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Nutzpflanze Hanf

Für Jahrtausende genutzt. Dann ein Jahrhundert verflucht. Jetzt als Wundermittel wieder entdeckt. Vermutlich in Zentralasien hat die Faser-, Heil- und Ölpflanze ihren Ursprung. Durch menschliches Zutun über Tausende von Jahren hat sie sich weltweit verbreitet und ist vor allem in gemäßigten bis tropischen Zonen sowohl kultiviert als auch verwildert zu finden. Schon 2800 v. Chr. beschreiben chinesische Ärzte, wie sie Hanf als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und andere Unpässlichkeiten eingesetzt haben. Die alten Griechen und Ägypter verwendeten Kleidung aus Hanfgewebe. In Europa ist Hanf neben Nessel und Flachs die wichtigste Nutzpflanze. Viele mittelalterliche Waffen wären ohne Hanf nicht möglich gewesen. Wie etwa der Langbogen, dessen Sehnen aus Hanf bestanden.

Christina Zappella-Kindel18. Mai 2018 No Comments

Hanfprodukte

Hanf in der Bauwirtschaft Hanf ist aus der Baubranche nicht mehr wegzudenken. Seine hohe Reißfestigkeit und die geringe Feuchtigkeitsaufnahme sind hervorragende Eigenschaften für die Bauwirtschaft. Beton kann durch den Zusatz von Hanffasern seine Festigkeit erhöhen. Verdichtete Baudämmplatten bieten Schall- und Trittschutz ohne Schädlingsbefall sowie hervorragende Diffusionsoffene Dämmeigenschaften. Zusätzliche Pluspunkte: Bei der Herstellung dieser Produkte aus Hanf wird nur wenig Energie benötigt. Aus der Nutzpflanze gefertigte Baustoffe können ohne Probleme für die Umwelt entsorgt werden, da sie deutlich weniger Schadstoffe enthalten, als vergleichbare Produkte ohne Hanfanteil. Und: Sie wachsen jährlich nach. Hanf in der Automobilindustrie Aktuell wird Hanf für Formpressteile in Tür- und Kofferraumauskleidungen und Armaturenbretter verwendet. Pro Automobil werden dabei 5 bis 10 kg Hanf verarbeitet. Die verhältnismäßig schwierige Entflammbarkeit sowie die unscharfen Kanten verringern die Verletzungsgefahr bei Unfällen enorm. Hanf in der Textilindustrie Weil weder beim Anbau noch bei der Ernte und Verarbeitung schädliche Chemikalien eingesetzt werden müssen, kommen Hanf-Textilien giftfrei auf die Haut. Das macht Bekleidung aus Hanf auch für Allergiker empfehlenswert. Da die Produktivität von Hanf noch nicht ganz mit Baumwolle gleichzusetzen ist, darf für Textilien aus Hanf noch etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Dies wird sich aber sicherlich sehr schnell ändern.  Sehr interessant ist die Herstellung sogenannter „cottonisierter Hanffasern“. Hierunter versteht man eine Hanffaser, die mit Hilfe modernster chemisch-physikalischer Verfahren verfeinert wurde und in ihren technischen Eigenschaften der dominierenden Baumwollfaser so weit gleicht, dass sie auf den hochproduktiven Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden kann.

Hanf in der Medizin

Die medizinische Verwendung der Hanf-Pflanze ist mindestens 4500 Jahre alt. Die alten Chinesen nutzten Hanf u. a. gegen Malaria, Rheuma und bei Entzündungen. Der Leibarzt des römischen Kaisers Nero verordnete Hanf als Schmerz- und Beruhigungsmittel. Hildegard von Bingen (1098-1179), Martin Luther (1483-1546), die englische Königin Viktoria (1819-1901) – die Liste der Medizinalhanf- Konsumenten ließe sich endlos fortsetzen. Obwohl Hanf noch 1937 bei über 100 Krankheitsbildern verschrieben wurde, strich man ihn 1941 von der Medikamentenliste.

