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Nutzpflanze Hanf

Für Jahrtausende genutzt. Dann ein Jahrhundert verflucht. Jetzt als Wundermittel wieder entdeckt.

Christina Zappella-Kindel18. Mai 2018 No Comments

Vermutlich in Zentralasien hat die Faser-, Heil- und Ölpflanze ihren Ursprung. Durch menschliches Zutun über Tausende von Jahren hat sie sich weltweit verbreitet und ist vor allem in gemäßigten bis tropischen Zonen sowohl kultiviert als auch verwildert zu finden. Schon 2800 v. Chr. beschreiben chinesische Ärzte, wie sie Hanf als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und andere Unpässlichkeiten eingesetzt haben. Die alten Griechen und Ägypter verwendeten Kleidung aus Hanfgewebe. In Europa ist Hanf neben Nessel und Flachs die wichtigste Nutzpflanze. Viele mittelalterliche Waffen wären ohne Hanf nicht möglich gewesen. Wie etwa der Langbogen, dessen Sehnen aus Hanf bestanden. Andere Materialien hielten den enormen Zugkräften nicht stand. Die berühmte Gutenberg-Bibel ist auf Hanfpapier gedruckt. Kolumbus schaffte die Entdeckung Amerikas nur mit robusten und gegen Salzwasser widerstandsfähigen Segeln und Tauwerk aus Hanffasern. Die 1776 unterzeichnete amerikanische Unabhängigkeitserklärung wurden auf Hanfpapier geschrieben. Der nach Amerika ausgewanderte Levi Strauss produzierte 1870 die erste Jeans – und die war aus Hanf.

Warum dann damit aufhören?

Es gibt einige Theorien, die zum Ende des legalen Hanf-Anbaus geführt haben. Manche klingen äußert logisch, andere etwas konstruiert, und sicher ist kein Faktor alleinig dafür verantwortlich.
Sicher ist aber Folgendes: Die Firma DuPont hatte im Jahre 1937 sowohl Verfahren zur Herstellung von Plastik aus Öl und Kohle (Nylon) als auch neue Sulfat/Sulfitverfahren zur Papierherstellung aus Holzzellmasse patentieren lassen, die über 80% seiner gesamten Produktion in den nächsten 50 Jahren ausmachen sollten. Der Bankier Andrew W. Mellon, Hauptinvestor von DuPont, hatte in seiner Funktion als Herbert Hoovers Finanzminister den zukünftigen Mann seiner Nichte, Harry Jacob Anslinger (1892-1975), zum Leiter der gerade umorganisierten staatlichen Rauschgift- und Drogenbehörde FBNDD (Federal Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs) ernannt . Anslinger saß 31 Jahre lang auf diesem Posten. Die Industriemagnaten und ihre Kapitalgeber wussten, dass Maschinen zum Mähen, Bündeln, Schälen und zur Verarbeitung von Hanf zu Papier und Plastik Mitte der dreißiger Jahre verfügbar sein würden. In einer Mischung aus Machterhalt und rassistischen Bemerkungen zur „mexikanischen Droge“, sowie finanziellen Interessen im Geschäft mit Kunstfasern, wurde Hanf besteuert und mit Filmen und Werbespots zu einer schlimmen Droge hochfantasiert. Und schlussendlich im Prohibitionswahn verboten. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte. Denn durch die Möglichkeit der mechanischen Spinnerei trat die Baumwolle ihren Siegeszug um die Welt an. Auch der starke Rückgang der Segelschifffahrt sowie die Herstellung von Zellstoff durch Holz drängten den Hanf zurück.

Moderne Hanfbauern

Hanf liefert als einjährige Pflanze auf derselben Fläche nicht nur 4 bis 5 mal so viel Papier wie Wald, wegen der hohen Reißfestigkeit der Hanffaser kann dieses Papier auch öfter recycelt werden als Holzpapier. Hanf wächst sehr schnell, bis zu 4m Höhe in 100 Tagen. Hinsichtlich der Bodenzusammensetzung ist er eine eher anspruchslose Pflanze und besitzt dank seiner „Abwehrstoffe“ THC  und CBD  eine große natürliche Widerstandsfähigkeit gegen fast jeden Krankheitsbefall. Moderne Hanfbauern unterscheiden vier verschiedene Teile der Pflanze mit wirtschaftlicher Bedeutung. Die Samen Hanfsamen schmecken nicht nur gut, sondern sind auch sehr gesund. Sie enthalten 28 bis 35 % Fett, 30 bis 35 % Kohlenhydrate, 20 bis 24 % Proteine und neben Vitamin E, Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen besonders hohe Anteile an Vitamin B, speziell Vitamin B1 und Vitamin B2. Darüber hinaus enthalten sie alle acht für den menschlichen Körper essentiellen Aminosäuren, als Proteinquelle sind Hanfsamen damit für den Menschen hervorragend geeignet. Die Samen selbst werden sowohl geröstet als auch ungeröstet verkauft und ohne weitere Verarbeitung konsumiert. Sie dienen auch als Grundlage zur Extraktion von Hanföl oder als hochwertiges Futter für Vögel und Fische. Sie lassen sich auch zu Hanfmehl, einer Erdnussbutterähnlichen Hanfbutter oder zu Hanfsuppe verarbeiten. Die Fasern Wegen ihrer Schädlingsresistenz und Langlebigkeit sind sie als Dämmstoff gefragt. Sie eigenen sich auch für die Herstellung von Papier und Textilien. Je nach Länge der Faser entstehen große Fliese oder feinster Zellstoff. Die Schäben Schäben sind die Reste der verholzten Pflanzenteile, die sich nicht zur Fasergewinnung verwenden lassen. Diese sind jedoch fast genauso wertvoll und finden vor allem als Tiereinstreu Verwendung. Speziell Pferde lieben die besonders absorptionsfähige Einstreu aus Hanf. Ihre Besitzer schätzen die leichte Kompostierbarkeit. Die Blätter Blatt und Blüte der Hanfpflanze können heute zu „ätherischen Hanfölen“ veredelt werden. Diese Wasserdampfdestillate finden dann als Geschmacksstoffe in Lebensmitteln oder als Geruchsstoff z.B. in Waschmitteln Verwendung.

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