Top Stories

Hugh Jackman: Mister Nice Guy

Er gehört zu den Multitalenten Hollywoods, kann singen, tanzen und spielen. Mimt oft den harten Kerl, zerreißt in „X-Men“ und „Wolverine“ seine Gegner, führt in „Les Miserables“ eine Revolution an und küsst in romantischen Komödien wie „Kate und Leopold“ so manche Leinwand-Schönheit: Hugh Jackman, 49, ist privat einer der sympathischsten Schauspieler unserer Zeit. Mit der 13 Jahre älteren Deborra-Lee Furness verheiratet, mit der er auch zwei Kinder hat, aufgewachsen im australischen New South Wales, sang er bei Nicole Kidmans und Keith Urbans Hochzeit und nimmt sich auch sonst nicht allzu wichtig. OOOM sprach mit ihm über Familie, Nebenjobs, Peinlichkeiten, seine Größe und den Zirkus Hollywood.

Elisabeth Sereda4. August 2017 No Comments

Sie und Ihre Geschwister sind nur mit Ihrem Vater aufgewachsen, nachdem Ihre Mutter die Familie verlassen hat. Wie hat Sie das geprägt?
Mir war das damals entsetzlich peinlich. Ich war das einzige Kind in meiner Umgebung, wo die Mutter auf einmal nicht mehr mit der Familie leben wollte oder konnte. Ich habe das Wispern gehört, die Blicke gesehen …‚das ist der Junge, dessen Mutter …‘ und so. Anders zu sein ist schrecklich, wenn man jung ist und nur dazu gehören will.

Fotos: Constant Evolution

Haben Sie Ihre Mutter je wiedergesehen?
Ja, die Geschichte hat keine reißerische Headline. Meine Mutter und ich haben heute eine total coole Beziehung.
Wie schwierig war es, ein Außenseiter zu sein?
Als Teenager, mit 12, 13 glaubt man ja, man ist der Einzige, der sich so fühlt. Und dann nochmal, als ich zu schauspielen begann. Es hat sechs Monate gedauert, bis das klickte. Ich hatte jedes Mal diese Blockade, wenn ich eine Szene spielte, dass ich nicht echt war, dass ich etwas vorspielte. Und da habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Wenn du in deinem Kopf dauernd die Sorge hast, dass du dem Lehrer nicht gefällst, dann wird das nichts. Heute ist der Lehrer durch den Regisseur ersetzt. Man kann nicht den Regisseur beeindrucken wollen, man muss einfach in die Person schlüpfen und zu denken aufhören.
In Hollywood waren Sie nie unsicher?
Doch. Anfangs hieß es immer, du bist zu groß. Du machst viel zu viele verschiedene Dinge. Was bist du? Der Actionhero, der Moviestar, der „Boy from Oz“-Theaterschauspieler? Man hat mir gesagt, dass ich die Leute verwirre, wenn ich mich nicht auf eins festlege. In Wahrheit waren höchstens ein paar Studiobosse verwirrt. Und zehn Jahre später haben dieselben Leute gesagt, super, dass du so viel Verschiedenes spielen kannst.
Nur in Hollywood ist es ein Problem, wenn ein Mann zu groß ist.
Ja, ich glaube, das stammt aus der Zeit, als die alle klein waren. Humphrey Bogart (Anm.: Der Star aus dem Klassiker„Casablanca“ 1942) war einen Meter vierundsiebzig groß.
Tom Cruise ist auch nicht viel größer.
Haha, ja! Und in den Comics ist Wolverine einen Meter siebzig! Das Studio hat sich wirklich Sorgen gemacht, dass ich alle anderen Schauspieler und Figuren überrage. Da bin ich in die Knie gegangen und meinte, das ist alles kein Problem. Ich kann mit abgewinkelten Beinen spielen.
Ihre Zeit als Wolverine ist nun zu Ende. Was werden Sie nicht vermissen?
Die schreckliche Diät. Wenn ich nie mehr sechsmal am Tag gedünstetes Huhn mit Brokkoli essen muss, wird mir wahrlich nichts abgehen.