Die moderne Cannabis-Forschung beginnt mit der Isolierung des wichtigsten psychotropen Wirkstoffes Delta-9-THC im Jahre 1964. THC wirkt muskelentspannend, anti-epileptisch, stimmungsaufhellend, brechreizhemmend, appetitsteigernd, leicht verstopfend, augeninnendrucksenkend, bronchienerweiternd, beruhigend, schmerzhemmend, schlaffördernd, juckreizstillend, entzündungshemmend, antibiotisch, gefäßerweiternd, gerinnungshemmend und fiebersenkend. In den vergangenen Jahrzehnten sind über 60 Cannabinoide isoliert und beschrieben worden. Längst sind nicht alle ihrer Wirkungen erforscht, doch scheint das medizinische Potential von Hanf größer als bisher angenommen.

Dennoch sind Hanf und natürliche Cannabisprodukte in vielen Ländern nicht als Medikament zugelassen. Ärzte dürfen ihren Patienten diese Medizin nicht vorschlagen. Einzig auf synthetisches THC, das unter den Namen Marinol und Dronabinol verkauft wird, können Patienten ausweichen, denen nur Hanf hilft. Dabei ist Marinol etwa 30 bis 50 Mal teurer als das THC in natürlichen Cannabisprodukten und seine Wirkung nachweislich schlechter als die natürlichen THC-s. Hanf auch als gut wirksame, natürliche Medizin

Hanf, Cannabis – auch als Rauschmittel

In vielen Ländern der Welt ist Cannabis eine häufig konsumierte Droge. Ob ein Rauschmittel legal oder illegal ist entscheidet nur die Gesetzgebung. Das in der Pflanze enthaltene THC beeinflusst das Zentralnervensystem des Menschen. Es ist vorrangig für die entspannende und beruhigende Wirkung verantwortlich. Die Pflanze wird dazu in folgende Formen weiterverarbeitet:

Haschisch
Das gepresste Harz der Hanfpflanze wird geraucht oder, in Fett gelöst, zur Zubereitung THC-haltiger Getränke und Speisen verwendet.

Haschischöl
Das mit Lösungsmitteln aus der Pflanze extrahierte Öl wird verdampft und eingeatmet, mit Tabak vermischt, auf Papier geträufelt und gelutscht, geraucht oder zur Zubereitung THC-haltiger Getränke und Speisen verwendet.

Marihuana
Die getrockneten unbefruchteten weiblichen Blütenstände, mit oder ohne anhängende Blätter, werden geraucht. Die Wirkungen von Cannabis können je nach Person, momentaner körperlicher und psychischer Verfassung sowie Wirkstoffanteil des Produktes sehr unterschiedlich sein. Meist wird von einer Intensivierung des Gefühlslebens gesprochen, in der Regel einem positiven Lebensgefühl und der innigeren Verbundenheit mit vertrauten Personen berichtet. Möglich sind aber auch eine intensivere Erfahrung mit gerade aktuellen Emotionen des Konsumenten wie Angst, Traurigkeit und Misstrauen. Körperliche Auswirkungen sind gerötete Augen, Mundtrockenheit, gesteigertes Hungergefühl, Erhöhung des Pulses sowie eine Senkung des Blutdrucks. Und doch werden viele Menschen absichtlich in die Kriminalität gedrängt, obwohl andere Rauschzustände nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sondern teilweise sogar honoriert werden. Ein legaler Markt bietet gegenüber den derzeit vorherrschenden Bedingungen folgende Vorteile:

  • Qualitätskontrolle & Konsumentenschutz
  • Steuereinnahmen für Staat und Kommunen
  • Verbindlicher Jugendschutz (Werbungsverbot)
  • Kontrolle des Verkaufs
  • Einnahmenverlust für den Schwarzmarkt
  • Arbeitserleichterung für Polizei und Richter

Dieses Thema ist schwierig zu diskutieren, da sich die Informationsbeschaffung über eine illegale Substanz selbst bereits verboten anfühlt und daher der Wissenstand in der breiten Bevölkerung sehr ungenau ist. Oft herrschen politisch geprägte Vorurteile – auf beiden Seiten. Hilfreich wäre eine auf der Basis von Wissenschaft und Medizin geführte gesellschaftliche Diskussion – nicht nur über Cannabis, sondern über absichtlich herbeigeführte bewusstseinsverändernde Zustände im Allgemeinen, welche sich die Menschen schon seit Jahrtausenden zu Nutze machen. Unterstützt bei der Informationszusammenstellung durch Roger Liggenstorfer (www.nachtschatten.ch)

18. Mai 2018