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Barbara Meier: Bodenhaftung

Sie studierte Mathematik, gewann die zweite Staffel der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“, stand für Magazine wie Vogue und Marie Claire vor der Kamera und macht sich nun als Schauspielerin international einen Namen. Barbara Meier engagiert sich für Nachhaltigkeit, setzt sich für die Erhaltung der Meere ein und zeigt in OOOM Fair Fashion. Ein Gespräch über Schönheit, das Modelgeschäft, Erfolg und tiefe Täler – und wie man in einem verrückten Business mit beiden Beinen am Boden bleiben kann.

Georg Kindel18. Dezember 2017 No Comments

Was ist alles über Sie hereingebrochen?
In Deutschland ist sehr viel passiert. Ich habe einen Werbevertrag gewonnen, Covershootings, viele Leute haben angefragt. Ich wollte aber auch schnell das Handwerk lernen. In der Sendung arbeitet man mit tollen, internationalen Fotografen zusammen. Aber in zehn Shootings lernst du nicht dein Berufswissen, du musst schon Erfahrung sammeln. Deswegen bin ich immer wieder ins Ausland gegangen, auch Paris und Mailand waren dabei, aber lange Zeit war ich in Istanbul und Athen, die nicht so High-Glamour-Metropolen sind. Die Jobs waren auch nicht für Vogue oder Chanel, sondern normale Katalog­shootings oder Editorials für Fashionmagazine. Doch ich konnte dabei sehr viel lernen. In Istanbul habe ich fast jeden Tag gearbeitet. Wenn man das zwei Monate macht, wird es anstrengend. Die Menschen konnten teilweise auch kein Englisch, ich konnte mich mit niemanden verständigen. Man ist den ganzen Tag im Studio ohne Tageslicht. Es war ein schwieriger Alltag. Aber ich konnte schöne Bilder machen, mit denen ich mich weiter bewerben konnte. In Deutschland hatte ich immer die supertollen glamourösen Jobs, da bin ich einfach weit oben in das Business eingestiegen. Ich habe aber gleichzeitig in den anderen Ländern von ganz unten angefangen. Da kannte niemand meine Hintergrundgeschichte, da war ich einfach als rothaariges Model unterwegs.

Waren Sie im Hotel oft einsam?
Ich bin erstmal nicht in ein Hotelzimmer zurückgekommen, sondern in eine Model-WG, da waren Mädels da, was auch schwierig ist, weil man Tag und Nacht von dem Business umgeben ist. Man ist den ganzen Tag drinnen in dem „Darf ich was essen, darf ich nichts essen?“ Es war für mich eine große Umstellung. Wenn ich jemanden vorher kennengelernt habe und mochte, hab ich mich mit dem angefreundet. Im Modelbusiness ist es so, dass du alle Menschen erstmal nur einen Tag triffst. Du verbringst den ganzen Tag mit ihnen, der Visagist ist die ganze Zeit mit deinem Gesicht beschäftigt, du bist ganz nah an ihm dran. Und trotzdem weißt du, du wirst den Menschen, auch wenn du ihn magst, so schnell nicht wiedersehen. Ich war auch nicht der Typ, der abends in Clubs gegangen ist, weil ich war da, um zu arbeiten.

18. Dezember 2017