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Mumbai: Das Herz Indiens

Egal, wohin die Reise nach Indien geht, meistens gibt es einen Zwischenstopp in ­Mumbai. Es wäre schade, nur den Flughafen dieser Stadt zu kennen. Das ­ehemalige Bombay präsentiert sich als Potpourri aus modernen Wolkenkratzern, antiken ­Tempeln, Überresten der britischen Kolonialvergangenheit, weitläufigen Slums und der größten Filmproduktion der Welt. Gegensätze, die die Megacity mit 20 Millionen Einwohnern zu einer Herausforderung machen. OOOM begab sich auf Spurensuche in der wichtigsten Hafenstadt des Subkontinents – und erlebte auch den größten Slum Asiens, Dharavi, von einer völlig neuen Seite.

Christina Zappella-Kindel30. Juli 2020 No Comments
Mumbai India OOOM

Früher Morgen am Flughafen Mumbai. Eine angenehme, warme Brise kommt mir beim Verlassen des Flughafengebäudes entgegen. Alles ist noch sehr ruhig, nur wenige Menschen stehen vor dem Terminal. Ich frage bei einem Getränkestand, wo ich ein Taxi in die Stadt finden kann. „Taxi?“, fragt der Verkäufer ungläubig. Nein, ich solle doch ein Uber nehmen, und er schickt mich in den dritten Stock des gegenüberliegenden Parkhauses zum Uber-Treffpunkt.

Eine Stadt erwacht. Trotz der aufgehenden Sonne darf man sich während der Fahrt keine romantische Stimmung erhoffen. Mumbai ist Realität pur: Armut gegen die Wohlstandssymbole der globalisierten Welt. Wie viele Menschen hier leben, weiß man nicht genau, es sollen um die 20 Millionen sein. Täglich strömen viele Arbeitssuchende aus allen Teilen des Landes in die Mega-Metropole, um sich hier niederzulassen. Sie träumen von einem besseren Leben und treffen doch nur auf die ernüchternde Wirklichkeit. Vorbei an unzähligen kleinen Wellblechhütten fährt mich mein Uber-Driver recht zügig ins Zentrum. Straßenverkäufer bieten an allen Ecken und bei jeder Ampel ihre Waren feil, Frauen in bunten Saris überqueren auf dem Weg zu den Märkten die Straße, ein Ochsenkarren blockiert den Kreisverkehr – eine Stadt erwacht. Sehr schnell ändert sich das Szenario, wenn man in eine wohlhabende Gegend kommt. Moderne Glaspaläste ragen in stillem Wettstreit um Größe und Dominanz in den milchigen Himmel. Es scheint, als hätte man sich in eine andere Zeit beamen lassen. Versteckt hinter dicken Mauern und inmitten eines duftenden, orientalischen Gartens liegt das Four Seasons Mumbai. Ein modernes, elegantes Boutiquehotel, das ganz ohne Protz auskommt.

Mumbai India OOOM

Die Sunsetbar auf der Dachterrasse offenbart einen atemberaubenden Blick über die Stadt und das Meer. Auch das Service im Haus ist top, ganz besonders das Spa, wo Behandlungen bis um ein Uhr früh möglich sind, wenn man sowieso unter Jetlag leidet.

Man kann hier stundenlang dem bunten Treiben zusehen und abends die farbenfroh verzierten Kutschen mit den fröhlichen Fahrgästen beobachten.

Zum Gateway of India. Zu Mittag fahre ich zum Causeway, einem belebten Straßenmarkt. Allerlei Krimskrams, bunte Gewänder, Taschen, handgemachte Fächer, Schmuck – so ziemlich alles findet man hier. Es ist auch kein Problem, dass ich als Frau allein unterwegs bin. Niemand bettelt oder belästigt mich. Einen erfrischenden Halt mache ich im bekannten Café Leopold. Es spielt eine bedeutende Rolle in dem Roman „Shantaram“ des australischen Buchautors Gregory Roberts, eines ehemaligen heroinabhängigen Bankräubers, der aus dem Gefängnis ausbrach und nach Indien floh, wo er über ein Jahrzehnt lebte. Und so wenig seine persönliche Geschichte zu Indien passt, sein Roman zeichnet ein umfassendes und sehr reales Bild des Lebens in der chaotischen und überbevölkerten Metropole. In den Fokus der Weltöffentlichkeit gelangte Mumbai durch die Terroranschläge 2008, die 174 Menschenleben forderten. Heute ist es ein beliebter Treffpunkt für Touristen, aber auch für Filmleute aus Bollywood, die dort gerne nach westlichen Statisten Ausschau halten. Wenn man sich an den Essensständen und kleinen Geschäften vorbeigearbeitet hat, kommt man zum Gateway of India, einem großen Triumphbogen am Thane Creek, der zur Erinnerung an den ersten Besuch eines englischen Königs, Georg V. 1911, in Indien errichtet wurde. Man kann hier stundenlang dem bunten Treiben zusehen und abends die farbenfroh verzierten Kutschen mit fröhlichen Fahrgästen beobachten.

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30. Juli 2020