Inspiration

Mit Migrationshintergrund: zwei Länder, zwei Kulturen, ein Mensch

Vor 32 Jahren habe ich das Licht der Welt erblickt und das im schönen Freiburg im Breisgau. Gemeinsam mit meinen vier Geschwistern und meinen Eltern wuchs ich also im Schwarzwald auf. Hier besuchte ich sowohl den Kindergarten als auch die Schule. Meine Heimatstadt liegt im Südwesten Deutschlands aber mein Geburtsland ist nicht dasselbe wie das meiner Eltern. Beide Elternteile sind nämlich aus Algerien und in diesem großen nordafrikanischen Land geboren und aufgewachsen.

Luisa Hezame2. Oktober 2018 No Comments

So stehe ich zwischen zwei Ländern: Deutschland und Algerien. Zwei Länder, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Abgesehen von der Sprache, unterscheiden sich diese beiden Länder vor allem durch ihre Kultur, Religion und Mentalität. In unserer Familie hatte sich Deutsch als Kommunikationssprache durchgesetzt, das Arabische rückte immer weiter in den Hintergrund, besonders als meine Erzieher im Kindergarten meinen Eltern dazu rieten uns zusätzlich in den Deutschunterricht zu stecken. Gesagt, getan.  Während die anderen Kinder spielten, gab es für mich zweimal die Woche Deutschunterricht. Während meiner ersten Jahre, bemerkte ich noch keinen besonders großen Unterschied. Ich habe mich nicht „anders“ wahrgenommen, sondern wie alle anderen. Mit der Zeit – mit Eintritt der Schule – wurden die Unterschiede jedoch deutlicher. In der Schule gab es den Religionsunterricht den ich als Einzige nicht besuchte. Weshalb hatte ich nie wirklich verstanden aber bis auf das äußerliche Erscheinungsbild konnte ich keinen Unterschied sehen. Ich hatte viele Freunde und Sprachbarrieren gab es auch keine. Soweit, so gut. Dann brachen die Sommerferien an und für meine Familie und mich ging es für fünf lange Wochen nach Algerien. Ich war zwar schon im Kleinkindalter dort gewesen aber daran kann ich mich nicht wirklich erinnern. Was für ein Abenteuer, es ging in mein Heimatland oder doch eher Ursprungsland? Naja, jedenfalls war ich sehr aufgeregt und wollte unbedingt endlich über den Wolken sein. Nach gut zwei Stunden waren wir schon gelandet und mein Onkel stand am Flughafen um uns abzuholen. Wir verbrachten die Wochen bei meiner Oma im Haus. Das Haus lag in einem kleinen Dorf, es war der Heimatort meiner Mutter, in der die Familie mütterlicherseits lebte. In die nächstgrößere Stadt – in der die Familie meines Vaters lebte – waren es nur wenige Minuten mit dem Auto.

Abgesehen davon, dass ich das Gefühl hatte, mit so ziemlich jedem Menschen dort verwandt zu sein, war das Land in dem ich nun war, so überhaupt nicht wie Deutschland. Die Menschen sahen anders aus, sprachen anders, aßen anders, tanzten anders, kleideten sich anders. Alles war irgendwie anders. Bei unserer Ankunft hieß es: „ die Deutschen kommen“. Die Deutschen? Aber wir waren doch keine Deutschen! Oder etwa doch? War ich nicht endlich in dem Land meiner Familie, meiner Vorfahren? In Deutschland selber wurden wir jedenfalls nicht als „die Deutschen“ bezeichnet. Ich war zwar etwas verwirrt aber das war schnell wieder vergessen, gab es doch viel Wichtigeres zu tun: spielen! Es gab zwar hie und da Sprachprobleme, da ich meine Muttersprache nicht sonderlich gut beherrschte aber das hat meine neu gewonnenen Freunde und Verwandtschaft nicht gestört.

Die Wochen vergingen und hatte ich mich gerade an dieses Land gewöhnt mit all seinen faszinierenden Gegebenheiten, war es auch schon wieder Zeit zu gehen, denn die Schule sollte wieder starten. Schade! Gerade erst hatte ich mich an dieses Land und die Menschen gewöhnt. Wieder ging es zum Flughafen und nach einem zweistündigen Flug waren wir also wieder zurück in einer völlig anderen Welt. So schien es mir jedenfalls anfangs. So verbrachten wir alle ein bis zwei Jahre unsere Sommerferien. Nach wenigen Tagen kehrte der Alltag in Deutschland wieder ein und ich war froh, dass ich wieder zurück war. Hatte ich doch auch meine Freunde in Deutschland vermisst und das Leben in Freiburg. Ich erkannte, dass es sehr große Unterschiede gab und die Lebensweisen sich deutlich voneinander unterschieden. Mit den Jahren wurden meine Algerienbesuche jedoch immer seltener, ich blieb öfters zuhause, um meinem Leben in Freiburg nachzugehen.

Leave a Reply