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Monogamie: Und bis dass der Tod euch scheidet?

Monogamie – leben wir gegen die Natur? Lebenslange Treue, ist das überhaupt vorgesehen?

Luisa Hezame2. Dezember 2018 No Comments
Polygamie 3

Und bis dass der Tod euch scheidet: Wer kennt sie nicht, die vielen Märchen aus der Kindheit, die Geschichten, in denen der Märchenprinz auf dem Pferd angeritten kommt. Gefolgt von einer großen Hochzeitsfeier und die Absicht eines gemeinsamen Lebens bis ans Ende aller Tage. Diese romantische Vorstellung von Liebe scheint in den Köpfen der Menschen verankert zu sein. Der hartnäckige Glaube, dass es nur den oder die Eine (n) geben kann, lässt so manche Menschen verzweifeln. Ein Leben außerhalb der Monogamie wird nicht selten als „moralisch falsch“ angesehen. Aber ist es nicht so, dass Menschen – gleichgültig ob sie in einer Beziehung sind oder nicht – sich in ihrem Leben zu mehreren Menschen hingezogen fühlen? Wenn nicht sogar, lieben? Wer kennt es nicht? Im Freundeskreis kam es zu einer Trennung oder Beziehungspause aufgrund eines Seitensprungs.

Wir suchen nach der großen, wahren Liebe, den Seelenpartner, und glauben in jeder Beziehung, genau diesen einen Menschen gefunden zu haben. In der Verliebtheitsphase idealisiert man den Partner und ist sich sicher: das ist der/die Richtige! Aber warum trennen sich dennoch so viele Menschen? Die Zahl der Scheidungen geht zwar leicht zurück aber nach wie vor werden im deutschsprachigen Raum noch immer viele Ehen geschieden. So lag die Gesamtscheidungsrate im Jahr 2017 in Österreich bei 41 %. In den Nachbarländern, Deutschland und Schweiz, sieht das Ganze sehr ähnlich aus. Somit wird jede zweite Ehe geschieden. Aber abgesehen von den Trennungen, steigt gleichzeitig auch die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu treten. Über die sozialen Netzwerke und Dating Apps, ist es heutzutage keine große Herausforderung mehr. Die Versuchung ist groß und das Angebot vorhanden. Die Verlockung nur wenige einfache Klicks entfernt. In den letzten Jahren gab es mehrere Statistiken zum Thema Untreue. So ergab die Statistik, die von der Unterhaltungs-Website „The Richest“ gemeinsam mit dem Dating-Portal „Match.com“ und in Kooperation mit Statista, dass mehr als 50 % der Verheirateten ihren Ehepartner betrogen haben. Neben Thailand kamen alle anderen Länder, auf den vorderen Plätzen, aus Europa.

Fakt ist, dass viele einander betrügen und fremd „kuscheln“. Und das beschränkt sich nicht auf bestimmte Kulturen oder Länder, sondern findet weltweit in allen Kulturen statt. Kann es also sein, dass wir dazu bestimmt sind, mit der einen bestimmten Person, für den Rest des Lebens zusammen zu bleiben? Oder ist es vielmehr die soziale Intoleranz der Polygamie?

Monogamie ist hingegen bei Säugetieren nicht sehr verbreitet. Der Mensch stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme da. Wissenschaftler rätseln seit langem, was Paare dazu veranlasst, treu zu bleiben. Interessanterweise haben Forscher der Uniklinik Bonn einen „biologischen Mechanismus“ entdeckt, der eine Erklärung geben könnte. Oxytocin – ein im Gehirn produziertes Hormon – das auch „Kuschel- oder Liebeshormon“ genannt wird. Sie fanden heraus, dass wenn man Männern das Oxytocin verabreicht und ihnen daraufhin ein Bild der Partnerin zeigt, dass Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Die Versuche wurden nur bei Mann-Frau-Beziehungen durchgefühlt. Zusammengefasst: die Attraktivität der Partnerin steigt. Monogamie lässt grüßen.

Zu bemerken ist, dass die Ausschüttung mit der Verliebtheit beginnt, und in der Regel vier bis sieben Jahre andauert. Möglicherweise ein Grund dafür, dass die Ehe/Beziehung nach sieben Jahren endet. „Das verflixte siebte Jahre“, wer kennt diesen Spruch nicht.

Warum aber, hält die Wirkung überhaupt nur ein paar Jahre? Um es auf den Punkt zu bringen: Das Hormon steigert die Überlebenschancen des Nachwuchses. So hat die Natur dafür gesorgt dass sich beide Eltern auf den Nachwuchs konzentrieren. Ebenso hält das Hormon die Männer davon ab, sich nach der Zeugung direkt einer anderen Partnerin zu widmen.

Das Hormon ist im Übrigen auch für die Frau von besonderer Bedeutung. In der Schwangerschaft, während der Geburt und in der Stillzeit, denn Oxytocin bewirkt das Einsetzen der Wehen und ist für den Milchfluss verantwortlich. Es spielt bei der Mutter-Kind-Bindung eine enorme Rolle.

Die Natur sorgt also mit der Ausschüttung des Hormons für wichtige Komponenten: Vertrauen, Zuneigung, Treue, und beeinflusst somit das zwischenmenschliche Verhalten. Ob wir gegen unsere Natur leben, darüber lässt sich streiten. So gibt es auch Menschen, die ihr ganzes Leben miteinander teilen und sich die Treue halten. Die gesellschaftliche Intoleranz hat mit Sicherheit einen enormen Einfluss darauf, dass die meisten Menschen nur einen Partner haben. Biologisch betrachtet sind sich Evolutionsforscher heute weitgehend einig, dass der Mensch ursprünglich nicht sexuell monogam gelebt hat. Es gibt aber auch kulturelle Unterschiede. In der heutigen Welt wird eine sexuelle Monogamie angestrebt, was sich vor allem auch, durch religiöse Wertvorstellungen erklären lässt. Die Treue in einer Beziehung wird als gottgewollt angesehen. Beispiele wie: „Du sollst nicht ehebrechen“, oder: „Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib“, zeigen dies deutlich. Noch heute ist diese Idee fester Bestandteil unseres Wertesystems.

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