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Norbert Zimmermann: Cacao statt Coca

Norbert Zimmermann ist Industrieller, Musiker und neuerdings auch Bauer in Kolumbien. Der Selfmade-Millionär hat aus der ehemaligen Berndorfer Besteck-Fabrik einen internationalen Technologie-Konzert geschmiedet, die Berndorf AG, eine Holding mit 60 Unternehmen und Niederlassungen rund um den Erdball. Wann immer es seine Zeit zuläßt fliegt Zimmermann nach Kolumbien, wo er große Landstriche aufkaufte, auf denen früher Cocasträucher für die Kokainproduktion angebaut wurden. In OOOM schildert der Unternehmer, warum er mit 70 Jahren zu reiten begann, Kakao zu seinen Lieblingspflanzen zählt, er Österreichs einzigen Astronauten zu seinem Nachfolger macht und sogar die US-Flagge am Mond von einem seiner Unternehmen hergestellt wurde.

Christina Zappella Kindel 20. Dezember 2019 No Comments
norbert zimmermann ooom magazin

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Sie haben es geschafft. Der Ort, der anfangs gegen Sie demonstriert hatte und Sie als Feind bekämpfte, machte Sie 2007 zum Ehrenbürger. Was war das für ein Gefühl?

Ein Unglaubliches. Ich bin dankbar, dass es diese Demo gegeben hat. Aber das Leben ist in Wahrheit eine kurze Distanz, die wir zurücklegen. Wenn man in diesem Leben solche Abschnitte hat, dass du mal ganz unten bist und dann bekommst du genau das Gegenteil, nämlich das Vertrauen und die Anerkennung, so ist es diese Differenz, die dich erkennen lässt, wie schön das alles ist. Wäre ich damals mit Applaus empfangen worden und hätten sie mich dann 20 Jahre später zum Ehrenbürger gemacht, hätte das keine Bedeutung gehabt.

Sie haben Österreichs einzigen Astronauten, Franz Viehböck, 2002 ins Unternehmen geholt. Heute ist er CTO und soll ab 2020 Vorstandsvorsitzender werden. Hat man Ihrer Meinung nach eine andere Perspektive und Sicht der Dinge, wenn man im Weltall war?

Ich glaube schon. Der Franz ist ein besonderer Typ, den ich noch nie grantig oder zornig erlebt habe. Er lebt in einer balancierten Gefühlswelt, allerdings wäre er auch nicht in den Weltraum gekommen, wenn er labil gewesen wäre. Die Idee, ihn unbedingt im Unternehmen haben zu wollen, ist mir gekommen, als ich sein Buch in die Hände bekam. Er beschreibt darin, wie er sich als junger Mensch gegenüber hunderten Bewerbern für diese Mission durchkämpfen musste. Plötzlich waren es nur mehr zwei in dieser Endrunde und diese beiden waren sehr enge Freunde. Da hatte er die Einstellung: „Wenn es Lothar wird ist es auch gut, dann ist es auch mein Erfolg“. Eine Menge Eigenschaften also, die man auch als Manager braucht

Sie haben auch die NASA als Kunden. Wie kommt man an so einen Auftraggeber?

Durch den Kauf von Schoeller Bleckmann ist uns quasi auch die NASA als Kunde zugewachsen, denn eine der texanischen Tochterunternehmen in Houston hat mit der NASA traditionell Kontakt. Wir sind dort sicher das Kompetenzcenter für Laser- 3D-Technologien im Metallbereich. Die Fahnenstange der amerikanischen Flagge auf dem Mond kommt von unserem Unternehmen.

Sie haben Land in Kolumbien gekauft. Wie wird man Kakaobauer in Kolumbien?

Das Leben besteht ja immer auch aus Sehnsüchten, Zufällen und einer Realität, die sich schaffen lässt. Ich habe alles Mögliche in meinem Leben gemacht, hatte aber noch nie etwas mit Landwirtschaft zutun. Meine Oma war Bergbäuerin, das war meine einzige Beziehung zu diesem Thema. Dann erzählte mir ein Kollege, dass er Verwandtschaft in Kolumbien hat, weil er dort aufgewachsen ist und von seinem Onkel einen Grund in Llanos geerbt hat. Das ist eine Ebene der Kordilleren, wo Bogota oben steht auf 2.700 Meter Seehöhe. Das geht  bis zum Orinoco in Richtung Venezuela also ca. 500 bis 600 Kilometer in diese Richtung. Und diese Ebene ist grün durchzogen von tausenden Gewässern, Flüssen, Bächen, sie ist ganz wenig besiedelt und eine wunderbar fruchtbare Fläche, auf der fast niemand lebt. Er ist dann eine Woche später nach Kolumbien gefahren, rief mich an und sagte, dass er ein tolles Land gesehen hat, er mir Fotos mitbringt und ob ich nicht interessiert wäre. Er hätte eine Fläche angeboten bekommen, die er sich jedoch nur zu einem Drittel leisten könnte und für die anderen zwei Drittel benötigt er einen Partner. Ich sagte: Okay, gilt. Ich habe bis dahin Kolumbien immer gemieden, obwohl ich viel nach Südamerika, Brasilien, Argentinien oder Mexiko gereist bin.

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Wegen der Drogenkartelle?

Ja, vor allem wegen der Drogengeschichte in den 1980er- und 90er-Jahren. Meine Tochter Sonja die ja Spanisch studierte, hat mal ein Jahr in Südamerika gelebt. Die war damals in der wilden Zeit als Studentin für ein Ferialpraktikum in Bogota. Das  war mir damals zu unheimlich, darum habe ich Kolumbien eigentlich immer ausgelassen. So bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Kolumbien mit der Zusage gereist, dort mitzumachen.

Welches Jahr war das?

Das war 2011, als wir das erste Mal hingefahren sind.

20. Dezember 2019