Tech & Science

Mit 14 an der Uni – Der Wunderknabe

Felix Ohswald ist 21 Jahre alt, hat bereits ein Mathematik-Studium abgeschlossen und gilt als Wunderknabe. Mit seinem Start-up GoStudent, einem persönlichen Lernassistenten, bringt er Schüler und Studenten per Smartphone mit Tutoren zusammen.

Jessica Schreckenfuchs26. April 2017 No Comments

Felix Ohswald bei der Arbeit. Bis vor Kurzem teilte sich der GoStudent-Mastermind ein Büro mit dem Unternehmen Match-Maker Ventures.

Ein persönlicher Lernassistent. GoStudent ist also etwas ganz anderes als eine Nachhilfeplattform. Sie bietet Schülern Antworten auf konkrete Fragen. Dabei dauert es im Schnitt nur zwei Minuten, bis die erste Antwort kommt. Viel schneller also als eine traditionelle Suche bei Google dauern würde, denn dort muss man sich durch die Ergebnisse durchklicken, durchforsten, sie selber zusammenfassen und aussortieren. Felix Ohswald: „Im Unterricht trauen sich manche Schüler keine Fragen zu stellen. Man würde ja sofort eingestehen, dass man die Antwort nicht weiß – für viele eine unangenehme Situation“, weiß er aus Schul­erfahrung. „Mit GoStudent kann man die Fragen einfach und anonym stellen, die Antwort kommt prompt.“

Bereits 2000 aktive Tutoren. Die Schüler können auf der Plattform per App Fragen stellen. Je nach Themengebiet werden diese dann an Tutoren weitergeleitet, die sie beantworten – und dafür EUR 0,25 bekommen. Ein gegenseitiges Rating-System spornt die Tutoren an, richtige Antworten zu geben. Dabei wird nicht nur Mathematik abgedeckt, sondern alle Bereiche des schulischen Alltags: Fremdsprachen, Geschichte, Deutsch, Physik und viele andere Themenbereiche. Aber auch allgemeinere Fragen können gestellt werden: Was ist ein guter Einleitungssatz für eine Meinungsrede? Oder: Wie heißen die Heiligen Drei Könige? Ohswald: „Denn jeder kennt sich in irgendeinem Bereich gut aus und kann somit sein Wissen der ganzen Schüler- und Studenten-Community weitergeben. Wenn eine Frage gestellt wird, kommt diese in das Sammel-Pool aller Tutoren und wird dort nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip beantwortet. Die Schüler und Studenten bekommen somit schnelle und gute Antworten.“ Die Schüler sind zwar anonym, die Tutoren aber werden bewertet. Die gegenseitige Kontrolle der Tutoren untereinander und die Bewertungen durch die Schüler ist somit die Qualitätssicherung für GoStudent.

Zukunft des Lernens. Unser Schulsystem steht vor großen Herausforderungen. Der digitale Wandel verändert unsere Arbeitswelt in bisher unbekanntem Ausmaß (siehe dazu auch die Story ab Seite 160 in dieser OOOM-Ausgabe). Die Anforderungen an Schüler und Studenten werden sich weg vom Auswendiglernen von Fakten hin zu kreativen, komplexen Lösungsansätzen bewegen müssen. Start-ups, die sich mit dem Thema beschäftigen, werden eine entscheidende Rolle in der Weiterentwicklung des Lernens spielen.

Bereits die letzten Jahre haben neue Plattformen die Welt der Schüler und Studenten grundlegend verändert. Die erste große Revolution war sicherlich die Erfindung von Wikipedia. Als Quelle noch immer verpönt, zeigen Untersuchungen aber, dass die Qualität der Artikel mit kommerziellen Quellen nicht nur mithalten kann, sondern diese auch öfters übertrifft. Die Digitalisierung der Universitätsbibliotheken und Fachzeitschriften ermöglicht Forschern, Studenten und Schülern weltweit vernetzten Zugriff auf einen fast unendlich großen Datenschatz. Der Austausch in einem Peer-to-peer-Netzwerk am Smartphone ist nur ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung.

Die Plattform will in Zukunft die Antworten gerne individuell für jeden Lerntyp präsentieren. Ob dies zu einem besseren Lernerfolg führen wird, muss sich erst zeigen, ist die Idee der unterschiedlichen Lerntypen doch seit Jahrzehnten überholt – auch wenn sie sich nach wie vor hartnäckig hält. Lernen passiert durch Vernetzung im Gehirn gepaart mit den Emotionen des Erlebnisses. Ein reines Frage-Antwort-Spiel wird langfristig keine Verknüpfung im Gehirn auslösen.

Maschinen als Tutoren. Auf der anderen Seite werden die Tutoren zukünftig sicherlich von Maschinen abgelöst werden: Cortana, Alexa und Siri zeigen in Verbindung mit Daten aus Wikipedia oder Wolfram|Alpha, dass die Beantwortung von Fragen aus strukturierten Daten immer genauer und besser wird. Die Zukunft des Lernens liegt also in der Kreativität, Daten und Information zu Wissen zu kombinieren. GoStudent hat also gute Chancen, da mitzuspielen. In allem anderen Bereichen haben Algorithmen bereits jetzt die Nase vorn.

26. April 2017