BEIM FILMEN SPIELST DU NIE LÄNGER
ALS ZWEI MINUTEN BIS ZUM NÄCHSTEN STOP.
AUF DER BÜHNE HAST DU 30 SEKUNDEN
SCHMETTERLINGE IM BAUCH,
ABER DANN HAST DU ZWEI STUNDEN,
UM DIE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN.

Welcher Job war Ihnen peinlich?
Eine Coca-Cola-Werbung. Aber es war nur ein Vorsprechen, den Job habe ich nicht bekommen. Ich war entsetzlich. Die Besetzungsregisseurin war abgelenkt, ich musste so tun, als wäre ich im Dschungel, es ist heiß, ich kämpfe gegen Schlangen und finde unter einem Stein eine Cola-Dose. Ich war grauenhaft. Sie ließ mich nicht mal die falsche Cola-Dose – die war nämlich nicht mal echt – austrinken, bevor sie mich hinausgeschmissen hat.
Ihre Produzenten nennen Sie ein Naturtalent. Sie sagen, die Bühne ist in Ihrer DNA. Wann spürten Sie das zum ersten Mal selbst?
Ich war fünf oder sechs, als ich im Schultheater das Musical „Camelot“ gespielt habe. Es hat sich so natürlich angefühlt, obwohl mir mitten im Stück die Krone, die sie mir aufgesetzt hatten und die viel zu groß war, ins Gesicht rutschte. Ich dachte, das ist ein Desaster, aber dann hörte ich lautes Gelächter vom Publikum und wusste, es ist alles in Ordnung. Und seither spiele ich. Ich habe nie gedacht, dass es ein Job sein würde, habe es immer nur als Hobby gesehen. Ich weiß, dass Theater für viele Schauspieler nervenaufreibend ist, aber für mich war das immer leichter als filmen. Um ehrlich zu sein, habe ich sehr lange gebraucht, bis ich mich an die Soundstage und die Kameras gewöhnt habe. Beim Filmen spielst du selten mehr als zwei Minuten lang, und das ist schon ein Luxus. Da gibt’s sehr viel Stop und Start, und die Geschichte, die du erzählst, ist sehr zerrissen. Auf der Bühne hast du die ersten 30 Sekunden Schmetterlinge im Bauch, und dann bist du da oben und weißt, du und deine Kollegen haben jetzt zwei Stunden, um die Geschichte zu erzählen.


Mögen Sie Musical lieber als Theater?
Hey, ich war der 14-Jährige, der in seinem Zimmer ein riesiges Olivia-Newton-John-
Plakat hatte, das ich jeden Tag geküsst habe! Als ich in der Schauspielschule war, wollte ich es immer probieren, weil ich den Dramakurs besuchte anstatt des Musicalkurses. Und ich die ganze Zeit dachte, okay, einmal im Leben will ich im Ensemble in einem Musical sein. Und dann war mein erster Job nach dem Abschluss die Rolle des Gaston in „Beauty and the Beast“ und ich habe mich in das Genre verliebt. Wenn singen und tanzen funktioniert, dann gibt es nichts Besseres. Wenn nicht, dann gibt’s nichts Schlimmeres.
In Ihrem neuen Film „The Greatest Showman“ geht es um den Besitzer eines Zirkus. Was ist für Sie das Faszinierende am Zirkus?
Meine erste Erinnerung an einen Zirkusbesuch war der Zirkus Oz, der erste, der keine Tiere hatte, da ging es wirklich nur um die Auftritte der Artisten. Es gab nicht diese Tierquälerei, die heute zu Recht angeprangert wird.
Welchen Rat geben Sie Ihren Kindern?
Das Leben ist außergewöhnlich, die Möglichkeiten sind endlos, und man muss Freude am Leben haben und das Beste daraus machen, ganz gleich, was die anderen denken. Herausforderungen annehmen. Wenn du etwas findest, das dich mit Freude und Stolz erfüllt, dann ist es nicht Arbeit, und du bist allein dadurch den meisten Leuten schon Meilen voraus. Glaube an dich, denn das Leben mit einem Fragezeichen ist kein Leben.

Leave a Reply