schritt sein?
Lee:
Als Erstes muss man sich fragen: Will ich Bewegung machen, bin ich interessiert an körperlicher Aktivität? Dann ist Tai Chi das Richtige. Das ist einfach eine Slow-Motion-Variante von Bewegungen. Qigong ist für jene geeignet, die ihr System ausbalancieren wollen.

Gibt es eine simple Übung, die man schnell und einfach machen kann und sofort einen Effekt hat?
Lee:
Die simpelste Übung ist einfach durchzuatmen. Egal welche Praxis man ausübt, das Ziel ist, sich gut zu fühlen. Ich lebe gerne in der modernen Welt, ich finde es toll, live mit meiner Familie mittels Video telefonieren zu können, obwohl sie zehntausend Kilometer weit weg ist. Aber unser Lebensstil ist auch schneller geworden. Und das müssen wir ausgleichen. Deswegen ist es auch so wichtig, eine Methode zu haben, um zur Ruhe zu kommen. Es ist für mich überraschend zu sehen, dass 80% mein Schüler nicht richtig atmen.

Michel, wie sieht die typische Trägerin Ihrer Mode aus?
Mayer:
Ich habe viele Powerfrauen unter meinen Kundinnen, interessante, spannende Frauen in guten Positionen, die auch kreativ sind. Unsere Kollektion ist ja nicht besonders kommerziell, man muss sich schon ein bisschen was trauen.

Ihre Mode sieht man sogar am Red Carpet bei den Golden Globes. Kurbelt das auch den Verkauf an, oder ist das reine Imagewerbung?
Mayer:
Wenn man im Ausland bei den Golden Globes präsent ist, dann pusht das schon die Abendmode. Das ist für den Verkauf durchaus förderlich.

20. Dezember 2019