Inspiration

Mumbai. Bollywood oder Slums ?

Zwischenstopp für zwei Tage in Mumbai, einer faszinierenden Stadt. Der Hotelconcierge empfahl mir nach der klassischen Stadtbesichtigung auch eine Bollywood Tour wo man hinter die Kulissen der weltgrößten Filmproduktion schauen kann. Ich setzte mich hin und begann im Internet zu surfen. Über das Hotel ein Tour zu buchen, fand ich zu langweilig – lieber ein kleine lokale Agentur unterstützen, war meine Devise. Rasch wurde ich fündig und fand zu den gängigen Bollywood Touren auch eine Slum Tour durch Asiens größten Slum - Dharavi. Im Herzen der Stadt gelegen und berühmt geworden durch den Hollywoodfilm Slumdog Millionär.

Christina Zappella-Kindel10. April 2020 No Comments
Bollywood oder Slums

Ist das ethisch vertretbar einen Slum als Tourist zu besuchen? Ist das Armut schauen oder zeigt es auf wie sich die Menschen in ihrer – sicher nicht einfachen Welt – ihr Leben gestalten ? Irgendetwas in mir schob alle Zweifel beiseite und kurzentschlossen änderte ich meine Pläne. Statt Bollywood sollten es nun die Slums Tour werden. Die Agentur bestätigte mir die Buchung und ich sollte meinen Guide namens Kirtan vor einem Cafe bei der Mahim Railway Station treffen.

Bald darauf saß ich im Uber und fuhr durch Mumbais belebte Straßen – das alleine schon ein tolles Abenteuer ist.  Wie es genau funktioniert ist glaube ich niemandem klar – alle Fahrzeuge bahnen sich schnell einen Weg durch den enormen Verkehr. Es wird gehupt, gebremst, auf’s Gas gestiegen und die Fahrspur gewechselt – manchmal alles zur gleichen Zeit und Unfälle passieren so gut wie gar nicht.  Nach aufregenden 30 Minuten war ich am Ziel angelangt. Vor dem Cafe`, einer modernen indisches Starbucks Kopie, wartete schon Kirtan auf mich.

ooom bollywood oder slums

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Der sympatische junge Mann studiert EDV in Mumbai und erzählte mir, dass er selbst in den Slums aufgewachsen ist. Mittlerweile lebt er mit seinen Eltern in einem anderen Stadtteil, der Vater hat einen besseren Job bekommen und sie konnte es sich leisten wegzuziehen.

Der sympatische junge Mann studiert EDV in Mumbai und erzählte mir, dass er selbst in den Slums aufgewachsen ist. Mittlerweile lebt er mit seinen Eltern in einem anderen Stadtteil, der Vater hat einen besseren Job bekommen und sie konnte es sich leisten wegzuziehen. Jedoch leben nicht nur die Ärmsten der Armen in Dharavi, sondern auch Angestellte, Anwälte, Lehrer, und die meisten schon in der in der dritten Generation, erzählte mir Kirtan. So könnten wir während der Tour seinen Cousin Rahul besuchen – welcher diese Touren durch die Slums organisiert und selber dort wohnt. Klar, hatte ich Interesse, und schon stapften wir los. Berührungsängste darf man natürlich nicht haben. Vor allem in den Straßen mit kleinen Geschäften und Ständen. Unzählige Menschen drängen sich in den engen Gassen um Gemüse oder andere Waren zu kaufen und Mopeds fahren hupend durch die Menge.

Rund 10.000 kleine Firmen, darunter Handwerksbetriebe wie beispielsweise Gerbereien, Schneidereien und Töpfereien gibt es da. Beinahe 90 Prozent der Unternehmen machen ihr Geschäft mit Recycling.  Wir begannen unseren Rundgang in der „Recycling Station“, wo Plastikmüll von den diversen Deponien gesammelt landet und dann sortiert und geschreddert wird.  Über 100 Tonnen Müll produziert die 22 Millionen Metropole Mumbai täglich und rund 80 % des Plastikmülls davon werden recycelt. Dabei werden die geschredderten Plastikteilchen wieder eingeschmolzen und es entstehen Handyhüllen oder andere Plastikprodukte daraus. Zumindest funktioniert diese Art von Kreislaufwirtschaft. Unbeirrt sitzen die Männer bei der Arbeit und fühlen sich durch unsere Anwesenheit gar nicht gestört.  Riesige Säcke mit Plastikmüll stehen im ganzen Viertel – soweit das Auge reicht.

ooom bollywood oder slumsooom bollywood oder slums

ooom bollywood oder slums

Die Plastikflasche mit Wasser, welche ich vom Hotel mit dabei hatte, fühlte sich danach gar nicht gut an. In Zukunft werde ich meine Trinkflaschen auch bei Reisen mit dabei haben. Jeder kleine Schritt, ist ja bekanntlich hilfreich.

10. April 2020