Lifestyle & TravelTop Stories

Barbara Meier: Bodenhaftung

Sie studierte Mathematik, gewann die zweite Staffel der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“, stand für Magazine wie Vogue und Marie Claire vor der Kamera und macht sich nun als Schauspielerin international einen Namen. Barbara Meier engagiert sich für Nachhaltigkeit, setzt sich für die Erhaltung der Meere ein und zeigt in OOOM Fair Fashion. Ein Gespräch über Schönheit, das Modelgeschäft, Erfolg und tiefe Täler – und wie man in einem verrückten Business mit beiden Beinen am Boden bleiben kann.

Georg Kindel18. Dezember 2017 No Comments

Sie sind deutsche Botschafterin für Nach­haltigkeit.
Ich komme aus einer bodenständigen Familie. Wenn man im ländlichen Bereich groß wird, ist es ganz normal, dass man sich irgendwo ehrenamtlich einsetzt. Entweder sind die Leute bei der Feuerwehr oder bei einem anderen Verein. Wenn wir bei der Natur nicht bald die Kurve kriegen, hat das für sehr viele Menschen Nachteile. Naturschutz heißt immer Menschenschutz. Ich bin aber niemand, der sich an ein Schiff ketten kann. Ich fand von Kindheit an das Meer toll. Ich habe es zwar erst mit 18 gesehen, aber ich fand Wale und Delphine so spannend. Jedes Jahr kommen weltweit angeblich 10 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Nach Schätzungen sind 10 % davon alte Fischernetze, die 500 Jahre nicht verrotten. Und wenn sie sich dann langsam auflösen, hat man dieses ganze Mikroplastik im Meer, das wir heutzutage noch nicht rausholen können. Das ist ein Thema, wo man als einzelner Verbraucher gar nicht so viel tun kann, aber wo ein Bewusstsein geweckt werden muss. Dann kamen wir auch auf Fair-Fashion. Fair-Fashion hat klar mit Arbeitsbedingungen zu tun, aber auch mit Natur und Umwelt. Ledergerberei, das ist eine unglaublich giftige Prozedur. Da sind ganz viele Sachen, die sich überschneiden, mit Recycling, ganz viele Methoden, aus alten Sachen neue Produkte herzustellen etc.

Wo holen Sie sich Ihre Inspiration für Ihre Jobs?
Ich mag es ganz gerne, dass ich mal alleine rausgehe. Ich neige dazu, viel zu reden, und wenn ich wirklich mal Energie tanken will, tut es mir ganz gut, ruhig zu sein. Natur ist immer etwas, was mich beruhigt. Ich finde es spannend, sich die Natur anzuschauen. Wie ein Blatt geformt ist, weil daran perfekt das Wasser ablaufen kann, oder was Tiere können. Wenn man das bewundern kann, vergisst man sehr viel außen rum an Stress. 

Wo sind Sie in 10 Jahren?
In zehn Jahren würde ich fast schon sicher sagen, dass ich Kinder haben werde. Familie ist mir wichtig. Beruflich weiß ich nicht. Modeln in Paris mach ich eh nicht mehr. Schauspielen hoffe ich, dass das in zehn Jahren noch weitergeht.

Bücher schreiben?
Wenn es einen Grund gibt, dann ja. Mein erstes Buch habe ich ja geschrieben, weil ich sehr viele Erfahrungen mit meinem Körper gemacht habe. Wir sehen unseren Körper oft nur, wenn er nicht funktioniert. Wenn wir krank sind wirft uns das aus der Bahn. Aber wenn es uns gut geht, vergessen wir, was unser Körper für ein Wunder ist. Ich habe ganz viel gelernt, wie man seine eigenen Leistungsgrenzen verschieben kann, wie wichtig Pausen sind, was es braucht, um ein Langzeitziel zu erreichen. Ich habe es an mir selber erfahren, was es heißt, sich mehr zu bewegen, an Bewegung und Essen zu schrauben.   

Was sind Ihre wichtigsten Eigenschaften?
Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, ich versuche immer freundlich und hilfsbereit zu sein – das habe ich von zu Hause mitbekommen –, was manchmal schwierig ist, wenn man viel Stress hat und in einer oberflächlichen Welt unterwegs ist. Und dann bin ich wahrscheinlich ehrgeizig, wenn auch nicht immer diszipliniert. Früher war ich das mehr.

18. Dezember 2017