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Oprah Winfrey – die Seele Amerikas

Ihr Vater arbeitete im Kohlenbergwerk, ihre Mutter putzte die Häuser der Besserverdienenden. Die Tochter, Oprah Winfrey, ist heute die reichste Afro-Amerikanerin der Welt. Sie wurde TV-Reporterin, Moderatorin und spielte ihre erste Rolle in Steven Spielbergs „Die Farbe Lila“. Eine Oscarnominierung später zog sie dennoch ihre Talkshow dem Hollywood-Ruhm vor und wurde zur Psychiaterin der Nation. Heute leitet sie einen eigenen Fernsehsender und produziert Serien, am 7. Januar erhält sie den Golden Globe für ihr Lebenswerk. Ein OOOM-Gespräch über Menschsein, Rassismus und Lebensziele.

Elisabeth Sereda18. Dezember 2017 No Comments

Wie ist es so, Oprah Winfrey zu sein?
Fantastisch! Ich tue nichts, was mir nicht Spaß macht. Ich lebe ein simples Leben, ich lebe es bloß auf großem Fuß. Wenn du über 60 bist und noch immer etwas beweisen musst, dann hast du etwas falsch gemacht. Dann bist du in die falsche Schule gegangen. Denn jetzt geht es mir darum, mich zu entspannen, Freude darüber zu empfinden, was ich alles geleistet habe, mit Stolz auf meine Karriere zurückzuschauen und Projekte anzugehen, die mich zutiefst inspirieren, sei es die Gründung einer Schule, eine bestimmte Rolle oder die Produktion von Filmen und TV-Serien. Ich glaube, dass jeder Mensch hier auf der Erde ist, um seine Vorstellung, was es heißt, Mensch zu sein, zu erfüllen.

Waren Sie je in Therapie?
Keinen einzigen Tag. Weil ich während der Oprah-Show täglich Therapie hatte. Vor einem Millionenpublikum. Über die Jahre saßen da so viele Therapeuten auf meiner Couch, und ich habe allen genau zugehört. Ich habe dadurch Selbstheilung betreiben können. Ich habe dadurch gelernt, gewisse Fehler nicht zu machen und herausgefunden, dass ich nicht sehr viel Wut mit mir herumtrage.

Haben Sie je Rassismus erfahren?
In gewissem Sinn hat das jeder in Amerika. Und ich erzähle Ihnen eine interessante Geschichte: Im Film „Die Farbe Lila“ hatte ich eine Szene, in der meine Figur, Sophia, die Frau des Bürgermeisters schlägt, und die Menge schließt einen Kreis um sie und beschimpft sie mit dem N-Wort (Nigger). Niemand hat mich im Leben je mit dem N-Wort beschimpft, und das da war eine fiktive Szene in einem Film, und dennoch hatte ich eine fast körperliche Reaktion, so als ob mich jemand in den Bauch getreten hätte. Es fühlte sich einfach grauenhaft an.

Hat der Rassismus seit der Trump-Wahl zugenommen? Hat Amerika einen Rückschritt gemacht?
Nein, der Rassismus hat immer existiert, die Videos davon haben zugenommen, weil heute jeder Kamera-Handys hat. Und ebenfalls zugenommen hat die Macht der Stimmen, die wir vorher nicht hören konnten. Die Wurzel des Rassismus ist der Mangel an Wissen und Kennen. Denn es wird mir sehr schwer fallen, dich zu hassen, wenn ich dich wirklich kenne, wenn wir gemeinsame Gespräche geführt und gemeinsame Erfahrungen gemacht haben. Wir können Rassismus und Intoleranz nur bekämpfen, wenn die eine Seite die andere kennenlernt.

Sie scheinen mit Leib und Seele Schauspielerin zu sein, haben aber in Ihrer Karriere nur sehr wenig Filme gemacht. Warum?
Mir ist die Oprah Show dazwischengekommen. Das waren 200 Folgen im Jahr, und nicht genug Zeit, einen Film zu drehen, denn die Produktion hätte sich nach meinem Zeitplan richten müssen, und das ist einfach nicht möglich. Dabei wollte ich als Kind nie etwas anderes als Schauspielerin werden, aber mein Vater war dagegen: „Meine Tochter wird sich nie auf die Besetzungscouch legen!“, hat er gesagt. Das war Vernon Winfrey. In meiner Familie wurde sehr demotivierend über die Schauspielerei gesprochen. Ich dachte, wenn ich es aber so sehr liebe, muss ich es wohl unterrichten. Ich promovierte in Theaterwissenschaft, bekam aber dann das Angebot, bei einer Nachrichtensendung zu arbeiten, weil ich zu dem Zeitpunkt schon beim Radio war. Und das Fernsehen hatte mich von da an in den Klauen. Dank meiner Karriere kann ich heute schauspielen, wenn mich etwas wirklich anzieht. Und ich kann es tun, ohne mich auf die Besetzungscouch zu legen.

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