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Barbara Meier: Bodenhaftung

Sie studierte Mathematik, gewann die zweite Staffel der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“, stand für Magazine wie Vogue und Marie Claire vor der Kamera und macht sich nun als Schauspielerin international einen Namen. Barbara Meier engagiert sich für Nachhaltigkeit, setzt sich für die Erhaltung der Meere ein und zeigt in OOOM Fair Fashion. Ein Gespräch über Schönheit, das Modelgeschäft, Erfolg und tiefe Täler – und wie man in einem verrückten Business mit beiden Beinen am Boden bleiben kann.

Georg Kindel18. Dezember 2017 No Comments

Es ist jetzt 10 Jahre her, dass sich Ihr Leben komplett verändert hat. Was waren in dieser Zeit die spannendsten, faszinierendsten Momente?
Ich hab für Cartier für die Vogue Taiwan fotografiert, wo wir im Cartier-Headquarter von Bodyguards umgeben waren. Da hatte ich eine Kette an, die hat 20 Millionen Euro gekostet. Das war für mich damals eine unvorstellbare Zahl. Ich durfte diese Kette nicht einmal berühren, obwohl sie auf meinem Körper lag.

Gab es Menschen, die Sie fasziniert haben?
Ich habe dieses Jahr bei den Golden Globes Justin Timberlake getroffen, und ich hab vorher nie so verstanden, warum die Frauen den so gut finden. Aber der hatte so einen tollen Humor, er war so unterhaltsam auf eine so ironische Art, dass ich danach ganz begeistert war. Oft sind es auch Leute, die hinter der Kamera stehen, die ich spannend finde. Auch Wolfgang Joop hörst du gerne zu.

Von Amberg zu den Golden Globes ist ein breiter Weg.
Wobei ich das jetzt ja schon zehn Jahre mache, es ist nicht mehr ganz so neu. Ich bin jetzt 30 und mache das ein Drittel meines Lebens. Am Anfang war es schwierig, weil sehr viel passiert ist und ich keine Zeit hatte, das zu verarbeiten. Ich war einfach fokussiert, hab meinen Job gemacht. Da fragte ich mich öfter: „Was passiert eigentlich um mich herum?“ Man gewöhnt sich nicht daran, ich möchte mich auch an nichts davon gewöhnen, weil nichts davon ist selbstverständlich. Und ich weiß, dass ich ganz großes Glück habe, viele meiner Träume leben zu können. Doch die Leute sehen oft nicht, dass eigentlich in dem Maße, in dem ich schöne Dinge erlebe, auch schlechte in meinem Leben passieren. Ich bin der Meinung, dass der Durchschnitt eigentlich immer gleich ist. Hätte ich mein Mathestudium gemacht, wäre ich wahrscheinlich genauso glücklich wie jetzt. Es wäre halt alles etwas linearer verlaufen und ich hätte sicher diese absoluten High-Phasen nicht gehabt. Ich hätte mir wahrscheinlich aber auch manche Täler erspart. 

Wenn es Ihnen schlecht geht, haben Sie gewisse Rituale?
Ich bin selbstständig. Jeder, der das ist, weiß: mal läuft’s gut, mal nicht. Ich habe noch keinen Rhythmus oder ein Ritual gefunden, das mir hilft. Ich weiß, es ist eine schwere Phase, und ich weiß, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Aber ich kann mich nicht sofort da rausziehen. Ich war ein paar Mal mit meinem Papa bergsteigen, und das ist nicht nur eine schöne Quality-Time, sondern man vergisst einfach alles. Du hast kein Handy, keinen Computer, du bist nicht erreichbar. Man konzentriert sich auf jeden Schritt, den man macht, auf die Natur. Oder wenn ich meine Eltern besuchen komme. Das sind einfach so Orte, wo ich weiß, da kann ich alles draußen lassen, da muss ich nicht geschminkt sein.

18. Dezember 2017