Inspiration

Mit Migrationshintergrund: zwei Länder, zwei Kulturen, ein Mensch

Vor 32 Jahren habe ich das Licht der Welt erblickt und das im schönen Freiburg im Breisgau. Gemeinsam mit meinen vier Geschwistern und meinen Eltern wuchs ich also im Schwarzwald auf. Hier besuchte ich sowohl den Kindergarten als auch die Schule. Meine Heimatstadt liegt im Südwesten Deutschlands aber mein Geburtsland ist nicht dasselbe wie das meiner Eltern. Beide Elternteile sind nämlich aus Algerien und in diesem großen nordafrikanischen Land geboren und aufgewachsen.

Luisa Hezame2. Oktober 2018 No Comments

Im Teenageralter bemerkte ich im Gegensatz zur Kindheit größere Unterschiede. In Algerien waren die Frauen – wenn auch nicht alle – meist verschleiert und immer in Begleitung unterwegs. Die vielen Staßencafés waren voller Männer, Frauen hatten dort nichts zu suchen. Am Strand lag niemand im Bikini – die Frauen trugen ihre langen Kleider auch im Wasser. Frauen und Männer hatten nur innerhalb der Familie miteinander zu tun. Was als Kind egal war, war nun plötzlich nicht mehr egal. So sollte der Körper eines jungen Mädchens bereits bedeckt sein. Während die Jungs und Männer abends auch gerne loszogen, blieben die Mädchen und Frauen zuhause. Wobei ich sagen muss, dass das in den Großstädten Algeriens, besonders in Algier, nach Erzählungen her, wohl anders zugeht.

In Deutschland gab es da keine Unterschiede. Im Schwimmbad waren alle in Badebekleidung und in den Kaffeehäusern waren sowohl Männer als auch Frauen anzutreffen. Zuhause wurde immer mehr deutsch gesprochen und langsam aber sicher, geriet das Interesse an meiner Muttersprache in den Hintergrund. Wir hatten im Vergleich zu anderen Freunden mit „Migrationshintergrund“ nur deutschsprachiges Fernsehen. Gekocht wurde auch immer europäischer und je mehr meine algerischen Wurzeln sich von mir entfernten, desto stärker wurde das Verlangen nach dem Erhalt. Durch die Musik, die Hochzeiten, die Feiern und Besuche, kommen die Wurzeln immer wieder zum Vorschein und das ist auch gut so. Die Zeit, die ich als Kind in Algerien verbrachte – wenn auch nur in den Sommerferien – hat mich nachhaltig geprägt. Eine richtige Identitätskrise hatte ich bislang noch nicht aber der Wunsch nach einer „Auffrischung“ bzw. Festigung ist da. Ich habe mich nie vollkommen als Deutsche und auch nicht vollkommen als Algerierin gesehen. Genauso bin ich auch für alle anderen weder vollkommen deutsch noch algerisch. Vielmehr ist es eine Mischung aus beiden. Letztendlich ist das auch nicht so wichtig, denn fühle ich mich ohnehin eher als Weltbürgerin. Meine Heimatstadt ist Freiburg. Mein Heimatland ist Algerien. Ich möchte meine Muttersprache wieder erlernen und auch öfter dieses faszinierende Land in dem der Großteil meiner Familie lebt, besuchen. Ich reise für mein Leben gern und war schon in vielen Ländern dieser Welt. Vermutlich habe ich auch aus diesem Grund das Bedürfnis, mein Heimatland wieder mehr zu entdecken. Ich verspüre den Wunsch, wieder mehr meinen Background zu festigen aber ich könnte es mir auch nicht vorstellen, in Algerien zu leben. Dafür bin ich dann doch zu sehr an das Leben in Europa gewöhnt. Zwei verschiedene Länder mit zwei unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Religionen, Traditionen und Lebensweisen. Und doch ist es eine Welt.

Leave a Reply